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15 Jahre GSM in Deutschland

1. June 2007 Kategorien: Hennings Handy-Welt

Heute kann T-Mobile und in vier Wochen Vodafone feiern. Vor 15 Jahren wurde das erste Mal wirklich mobil unter realistischen Bedingungen mit GSM telefoniert – in den Netzen Telekom-D1 und Mannesmann D2-Privat.

Wie wurde damals gelästert und gelächelt über die verrückten Pioniere, die nur rund um wenige Sender und entlang einiger Autobahnen mit vielen Lücken und Gesprächsabbrüchen mobil telefonieren konnten. Auf der weltweiten ITU-Messe in Genf konnte ich schon 1991 mit GSM telefonieren. Am 1. Juni 1992 startete die Deutsche Telekom u.a. in Stuttgart auf dem Killesberg das D1-Netz – ich war selbst dabei. Geräte gab es keine, also mußten Meßfahrzeuge von Alcatel (dem D1-Systemlieferanten in Stuttgart) mit denen man zur Not auch telefonieren konnte, herhalten.

Die Telekom- und Alcatel-Techniker rannten noch mit dem SEL-Alatel “Pocky” herum, einem brikett-großen C-Netz “Handy” mit Knickantenne, das in Sichtweise des analogen C-Netz-Sender eine Weile “mobil” telefonieren konnte. Sie wählten 0171… doch die GSM-Testfahrzeuge klingelten nicht.

Auch die Demonstration des neuen “D”-Netzes war eine heikle Geschichte. Alcatel hatte deshalb in Stuttgart alle Sender – bis auf einen – ausgeschaltet und machte eine Rundfahrt nur um diesen Sender, um Abbrüche beim Handover zu vermeiden. Dann wurde das Netz erst mal wieder eingemottet.

Bei Mannesmann D2-Privat sah man in der Werbung nur super schick gekleidete Business-Damen und Herren. Der Netzstart fand vier Wochen später im kleinen exklusiven Kreise statt. Am 30. Juni 1992 wurde das erste, kommerzielle Telefonat mit dem Handy geführt – und zwar dem Netz von Mannesmann Mobilfunk, die von vorneherein auf robuste Ericsson Technik setzten. Von Vodafone sprach damals noch keiner, denn die funkten nur in England.

Mein erstes Gespräch mit D2 fand im Herbst 1992 in Mannheim statt, bei einwandfreier Sprachqualität, die nur mitunter auf einmal “leiser” wurde. D1-Verbindungen hingegen klangen anfangs mehr nach Raumschiff-Enterprise (“Zing-Zong-Zerrroing”) als nach klarer Sprache. Aber als alter Sprechfunk-Hase (CB-Funk :-) war das kein Problem.

Die Propheten träumten damals von 4-6 Millionen “D-Netz-Kunden” im Endausbau, später raunten sie Zahlen von möglicherweise bis zu 20 Millionen Kunden – insgesamt. “D1″ hatte die Vorwahl 0171 und “D2″ die Vorwahl 0172 erhalten, bei 7 stelligen Nummern waren je Netz maximal 100 Millionen Nummern möglich. Da Rufnummern mit 1 und 9 am Anfang zunächst gar nicht vergeben wurden, blieben immer noch knapp 80 Millionen Möglichkeiten übrig. Für alle Fälle hatte man ja noch die Vorwahlen 0170 und 0173 in Reserve.

Heute telefonieren in Deutschland – statistisch betrachtet – über 80 Millionen Bundesbürger mit ihrem Mobiltelefon, mit verwirrenden Vorwahlen, die mit 015, 016 oder 017 beginnen. Jeweils über 30 Millionen davon sind T-Mobile und Vodafone-Kunden, die britische Vodafone hatte in einer beispiellosen Übernahmeschlacht den Düsseldorfer Mobilfunker gekauft und die Mannesmann Röhrenwerke – einst der Stolz der deutschen Industrie “eingeebnet”.

Vor 15 Jahren waren “Handys” nicht nur groß, klobig und schwer, sondern ermöglichten ausschließlich das mobile Telefonieren für wenige Stunden, selbst SMS-Kurznachrichten gingen mit den allerersten Geräten (z.B. von Motorola) noch nicht. Mein erstes Gerät imt D2-Netz war ein “Köfferchen” des später von Ericsson übernommenen Herstellers Orbitel.

Heute kann man mit seinem “Handy” Musik hören, TV-Programme anschauen, ins Internet gehen, E-Mails mit Anhängen lesen und beantworten oder diesen Blog lesen oder schreiben.

Bei Mannesmann kam man damals auf die gefährliche Idee, die sehr teuren Mobil-Telefone (Kaufpreis umgerechnet 3000 Euro) zu “verschenken”, pardon zu “subventionieren”, um den schleppenden Markt anzukurbeln, bei Telekom (später DeTeMobil, heute T-Mobile) zogen die Marketing-Profis zähneknirschend nach. Die “Strafe” waren jahrelang astronomisch hohe Gebühren für das mobile Telefonieren. Später kam die utopisch teure Datenübertragung dazu.

Auch die 50 Milliarden Euro, die 6 Lizenznehmer rund 8 Jahre später für die UMTS-Lizenz ausgaben, hatten ihre preisliche Nachwirkungen.

Als GSM startete, schimpften einige “diesen teuren Digtal-Quatsch braucht kein Mensch, die sollten besser das C-Netz ausbauen.” Sie hatten sich geirrt. GSM wurde ein Erfolg.

Als dann UMTS versteigert wurde, schimpften die meisten “diesen teuren Quatsch braucht kein Mensch”. Auch diese Kritiker haben sich geirrt. Inzwischen ist mobiles Telefonieren und Datenübertragung, trotz stellenweise nach wie vor hohen Preisen längst nicht mehr wegzudenken.

In vielen Haushalten ersetzt das Handy bereits das ehemalige Festnetz-Telefon.

Was heißt GSM eigentlich? Als keine Geräte lieferbar waren, wurde GSM mit “God Send Mobiles! übersetzt. Ursprünglich stand GSM für “Groupe Speciale Mobile” eine deutsch-französische Arbeitsgruppe, die schon in den 70iger Jahren (!) des letzten Jahrhunderts die Frequenz-Freigabe-”Weichen” für einen europäischen Mobilfunk stellten, als noch nicht einmal das C-Netz gestartet war. Als sich das ganze zum Welterfolg wandelte, wurde GSM schnell in “Global System for Mobile Telecommunications” umgedeutet.

1995 hatte Mannesmann schon eine Million Kunden und lag damals vor der Telekom. In den 90er Jahren beflügelten die Einführung des SMS-Dienstes (ab 1995) und die Einführung von Prepaid-Karten (ab 1997) den Markt-Erfolg. Das Versenden von SMS galt anfangs als “sinnlose” Spielerei. Niemand, wirklich niemand konnte sich vorstellen, daß SMS sich zum Volkssport entwickeln würde. Vieleicht, weil das Telefonieren so teuer war?

Prepaid-Karten wurden von E-Plus zuerst eingeführt: “Free & Easy”. DeTeMobil hatte kurz mit dem “Xtra Club” experimentiert (Kartenkaufpreis 100 DM und ein Motorola-Handy mit nicht aufhebbarem Sim-Lock). Mannesmann nannte sein Produkt “CallYa”

1998 hatten Telekom und Mannesmann je über fünf Millionen Kunden (Pre- und Postpaid)
Im März 2007, also etwa neun Jahre später, sind die Zahlen auf mehr als 30 Millionen Kunden pro D-Netz gestiegen. Seit 1994 funkt der Anbieter E-Plus (zunächst auf 1800 MHz) mit, heute mit etwa 12 Millionen Kunden. o2-Germany (damals als VIAG-Interkom gestartet) ist seit 1998 auf Sendung und hat heute alleine 11 Millionen SIM-Karten im Netz angemeldet. Es gibt mehr als 100 Millionen Karten für rund 80 Millionen Bundesbürger! Wieviele Karten davon wirklich genutzt werden, gilt als gut gehütetes Branchengeheimnis.

1994 bekamen die D-Netze Konkurrenz. Das E-Netz startete als “E-Plus” in Berlin. Die “großen” nahmen den “kleinen” zunächst überhaupt nicht ernst. “E-Plus” funkte zunächst nur auf 1800 MHz. Von vielen verspottet, startete VIAG Interkom (heute o2) im Herbst 1998, ebenfalls auf 1800 MHz. “Quam” (0150-5) war nur ein virtueller Netzbetreiber, zu Gast im Netz von E-Plus, genauso wie das nie öffentlich verkaufte Angebot von Mobilcom-Multimedia (Vorwahl 0156-6)

GSM (2G) erlaubte Datenübertragungen mit 9.600 bps, teilweise auch 14.400 bps. HSCSD erlaubte mit “Kanalbündelung” bei D2 und E-Plus für 40-50 kB/s. GPRS (2,5G) war anfangs genauso schnell, das E-GPRS (EDGE) schafft bis zu 200 kB/s in der Praxis. UMTS war anfangs für “nur” 384 kB/s gedacht und das ist längst Vergangenhheit. Die Zauberformel HSDPA erlaubt DSL-ähnliche Download Geschwindigkeiten von derzeit bis zu 3,6 Mbit/s (realistisch sind 2 MB) und demnächst wird die Höchtgeschwindigkeit auf 7,2 MBit/s gesteigert, was realistischen 4MB entspricht. Bei 14,4 MBit soll die HSDPA-Technik erst einmal ausgereizt sein, dann stehen HSUPA (schnellere Upload) und später LTE (=Long Term Evolution) in den Startlöchern und vom Horizont winkt bereits 4G. Was das genau werden wird, mal schauen.

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Eine Reaktion zu “15 Jahre GSM in Deutschland”

  1. Peter Says:

    Hallo Henning,

    ich habe Deinen Artikel mit Genuß gelesen. Diese spannenden 15 Jahre doch so knapp hinzubekommen, das hat schon was :-)

    Ein kleiner Abschnitt fehlt mir noch: Der Ausblick auf das, was da Deiner Meinung nach noch kommen wird. Aber vielleicht kommt das ja mal in einem Deiner nächsten Artikel.

    73 & 55 aus jetzt Neckarhausen
    remember?

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