27.07.07
Permalink 19:09:07, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 644 Wörter   German (DE)

Minutenberechnete Datenpakete sind Wahnsinn

Als die Discounter im Mobilfunk starteten, ging ein Ruck durchs Land. E-Plus fing an - T-Mobile zog flott nach. Die Leute telefonierten entspannter als zuvor - die Minutenmengen stiegen.

Als die E-Plus-Tochter Simyo dann noch ihre Datenpreise auf 24 Cent/MB senkte, waren die Mitbewerber schockiert. Ein kreativer Kopf hatte eine Idee...

[Mehr:]

Warum nicht die GPRS-Datenverbindungen nach "Zeit" abrechnen? Diese Datenmengen könne doch eh kein Mensch einschätzen, dachten sich die Bonner Preis-Strategen und empfahlen ihren Discount-Töchtern einen Minuten-Daten-Tarif. 9 Cent/pro Minute. Natürlich würde das nur berechnet, wenn Daten fließen, alles halb so schlimm?

Mitnichten! Selbst wer das Internet-Protokoll nicht bis ins Detail kennt, weiß, daß eine Internetverbindung "allways on" ist. Dazu fließen unter Umständen nur ein paar Bit, die dem Netz "Ich bin noch da" signalisieren. Jedes dieser Bits würde eine neue Daten-Tarif-Minute anstoßen, weil Datenverbindungen nur im Minutentakt abgerechnet werden sollen, 10 Sekunden oder gar sekundengenau gibts nicht.

Im Festnetz konnte das Internet erst durch bezahlbare Flatrates seinen Siegezug antreten, im Mobilfunk könnten echte Flatrates im Moment noch zu einer Überlastung führen, wenn die User zu ausgehungert, dennoch gibt es Angebote wie die E-Plus-Internet-Flatrate oder moobicent im Netz von Vodafone.

Im Mobilfunk soll es nach Zeit gehen: Folglich ist der Aufschrei der Kunden in den hauseigenen Betreiber- und einschlägigen Internet-Foren klar und deutlich: Wir wollen eine bezahlbare Abrechnung nach Datenmenge!

Wo Simyo, Blau und Aldi schon für 24 Cent pro MB abrechnen können, müßte T-Mobile wenigstens 49 Cent pro MB anbieten können.

Doch die magentanen Bonner und die roten Düsseldorfer wollen offenbar nicht. Angst beschleicht die Manager, daß man nur noch Daten durch die Netze schaufeln darf und der User sich seine Applikationen selbst heraussucht oder gar selbst baut. Push-Mail mit IMAP, da braucht man keinen teuren e-mail-Dienst, das gibts schon. Nachrichtenaustausch per Instant-Messenger könnte - so die Angst - die SMS-Mengen beschneiden. Klar, wo eine SMS noch flotte 19 Cent kostet, kann man fürs gleiche Geld via ICQ schon ne Menge texten. Daß man mit einem Gateway Dienst von klassischer SMS zu ICQ sogar noch Geld verdienen könnte, ist offenbar noch keinem eingefallen.

Bei T-Mobile soll nach Zeit berechnet werden, bei Vodafone wird für das gleiche Modell favorisiert, wenn man kein großes Datenpaket im Voraus kaufen will. CallYa Kunden dürfen bis heute nicht ins offene Internet nach GPRS-Datenmengen. Entweder eine limitierte "Web-Session" zum Stunden oder Tagespreis kaufen oder einen Laufzeitvertrag abschließen. Wie soll hier der erste vorsichtige Appettit gestillt werden, wenn gleich die Kostenkeule gnadenlos zuschlägt?

Angst ist kein guter Ratgeber, im Gegenteil.

Die Freaks kennen sich aus und werden zu Anbietern wechseln, die ihnen die Dienste und Tarife bieten, die sich leisten können oder wollen. Da ist E-Plus derzeit absolut im Vorteil, gefolgt von o2 und der ständig wachsenden WLAN-Fangemeinde. Insider murmeln, daß E-Plus im gesamten Mobilfunkmarkt bereits einen Anteil von 40% hätte... bei übertragenen Daten. Das sollte den Bonnern und den roten Düsseldorfern zu denken geben.

Die Münchner Blauen haben bereits vor einiger Zeit vernünftige Datenpakete geschmiedet, Nutzer-Tendenz steigend. 200 MB für 10 Euro im fairen 10kB Takt. Damit kann man schon ne Menge machen. Wer mehr braucht (etwa weil er seinen PC oder Laptop via Mobilfunk anbindet, um den Festnetzanschluß zu sparen), kann sich 5GB kaufen, was bei vernünftiger Vorgehensweise durchaus ausreichen sollte. Für permamentes Radiohören oder Download vieler Musikstücke oder gar Filme reicht es dann am Ende vielleicht nicht immer.

Einzig die Kostenkontrolle macht noch Kummer. Wiviele MB habe ich schon übertragen?
Da kommen die Zeit-Fans auf ihre Kosten. Da kann man zwar die Zeit "stoppen" oder im Handyprotokoll mitlesen, aber mit der Zeitschere wird jeder kostenbewußte Kunde viel weniger Umsatz als gewünscht machen.

Ist das denn so schwer zu verstehen oder liegts einfach am wechselhaften Wetter?

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Werner [Besucher]
Auch im Mobilfunk werden sich ganz schnell die Datenpakete abgerechnet nach Datenmenge, oder Flatrate durchsetzen. Alles andere ist ein Witz!
Permalink 27.07.07 @ 20:12
Kommentar von: Jörg Abdinghoff [Besucher]
> Ist das denn so schwer zu verstehen oder liegts einfach am wechselhaften Wetter?
Die Minutenabrechnung wurde von T-Mobile doch bewusst eingeführt. Verkauft wird das Ganze - je nach Provider - als "97%ige Tarifsenkung". Ja, vielleicht, im UMTS-Netz bei voller Bandbreitenausnutzung. Für den Otto-Normal-User kanns durchaus teurer werden; das hat sicherlich auch T-Mobile verstanden, dort setzt man aber wohl auf die Leichtgläubigkeit der Kundschaft ("Wow, 97% billiger, da werde ich das auch mal öfters nutzen"). Im Zuge sinkender Gesprächstarife (sowohl Inland, als auch Ausland) versucht man eben auf diesem Wege, mehr Cash-Flow zu generieren, ohne das der Kunde es merkt (so zumindest die Theorie). Nach den ersten Rechnungen merkt dann aber (hoffentlich) auch der leichtgläubigste Kunde, dass die Kosten irgendwie nicht um 97% gesunken sind (eher gestiegen); in Verbindung mit T-Mobiles neuestem Coup (Mobile Advertising im web'n'walk-Portal) wird der Schuss ganz schnell nach hinten los gehen.
Hoffentlich merkt man das in Bonn dann auch.

Mal ganz davon abgesehen: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, paketvermittelte Technik nach Zeit abzurechnen? Das widerspricht dem always-on-Prinzip doch gnadenlos... aber das kommt wohl heraus, wenn man Marketing-Strategen ohne technischen Sachverstand Preise erarbeiten lässt.
Permalink 28.07.07 @ 09:46
Kommentar von: Roman [Besucher]
An der ganzen Datenentwicklung der letzten Zeit lässt sich ein weiterer Trend erkennen. Mein erstes Datenpaket hatte 1 MByte inklusive und kostete mich keine 4 Euro im Monat. Dadurch konnte ich meinen Datenbedarf decken. Später wechselte ich dann auf ein 5 MByte Paket für rund 8 Euro.

Jetzt gibt es glücklicherweise erheblich größere Pakete. Die haben fast alle jedoch auch ein höhere Grundgebühr. Für die kleinen Nutzer, gibt es eigentlich keine Pakete mehr. Bei o2 sind diese beispielsweise ausgestorben. Bei diesen Kleinusern wird durch den Minutenwahnsinn kassiert und nur die guten Kunden mit dem N95, E90 oder wie sie alle heißen, bekommen dann ein entsprechendes Paket, welches für diese Geräte auch Sinn macht. Der kleine User, der mit seinem WAP Browser nicht mal in die Nähe einer zweistelligen Megabyte Zahl kommt, der wird mit Minutenpaketen erschlagen oder gezwungen, durch relativ hohe Grundgebühren die teuren Handys querzusubventionieren. Der erhält zwar eine WAP Flat, aber die hat dann auch nur WAP inklusive. Den in vielen Handys integrierten POP3/IMAP Client lässt man dann aus und muss via WAP Browser sich durch die Mails quälen.

Sicherlich, die 5 MByte Pakete machen im Zeitalter von 24 cent/MByte keinen Sinn mehr. Aber der normale Mensch hat nur ein Handy mit einer SIM Karte. Und wenn das eben keine e-plus Disconter SIM ist, hat er ein Problem. Und ich verstehe nicht, wieso man ihm da ein Bein in den Weg stellt.
Permalink 29.07.07 @ 10:35
Kommentar von: Karl Eugen [Besucher]
Gibt es überhaupt ein Handy da Datenminuten mitzählt? Ich kenne keins, Bit und Bytes, das kann jedes bessere Handy. Totaler Wucher ist das in jedem Fall, wer nicht auf einen Rutsch zig MB läd, ist bei Minutentarifen der Doofe. Aber wer IMAP-Idle nutzen kann, der no-cost push mail Variante, der wird auch wissen, dass ein 5MB Paket nicht die Welt kostet. Der Gipfel ist aber das T-Mobile mit Werbung im Portal doppelt zulangt, beim Werber wie beim Kunden im voreingestellten Portal der dann die Ergüsse noch mit mächtig Kohle bezahlen soll.
Permalink 29.07.07 @ 17:57
Kommentar von: Achim [Besucher]
Ich kann das Kommentar von Roman nur bestätigen. Der kleine Gelegenheitsnutzer wird regelrecht ausgenommen, wenn er versehentlich auf die Internettaste des Handys tippt. Bei o2 Genion liegt der Datenpreis ohne speziellen Datentarif bei 9,27 EUR/MB plus 0,09 EUR/Tag! In Vergleich zu Simyo mit 0,24 EUR/MB ist das eine Preissteigerung auf 3863%, also das 38-fache. Das nenne ich eine Frechheit. Als Vertragskunde erwarte ich einen angemessen Preis wenn ich ab und zu mal eine Bahnverbindung per WAP abfrage oder mein E-Mail Postfach überprüfe.
Um noch kurz auf die minutenbasierende Abrechnung zu kommen. Wenn ich nun eine Bahnverbindung abfrage, und den Browser bis zum Umsteigen am nächten Bahnhof offen lasse, wird mir dann die Bahnfahrt mit 0,09 EUR/min berechnet?? Bei den Preisen fahr ich besser Taxi, die kann man zumindest bei o2 kostenlos bestellen.
Permalink 30.07.07 @ 19:06
Kommentar von: Daniel [Besucher]
@ Achim:

Wenn Du bei o2 (Genion) die Standard-Einstellung zum Surfen veränderst, d.h. den APN 'surfo2' einstellst, hat sich die "Abzocke" erledigt.. dann zahlst Du in der HZ (bei aktivierter Surf-Option) sogar nur 3 Ct./Min und unterwegs die üblichen 9 Ct./Min. - leider eben erst bei manueller Umstellung, aber besser als nix ;-)

Eigentlich wird nur die Zeit berechnet, wo Daten übertragen werden, allerdings kann ja nicht wirklich sichergestellt werden, ob die Seite vll. nicht doch zwischendurch ein paar Bytes sendet bzw. anfragt.. da kann dann auch o2 leider wenig gegen machen.
Permalink 31.07.07 @ 15:25
Kommentar von: Anne [Besucher]
Ich wuensche mir auch einen guestigen by call Datenpreis, der nach Verbrauch abgerechnet wird. Ich bin so ein Mini-Nutzer und komme im Monat auf max. 2 MB, meistens weniger (mit Simyo) - das kleinste Datenpaket bei meiner Hauptkarte o2 Genion wuerde sich nicht lohnen. Mehr will ich auch gar nicht nutzen, denn ausser vielleicht mal e-mails checken mach ich alles daheim.
Permalink 03.08.07 @ 13:40
Kommentar von: Dirk [Besucher]
Auch bei E-Plus werden die Vertragskundenregelrecht ausgenommen. Kleine Datenpakete zu günstigen Preisen sind Fehlanzeige. Ab 20 € gehts los oder 7,30€/MB. Bei Simyo kostet der gleiche Zugang 24cent/MB.
Eigentlich schon fast ein Fall für das Kartellamt, aber ich glaube, nach den Roaming Gebühren wird sich die EU auch mit solchenTarifen befassen oder es kommen Hersteller, die gute Mittelklassehandy mit Dual Sim Kartenslots ausstatten. Ansonsten verweigeren sich die Kunden dem ganzen so wie viele andere und ich. Datendownload nur mittels WLan im Handy. Die Freaks suchen nach preiswerten alternativen Lösungen, und wenn die Mobilfunkanbieter nicht aufpassen, entwickeln sich Lösungen an Ihnen vorbei. Noch eins zu E-Plus - die haben zwar günstige Datenflatrates, aber kein HSDPA und auch UMTS ist noch lange nicht flächendeckend vorhanden und mit GPRS (EDGE - Fehlanzeige) langsam wie ein Modem. Vor 10 Jahren sicherlich ausreichend gewesen, aber bei heutigen Umfang der Internetseiten wirds zur Qual. Da sind die Mehrkosten von T-Mobile sogar gerechtfertigt für den, der es braucht oder will.
Permalink 06.08.07 @ 12:39
Kommentar von: Stefan [Besucher]
Ein Handy, das die Zeit bei Datenverbindungen misst? Mein SonyEricsson K700i kann's jedenfalls und zählt parallel dazu das Datenvolumen.
Permalink 14.08.07 @ 22:51
Kommentar von: Jan [Besucher]
> Daß man mit einem Gateway Dienst von klassischer SMS zu ICQ sogar noch Geld verdienen könnte, ist offenbar noch keinem eingefallen.


Dazu eine kleine Begebenheit aus Südamerika: z.B. in Paraguay kann man nicht nur über die Webseiten der Netzbetreiber unbergrenzt kostenlos SMS verschicken, sondern es gibt auch kleine Messender ähnlich wie ICQ zum download:
man kann eine Handynummer als Kontakt anlegen, das Ziel-Handy muss zustimmen - und dann wird angezeigt wenn das Handy eingebucht ist und man kann kostenlos(!!) SMS an den User schicken. Wenn der antwortet, wird das über ein Gateway an den Messenger zurückvermittelt und ähnlich wie bei ICQ als chat-Verlauf angezeigt. Man kann für jede eingehdende (also Handy -> PC) je ~ein paar ausgehende SMS verschicken. (Als Deckelung für Vielnutzer)

Das ist enorm praktisch!

Warum gibt es sowas hier nicht?

Dabei zeigt meine Erfahrung, daß der Messenger-Nutzer gerne schnell mal eine SMS verschickt (niedrige Hürde weil ist ja kostenlos) und man dann natürlich vom Handy darauf antwortet es werden also durchaus zusätzliche SMS generiert.
Mit so einem Programm könnten die hier Netzbetreiber für nur ein kleines bisschen mehr Datentraffic ordentlich mehr Umsatz verbuchen.
Aber vermutlich haben sie mal wieder zuviel Angst vor der eigenen Courage.

Beispiel: www.tigo.com.py
Permalink 21.08.07 @ 18:20
Kommentar von: markus [Besucher]
ich habe gerade meine handy rechnung von t-mobile bekommen. eine woche frankreich, ein bischen email und www surfen und ich soll für 20 MB 274,46 Euro bezahlen. jetzt habe ich mich beschwert. dabei kam raus daß auf der nächsten rechnung für die letzten 2 tage frankreich nochmals 180 euro kommen werden. also zusammen 431 euro für 7 tage in frankreich. man bot mir nun telefonisch eine reduzierte abrechnung zu 250 euro an. also auf 180 euro will die telekom verzichten. also ist da schon ein schlechtes gewissen bei der t-mobile vorhanden. hat jemand ähnliche erfahrungen. soll ich den "vergleich" anehmen oder weiterverhandeln? also eigenlich finde ich für für 20 MB vielleicht 50 Euro angemessen. aber in deutschland habe ich für die ersten 5 GB eine pauschale von 35 Euro.
erbitte meinungsaustausch, markus(at)mdold.de
Permalink 28.09.07 @ 17:38

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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