Wenn die Tagessschau extra kostet...

23.07.07
Permalink 20:38:07, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 584 Wörter   German (DE)

Mit großem Werbegetöse melden die beiden Marktführer in magenta und rot, daß man die Tagesschau auf dem Handy schauen könnte. Wie es es geht, muß man experimentell herausfinden. Daß es was kostet auch. Auf einmal schießt sich die Boulevardpresse ein. Handy TV ja, aber kosten.... soll es nix.

[Mehr:]

Fast zeitgleich die Pressemitteilungen von T-Mobile und Vodafone, daß die Tagesschau in einer 100 Sekunden-Version auf dem Handy zu schauen sei. Wie es geht, sollte der Kunde selbst herausbekommen.

Bei T-Mobile muß man in UMTS versorgtem Gebiet sein und ein Handy haben, das T-Mobile schon "kennt". Das Nokia N80 wird beispielsweise inzwischen als UMTS-Gerät erkannt, das Nokia E90 (Communicator) noch nicht, obwohl der sogar schnelles UMTS mit HSDPA kann.

Dazu muß man www.t-zones.de aufrufen, die Web'n'Walk Homepage kennt die Tagesschau so nicht. Auf T-Zones gibts das Handy-TV, aber nur, wenn das Handy als UMTS-fähig erkannt wird. Der Real-Player des Handys muß richtig konfiguriert sein, das ist er ab Werk meistens nicht. Statt des Zugangspunktes (APN) mit dem Namen T-Mobile Streaming muß da T-Mobile-Internet hin (APN: "internet.t-mobile" Benutzername und Passwort lauten "tm").

Dann klappt es. Reisst während des Schauens die UMTS-Verbindung ab, schaltet das Handy (hoffentlich) auf EDGE oder GPRS um, die Übertragung wird ruckliger.

Bei Vodafone sollten die Einstellungen entsprechend geprüft werden (Das "Live!" Portal muß funktionsfähig konfiguriert sein) und ggfs. ist noch ein Zusatzabo notwendig, sonst wird es richtig teuer.

Wer bei T-Mobile Tagesschau gucken will, hat die Qual der Wahl: 2 Euro pro 24 Stunden Abrufzeit oder 7,50 Euro im Monat, dafür kann man noch ein wenig mehr "Programme" via UMTS schauen.

Diverse Boulevardblätter sind dieser Tage über T-Mobile "hergefallen", weil sie für das Anschauen Geld wollen, schließlich gäbe es das Angebot unter wap.tagesschau.de auch kostenlos. Stimmt und stimmt auch nicht. Denn der Datentransport via Handy kostet so oder so Geld. Sei es in den neuen zeitbasierten GPRS-Tarifen, vor denen dringend gewarnt werden muß, wenn man sein Handy nicht 100% unter Kontrolle hat oder sei es in den viel sinnvolleren Daten-Paket-Tarifen, die man aber VORHER buchen muß, sonst wirds auch wieder teuer.

Der Aufschrei, der durch die Boulevard-Presse geht, sollte eigentlich den ganzen Protagonisten von Handy-TV ganz schnell die Augen öffnen: Das Publikum wollen vielleicht unterwegs schon gerne TV gucken, aber es darf (außer der GEZ-Gebühr) nichts extra kosten. Da die geplanten DVB-H Netze nicht zum Nulltarif aufgebaut werden können, sollten sich die Anbieter das nochmal in Ruhe überlegen, wie sie das rechnen wollen.

Mein Vorschlag: Lasst die öffentlich rechtlichen Sender das Netz aufbauen, die wissen wie das geht und das notwendige Geld wird von allen Zuschauern gleichmäßig aus dem GEZ-Gebührenaufkommen oder seinem künftigen Tarif-Nachfolger finanziert. Die Privatsender können - wenn sie wollen - einen Teil ihrer Werbeeinnahmen her nehmen, aber die Zurückhaltung bei DVB-T zeigt schon, wie "motiviert" sie sind, es fehlt schlicht das Geld.

Die Mobilfunker sollten sich besser auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Ein stabiles, zuverlässiges und wirklich flächendeckendes Netz mit guter Sprachqualität und möglichst hohen Datenraten, wobei man drüber streiten kann, ob man schnellere Datenraten wie HSDPA zum gleichen Preis wie - sagen wir GPRS mit 40 kB/s - verkaufen muß.

Minutenpreise müssen nicht verschenkt werden, aber Preise von 50, 80 oder noch mehr Cent pro Minute sind genauso grundverkehrt. Wenn Inhalte von Mobilfunkern angeboten werden, dann müssen diese auch funktionieren und einen echten Informationswert haben. Alles andere gehört da einfach raus.

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Hennings Handy-Welt

Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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