T-Mobile hat letzte Woche in Berlin die mobile Datenzukunft gestartet. HSDPA mit 7,2 MB/s. Diese Demo war wirklich beeindruckend. Vor allen Dingen, wenn im kabelgebunden weltweiten Netz aller Netze weit hinter dem Handy auf manchen Strecken "Stau" ist. Das Handy ist längst schneller. Wer hätte das gedacht?
Pingzeiten von 100 msec (in Berlin im T-Mobile-Netz selbst gemessen) vermitteln ein "DSL-Gefühl", die Wartezeiten gehen zurück. So haben wir uns das immer gewünscht.
Wer erinnert sich noch an endlose Diskussionen, ob UMTS unbedingt sein muß, vor allen Dingen für "so viel Geld..." Schluß damit: UMTS ist da und Dank HSPA (High Speed Packet Access) machts jetzt wirklich richtig Spaß.
Jetzt müssen nur noch die Tarife und Taktungen stimmen. o2 hat mit seinen 200 MB für 10 Euro eine Marke gesetzt, die in fairen 10 kB Schritten abgerechnet wird. Der 100kB Takt von T-Mobile oder Vodafone ist da einfach zuviel, weil viele Handys permanent neue Sessions anfangen. Taktungen von 1kB (wie bei E-Plus) oder meinetwegen 10kB (wie bei o2) täten es bei D1 und D2 auch.
Die neuerdings favorisierten Zeit-Tarife sind hochgradiger Unsinn! Der Ticker läuft und das Geld ist weg, egal, ob Daten fließen oder nicht. Das erzeugt Frust beim Kunden.
Mit sinkenden Preisen kommen die Kunden. Die Anbieter müssen ihre Netze also zügig ausbauen. UMTS soll es nicht flächendeckend geben, sagen die führenden Netzbetreiber, dabei wäre UMTS gerade in der Provinz eine denkbare Alternative zu nicht vorhandenen DSL-Leitungen in der Provinz.
Derzeit also 7,2 MB im Downstream, in einer weiteren späteren Stufe könnten es noch 14,4 MBit/s im Downstream werden. Selbst bei HSDPA mit 1,8 MB kann man schon komfortabel surfen, mit 7,2 macht es erst Recht Laune.
Wenn man die Gunst der Stunde nutzt, um mobil aus den USA irgendwelche höchstauflösenden Videos, z.B. von Apple runterzuladen, kann es zum Daten-Stau kommen. Dafür kann T-Mobile gar nichts und die Telekom nur wenig, denn an den Übergabepunkten zwischen deutschen und amerikanischen Providern ist im Moment Stau angesagt. Hinter den Kulissen verhandeln die Provider, wer wann und wo was ausbauen soll, damit sich der Stau auflöst.
Gemischt mit HSUPA (High-Speed Upstream Packet-Access) von derzeit 1,4 MBit (später 2,8 MBit) treffen T-Mobile und Vodafone die Erwartungen der mobilen Daten-Nomaden. Pingzeiten von 100ms (im HDSPA-Netz von T-Mobile in Berlin selbst ausprobiert) sollten für "normale" Anwendunge vorerst reichen.
Jetzt kann man nach Herzenslust unterwegs e-mailen, Dateien runterladen und surfen, aber die Fans und Propheten wollen schon wieder mehr. Echtzeit-Online-Spiele und virtuelle Realität soll es sein. Am besten "Second Life" auf dem Handy.
Da wird sich die Aufrüstungs-Spirale weiterdrehen.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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