Der Service-Provider Talkline freut sich in einer Pressemitteilung, daß soviele seiner Kunden die "Rechnung Online" gebucht haben. Manche - so könnte man meinen - eher unfreiwilig.
Mir kam da der Fall eines 72 jährigen Rentners zu Augen und Ohren. Der sah ein Angebot für eine Kaffeemascheine mit Digitalkamera und Handy. Das wollte er haben. Er schickte die notwendige Anmeldung an "Handy Service" in Offenburg.
Er würde 600 Euro sparen, hieß es da, die Tarife seien günstig, wie günstig genau, stand da im Werbebrief, den er in seinem Briefkasten gefunden hatte, nicht wirklich (und im Internet hat er nicht geschaut, denn er hat ja kein Internet.)
Die Leute vom Handyservice lieferten ihm prompt ein Foto Handy mit SIM-Karte (von Talkline) und zwei Formulare zur Freischaltung, die er an Handyservice faxen sollte. Zum Glück hat der Rentner ein Fax. Das eine vorgedruckte Fax-Formular hätte ihm eine teure Preselection seines Telefonanschlusses mit monatlichen Grundkosten beschert. Das hat er rechtzeitig gemerkt und nicht weggefaxt. Das zweite Fax betraf die Freischaltung seines Vertrages, das hat er weggefaxt.
Die SIM-Karte wurde nach einigen Tagen geschaltet, auch die Digitalkamera und die Kaffeemascheine wurden auch geliefert. Soweit so schön.
Nur eine Handy-Rechnung per Post bekam er nicht. Bis er sich mir anvertraute und wir im Internet seine "Rechnung-Online" vorfanden.
Daruf entdeckten wir eine "Vertriebsservice-Gebühr, einmalig" in Höhe von 2,1465 Euro (plus Steuern)
Auf die berechtigte Frage: Was ist das denn?, antwortete "Raoul" im Service-Chat von Talkline sofort. Eine knuffige Idee für Internet-Fans, zumal sie lange Wartezeiten in der 01805-Hotline von Talkline (Drücken sie die 3 wenn sie Hunger haben, die 9 wenn der Hamster bohnert und so weiter) vermeidet.
Raoul erklärte auf Knopfdruck: "Da Sie als neuer Talkline-Kunde über einen externen Vertriebspartner vermittelt wurden, fallen bei uns höhere Aufwendungen an. Unter anderem für die Übermittlung der Vertragsdaten vom Vertriebspartner an uns sowie zur Deckung der Servicekosten des Vertriebspartners, für die Vermittlung unseres Angebots, für die Betreuung des Kunden sowie für die mögliche Verlängerung der Verträge. Damit unsere Mobilfunktarife hierdurch nicht unzweckmäßig teuer werden, erlauben wir uns, diese Kosten fallweise einmalig zum Vertragsbeginn an den Kunden weiter zu berechnen. In unserer Preisliste, welche Sie bei Vertragsabschluß anerkannt haben, weisen wir auf diese Gebühr hin."
Angeblich beträfe diese Gebühr nur die Kunden von "Handy-Service", ob die vor Vertragsabschluß dem Kunden wirklich die komplette Preisliste zugeschickt haben? Der erinnert sich nur daran, rund 600 Euro "gespart" zu haben. Er hat seinen Vertrag inzwischen gekündigt und verwendet eine originale Xtra-Karte. Die ist wesentlich günstiger und stressfreier. Aber eine Kaffeemaschine und einen digitalen Fotoapparat gibts da auch nicht dazu.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| << < | > >> | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | |||||