Wer erinnert sich noch an den Hype um i-mode? In Cannes rissen die Fachbesucher der GSM-World vor Jahren den freundlichen Damen von NTT-DoCoMo die Infobroschüren aus den Händen.
Und heute? i-mode ist gefloppt, weil nahezu alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.
i-mode war und ist nichts anderes als eine besonders bunte Form des WAP, dem "mobilen Internet" für das Handy. Damals konnten die Handys noch keine "echten" HTML Seiten darstellen, heute bewältigt ein gutes Handy mit seinem Browser sogar so komplexe Seiten wie www.xonio.com oder diesen Blog.
WAP, die Miniatur-Form des Internets, hätte funktionieren können, wenn man gleich von vornehein günstige Preise oder Pauschalen für seine Nutzung verlangt hätte. wenn man dafür gesorgt hätte, daß die Nutzer viel Informationen finden und auch eigene Inhalte ins Netz stellen können.
Wieviele gute HTML-Seiten sind von Nutzern in ihrer Freizeit programmiert worden und steigern so die Attraktivität des Webs?
i-mode war bunter als WAP und sollte ein kunterbuntes Informations- und Verkaufsportal werden. Wenn die Infos total veraltet oder nicht vorhanden sind oder nicht funktionieren und alle Klicks immer gleich extra Geld kosten sollen, dann darf man sich nicht wundern.
Ganz am Anfang hatten schlaue Leute bei E-Plus die gute Idee, ein paar Studenten anzuheuern, die in einem extra dafür gemieteten Laden in Berlin ein kultiges Event veranstalteten, wo man sehen und lernen konnte, wie i-mode Seiten zu programmieren sind. Das hätte man ausbauen und fördern müssen, doch es passierte nichts.
E-Plus, die für NTT-DoCoMo lange die Fahne von i-mode hochgehalten hatten, hatte nicht die Power, den Handy-Marktführer Nokia dazu zu bewegen, mal ein richtiges i-mode Handy zu bauen. Vermutlich wollten die Japaner das auch nicht so wirklich, weil sie hofften, ihren eigenen Herstellern NEC, Sanyo und so weiter etwas "Gutes" tun zu können. Damals wollten die Deutschen aber keine silbernen Klapphandys. Die Zeiten ändern sich.
Nun ist zu hören, daß o2 (in England) und Telstra (Australien) aus dem Thema i-mode aussteigt.
Wie die britische Tageszeitung 'The Times' (am Mittwoch) unter Berufung auf o2 Unternehmenskreise berichtet, sei o2 zuletzt auf knapp 546.000 i-Mode-Abonnenten gekommen, rund 3% aller Kunden von o2-UK.
Neue Handys mit i-Mode-Option würden von o2 ab sofort nicht mehr angeboten, Bestandskunden sollen den Dienst noch zwei Jahre weiternutzen können. Offiziell sind in England die Handy-Hersteller schuld. "Eine zu geringe Breite in der Palette i-Mode-fähiger Handys hat das Wachstum bisher gebremst und wir sehen keine Anzeichen, dass sich dies ändert."
Mit i-mode wollte NTT DoCoMo (Japan) die Nutzung von Datendiensten ankurbeln. In Deutschland ist i-mode bei o2 nie gestartet, nur E-Plus betreibt eher halbherzig als aktiv seinen Zugang. Weltweit sollen 6 Millionen Mobilfunknutzer in 18 Ländern außerhalb Japans den Service nutzen. in Japan alleine 45 Millionen.
Die australische Telstra stellt i-mode am 10. Dezember ab. Dort war man 2004 gestartet. Jetzt setzt Telstra alles auf ein eigenes Mobile Content-Portal. Das werden sie auch bald einstellen, weil die Kunden selbst entscheiden wollen, was sie aufrufen und was nicht.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| << < | > >> | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | ||