23.07.07
Permalink 20:58:56, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 589 Wörter   German (DE)

Spanisches Tabula Rasa in München

Bei o2 wird jetzt aufgeräumt. Ziemlich drastisch sogar. Als erstes müssen 700 Mitarbeiter/innen dran glauben, die neuen Chef-Manager kommen alle aus Spanien. Das erinnert irgendwie fatal an.... Quam.

[Mehr:]

Es gibt ein Gesetz im internationalen Management, daß man lokale Niederlassungen von lokalen Managern leiten lassen sollte. Vodafone mußte das in Japan bitter lernen, sie sind schließlich dort mit herben Verlusten ausgestiegen.

Das Problem bei o2 sind nur vordergründig die sinkenden Kundenzahlen. Die haben einen tieferen Grund. Das Problem ist das gefühlte Image, beispielsweise bei den viel zu oft unterschätzten Multiplikatorkunden im Internet.

- Wenn "Neu"kunden gehätschelt und Altkunden "vergessen" werden, sorgt das für Frust.

- Wenn Tarife (und sei es "nur" zu Sonder-Rufnummern) ohne Vorwarnung nach Gutsherrenart geändert und die meckernden Kunden barsch abgefertigt werden, sorgt das für Frust.

Wenn Teile der vorhandenen Netzversorgung mutwillig abgeschaltet werden (Stichwort "gesperrte D1-Versorgung") sorgt das für Frust.

Frustrierte Kunden kündigen - früher oder später. Sie erzählen das in ihrem Bekanntenkreis und dort kündigen dann auch einige oder schließen gar nicht erst ab.

Inzwischen sind die Mobiltelefon-Tarife so tief gesunken, daß es bald egal sein wird, in welchem Netz man selbst ist, da die Tarife auch in fremde Netze längst bezahlbar geworden sind. Vor Tarifen wie einem Crash-5 oder Crash-9 muß o2 richtig Angst haben, solange es kein Vertrag im o2-Netz ist. Genion L und Genion XL sind richtig, doch sie wirken nur, wenn man auch seine treuen Altkunden jweils die neusten Aktions-Angebote buchen läßt und zwar möglichst sofort.

Zufriedene Kunden sind die beste Werbung!

Hemmunglos die Verbindungspreise senken, geht aber auch nicht, da bleibt am Ende nichts mehr übrig. Nutzlose und nicht funktionierende Internet-Spielereien zu verkaufen, erzeugt nur Frust, wenn der Kunde den falschen Datentarif hat, merkt er sich ein Leben lang, "das rühr ich nicht mehr an." Das ist geschäftsschädigend.

Vielleicht verstehen die spanischen Manager solche Basics eher, als die deutschen. Vielleicht passiert aber eines Tages mit o2 das Gleiche, wie weiland mit Quam. Da wurde von heute auf Morgen "Finito!" gerufen und der Betrieb eingestellt. Der "Gewinner" von den wenigen Kunden die damals wechseln wollten und dem populären Quam-Sportler Sven Hannavald war damals übrigens T-Mobile.

Da tröstet auch nicht, daß auch Veronica Ferres von o2 "gekündigt" wurde. Sie hatte eine durchaus glaubwürdige Kampagne gefahren. Der Satz im TV-Spot "einfach Rechnung bezahlen und gut ist..." hatte eine ziemlich tiefsinnige Bedeutung. Ob das den Werbestrategen damals bewußt war?

Nicht nur Kunden könnten das Netz wechseln, auch Schauspieler und Prominente. Daß Beckenbauer von Zeit zu Zeit das Netz wechselt, wissen wir, aber wenn Frau Ferres oder Netrebko künftig mit T-Mobile (oder Vodafone?) telefonieren sollten, dürfte das den Münchnern nicht sonderlich gefallen. Dann wäre das viele Geld, daß diese Stars gekostet haben, wirklich umsonst gewesen.

Einen Manager nur deswegen rauszuwerfen, weil er in der prominenten Öffentlichkeit bekannt und populär war und seine Marke zu dem gemacht hat, was sie ist, halte ich auch für ... riskant.

Ok. Geben wir den "Neuen" eine Chance:

Senores y Senoritas: Bitte jeden Morgen an die Internet PCs und Xonio, diesen Blog und und alle einschlägigen Internforen als tägliche Pflichtlektüre lesen und verstehen!
Und dann genau das tun, was dort geschrieben steht.

- Kunden ernst nehmen und wirklich fair behandeln.
- Das eigene Netz aufrüsten und ausbauen.

Dann kann das was werden.

Hasta la vista y muchas gracias.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Peter [Besucher]
Hallo Henning!

Wieder mal ein spitzen Kommentar!
Die Tatsache, dass immer mehr Spanier Führungsposten übernehmen sehe ich auch sehr kritisch.
Telefonica ist bereits einmal kläglich in Deutschland gescheitert...

Hoffe dass sich o2 - trotz der vielen Mängel und Kritikpunkte - seine durchaus gute Philosophie behalten kann.
Permalink 23.07.07 @ 21:24
Kommentar von: Werner [Besucher]
@Henning:Wenn Teile der vorhandenen Netzversorgung mutwillig abgeschaltet werden (Stichwort "gesperrte D1-Versorgung") sorgt das für Frust.

Richtig: Anfang April wurde die D1-Versorgung in Böblingen und Sindelfingen gesperrt. Davon sind viele O2 Kunden betroffen.
Besonders die Indoorversorgung der Mercedes-Werke ist auf ein
mal weg. Ich kenne einige Mitarbeiter die jetzt verärgert und enttäuscht von O2 sind.Und das schlimmste an der Sache war das selbst der O2-PartnerShop in Sindelfingen keine Info über die gesperrte D1-Netzversorgung hatte.
O2 so behandelt man keine Kunden.
Permalink 24.07.07 @ 10:56
Kommentar von: Christian [Besucher]
Ein wesentlicher Punkt fehlt noch im Text:
O2 besteht nach wie vor auf dem Recht, Tarife völlig willkürlich zum Nachteil des Kunden und ohne jede Information an ihn ändern zu können. Das muß o2 auch tun, würde das Unternehmen doch sonst die Unrechtmäßigkeit seines früheren Handelns einräumen.

Wer aber einen Laufzeitvertrag unterschreibt und vom Vertragspartner weiß, daß er ihn nicht einzuhalten gedenkt, der braucht schon eine reichliche Portion Naivität. Oder vielleicht Dummheit, ich weiß es nicht.

Auf ein Unternehmen mit derartigen Geschäftsmethoden kann der Markt von mir aus gern verzichten, es wäre nicht schade drum.
Permalink 24.07.07 @ 11:24
Kommentar von: Gilly [Besucher] · http://blog.gilly.ws
Du hast es auf den Punkt gebracht... Es ist der fade Beigeschmack der bei o2 stört.

Täglich werden neue Features gelauncht, die alten, nicht funktionierenden aber nicht gefixt (speziell auf o2online.de)...
Permalink 24.07.07 @ 13:31
Kommentar von: Teddie [Besucher]
Moin Henning,
nämliches habe ich bei TT auch schon gesagt, aber
1. klingen Deine Worte schon von berufswegen wohlgesetzter und
2. glauben Dir sowieso mehr Leute als mir.
:-))
Permalink 24.07.07 @ 14:53
Kommentar von: Roman [Besucher]
Heute ist vom "Marketinggott" von o2 die Aussage des Jahrhunderts gefallen. Sinngemäß sagte er, die Kunden würden nicht verstehen, warum das Roaming abgeschaltet wird.

Formuliert man dies um, wirft man den Kunden sozusagen vor, sie würden nicht verstehen, warum sie mit ihrem Telefon von heute auf morgen nicht mehr telefonieren können und dennoch den Telefonvertrag weiterbezahlen können.

Liest man sich die schlüssige Argumentationskette durch, dann kommt man sich vor wie im Radsport. Dort leben die Sportler in einer eignen, abgekapselten Welt. Der eine redet davon, niemand zu betrügen und meint damit, er würde nicht anders dopen als alle anderen. Im Mobilfunk drehen Anbieter aus Kostengründen - ab und an wird die EU eingeschoben - das Roaming ab und wundern sich, warum der Kunde nicht versteht, dass er bitte ohne Gegenleistung die Rendite hochdrehen soll.

Mobilfunk macht auf diese Art einfach keinen Spaß mehr. Wenn ich eine Preisliste ausschreibe, hat diese zu gelten. Wenn ich ein Gebiet versorge, hat dies versorgt zu bleiben. Irgendwann kauft man sich ein Auto und nach zwei Jahren gibt es keine Ersatzteile mehr. Dann regen sich die Automanager darüber auf, dass die Kunden nicht verstehen, dass Lagerhaltung so teuer ist...
Permalink 26.07.07 @ 22:52

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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