Nun streiken sie also. Die Mitarbeiter von Telekom, die bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di organisiert sind. Mit 96,5 Prozent stimmten sie für den Streik. Und jetzt?
Streiken sie erst einmal unbefristet. So lange, bis... die Telekom wieder verstaatlicht, die privaten Telefongesellschaften aufgelöst und bei der Telekom wiedereingegliedert und alle Mitarbeiter wieder verbeamtet werden?
Natürlich nicht. Aber die Arbeitskämpfer bei ver.di möchten, daß ihre Leute nicht weniger als vorher verdienen und nicht mehr als vorher arbeiten müssen. Wer das am Ende bezahlen soll und will, interessiert die Arbeitskämpfer erst einmal nicht.
Dabei kann es bei diesem Arbeitskampf nur Verlierer geben.
Knickt die Telekom irgendwann vor der geballten Macht der Gewerkschaft ein, hat sie hohe Personalkosten. Ergo wird sie künftig neue Leute gar nicht oder nur für Niedrigstlöhne einstellen können. Unzufriedene Kunden werden verstärkt versuchen, zu den "Privaten Anbietern" zu wechseln, wo die Arbeitsbedingungen durchweg noch viel schlechter als bei der Telekom sein dürften. Doch das interessiert die "geizigen" Kunden kaum... solange sie nicht dort arbeiten müssen.
ver.di möchte, daß die Privatkunden vom Streik möglichst wenig spüren. Gut gemeint, doch wenn der Anschluß defekt oder ein Umzug ansteht, braucht man die Damen und Herren vom "Service" halt und die streiken derzeit.
ver.di will, daß die Geschäftskunden vom Streik besonders viel abbekommen, weil da "Druck" ensteht, Druck, der die Telekom zu Einlenken bringen könnte. Der G8-Weltwirtschafts-Gipfel könnte ein weiteres Druckmittel sein, da steht schließlich das Image des Landes auf dem Spiel.
Es kann aber auch anders kommen. Schon jetzt setzt Telekom verstärkt seine noch vorhandenen Beamten ein. Die dürfen nicht streiken. Wo das nicht reicht, werden private Billig-Call-Center aktiviert und viel schlechter kann der Service nicht werden, meint man draußen beim Publikum.
Stell Dir vor, es ist Streik und keiner merkt es?
Es dürfte ver.di extrem schwer fallen, aus der Sache ohne Ansehensverlust wieder herauszukommen.
Große Firmenkunden werden versuchen, alles auf Non-Telekom Anbieter auszulagern, das geht noch nicht überall, aber das Interesse an "alternativen" Strukturen wird wachsen und irgendwann sind diese alternativen Strukturen da und wichtige Telekom-Kunden endgültig fort. Und zahlungskräftige Kunden braucht die Telekom, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen.
ver.di sollte sich ein Beispiel an der IG-Metall nehmen. Oder an den Kollegen von Bergbau Chemie. Die haben pragmatisch und nahezu geräuschlos in kürzester Zeit Ergebnisse erzielt.
Vielleicht sehen wir das hier alle auch zu einseitig. Vielleicht sind unter den xonio.blog-Lesern auch Telekom-Mitarbeiter, die das aus ihrer ganz persönlichen Sicht kommentieren können? Vielleicht fehlen uns auch wichtige Argumente? Lesen hier vom Streik Betroffene mit? Wie kommen Sie "ohne Telekom" zurecht?

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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