Jaime Smith heißt der neue Chef von o2 Germany. Sein Vorgänger Rudi Gröger wird Chef eines o2 Supervisory Boards und sollte den Branchenverband BITKOM führen, darauf hat er zu Gunsten von Herrn Scheer verzichtet.
Was waren das noch Zeiten, als Peter Erskine von mm-o2 "seinen Rrrrruuudi" Gröger von o2-Germany regelmäßig auf den CeBIT-Pressekonferenzen lobte und sich über die traumhaften Zahlen des deutschen Marktes freute?
Lang war o2 einzigartig, denn "Genion" hatte sonst keiner. o2 galt als innovativ und vor allen Dingen bezahlbar.
Da konnte man auch über ein bei Unwettern wackelndes Netz hinwegsehen und wenn eine Rechnung mal nicht verständlich oder eine Homezone am entscheidenden Punkt "verschoben" schien, wußten sich die Insider zu helfen.
Neue Tarife der S-M und L Klasse ließen eigentlich fast keinen Wunsch mehr offen, wären da nicht diese kleinen Nadelstiche, welche Fans und Freaks, die Meinungsmultiplikatoren und Trendsetter gar nicht mögen:
- Eine kreative Euro-Umrechung, die den einzelnen kaum betraf, wohl aber das Gerechtigkeitsgefühl der Kundschaft.
- Neue Roamingtarife, die in bestimmten Fällen dramatisch teurer als die alten sein können, wenn man gewohnt war, im besuchten Land intern zu telefonieren, was beispielsweise in Asien oder Australien recht günstig war, weil auf die lokalen Preise "nur" 25 % aufgschlagen wurden.
- Eine vieldiskutierte unangekündigte Tariferhöhung bei 0180-Sonderrufnummern. Proteste wurden mit dem Hinweis auf "Nebenleistungen" abgewürgt. Als eine kleine Schar von 2.000 oder 3.000 Kunden nicht aufgab, seinem Unmut bei der Hotline und im Internet kund zu tun, sprach ein Münchner Gericht ein Urteil zugunsten von o2. Kenner berichten, daß der Kläger in seiner Klageschrift bereits hineingeschrieben habe, wie die Klage abzuweisen sei. Beste Nahrung für die Gerüchteküche und ein psychologischer Kollateralschaden.
o2 steht nicht mehr unangefochten da. Die aktuellen Zahlen belegen es.
Die Tiefstpreis-Discounter bieten 10-15 Cent in alle Netze - sogar prepaid. Bei o2-Loop bekommt das nur der Mega-Auflader.
Neue Angebote von Tchibo oder diversen Festnetzanbietern, verschenkte Prepaidkarten mindern den ARPU (Durchscnittsumsatz pro Kunde) und suggerieren Kartenwachstum, das es gar nicht gibt.
T-Mobile D1 und Vodafone-D2 können längst auch eine "Homezone" bauen. Selbst E-Plus könnte es mit Versatel - wenn sie nur wollten. Zwar sind die Homezonen von D1, D2 oft nicht ganz so "geräumig" wie bei o2, dafür aber stabiler und vor allen Dingen bundesweit verfügbar.
Die Netzabdeckung von o2 ist im Prinzip nicht schlecht. Wer aber über Land fährt oder in Gegenden gerät, wo o2 denkt, sie hätten schon genügend Netz und wo das D1-Roaming abgestellt - neudeutsch "gebarred" wurde, obwohl man damit eindeutige Versorgungslücken aufreißt, mag das
anders sehen. Um "alleine" bestehen zu können, müßte o2 noch massiv viele neue Sender aufstellen. Das kostet Geld und im Moment wirft o2 eher seine Techniker raus, obwohl sie dringend gebraucht würden.
Leider gibts in Deutschland kein Recht auf vorzeitige Kündigung bei fehlender Netzversorgung, das würde in den Markt echten Wettbewerb hineinbringen. Folglich hat o2 jene Kunden, die durch das lokale Abschalten des D1-Roaming von einer Versorgung abgeschnitten wurden, entweder gar nicht oder nur nach Auffahren schwerster Geschütze ziehen lassen.
Diese Nadelstiche wirken wie ein Zeitzünder, der frustrierte Kunde geht spätestens nach 2 Jahren. Extrem-Preisbewußte wechseln zu E-Plus oder deren 1000 Nebenmarken.
Qualitätsbewußte entdecken T-Mobile (D1) oder Vodafone (D2) neu. Mancher reduziert schlicht seine ansehnliche Kartensammlung.
Jetzt soll Jaime Smith das alles richten. Der hat in Tschechien einen integrierten Festnetz-Mobilfunk-Anbieter geschaffen. Peter Erskine lobt ihn:
"Im letzten Jahr hat das Unternehmen erfolgreich IPTV (Fernsehen über das Internet) und weitere Dienste für Breitband-Internet auf den Markt gebracht. Auch für Mobilfunkkunden setzte er im Bereich Sprach- und Datenservices Innovationen erfolgreich um.
o2 Germany steht mit der Einführung umfassender Mobil- und DSL-Paketangebote in diesem Sommer vor dem nächsten Wachstumsschritt in einem stark umkämpften Markt. Dabei werden Jaimes Erfahrungen von unschätzbarem Wert sein.
Deutschland ist der größte Markt in Europa und ich denke, dass o2 unter Jaime Smiths Leitung eine starke Position einnehmen und die sich bietenden Marktchancen bestens nutzen wird."
Soll heißen: Meckernde Kunden solle Ruhe geben und endlich mehr ausgeben und einkaufen, damit das Wachstum in einem vollkommen übersättigten Markt nicht abreißt.
Am Ende könnte es passieren, daß die spanische Telefonica, die Mutter von o2 das gleiche wie bei QUAM macht: Von heute auf morgen aussteigen.
Dann würde es richtig spannend. Die goldenen Zeiten von Kunden, die für 10-20 Euro im Monat maximal viel sms-en und telefonieren und alle 2 Jahre das neueste Trendhandy abstauben wollen, könnten dann vorbei sein.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| << < | > >> | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | |||||