Als die Discounter im Mobilfunk starteten, ging ein Ruck durchs Land. E-Plus fing an - T-Mobile zog flott nach. Die Leute telefonierten entspannter als zuvor - die Minutenmengen stiegen.
Als die E-Plus-Tochter Simyo dann noch ihre Datenpreise auf 24 Cent/MB senkte, waren die Mitbewerber schockiert. Ein kreativer Kopf hatte eine Idee...
Warum nicht die GPRS-Datenverbindungen nach "Zeit" abrechnen? Diese Datenmengen könne doch eh kein Mensch einschätzen, dachten sich die Bonner Preis-Strategen und empfahlen ihren Discount-Töchtern einen Minuten-Daten-Tarif. 9 Cent/pro Minute. Natürlich würde das nur berechnet, wenn Daten fließen, alles halb so schlimm?
Mitnichten! Selbst wer das Internet-Protokoll nicht bis ins Detail kennt, weiß, daß eine Internetverbindung "allways on" ist. Dazu fließen unter Umständen nur ein paar Bit, die dem Netz "Ich bin noch da" signalisieren. Jedes dieser Bits würde eine neue Daten-Tarif-Minute anstoßen, weil Datenverbindungen nur im Minutentakt abgerechnet werden sollen, 10 Sekunden oder gar sekundengenau gibts nicht.
Im Festnetz konnte das Internet erst durch bezahlbare Flatrates seinen Siegezug antreten, im Mobilfunk könnten echte Flatrates im Moment noch zu einer Überlastung führen, wenn die User zu ausgehungert, dennoch gibt es Angebote wie die E-Plus-Internet-Flatrate oder moobicent im Netz von Vodafone.
Im Mobilfunk soll es nach Zeit gehen: Folglich ist der Aufschrei der Kunden in den hauseigenen Betreiber- und einschlägigen Internet-Foren klar und deutlich: Wir wollen eine bezahlbare Abrechnung nach Datenmenge!
Wo Simyo, Blau und Aldi schon für 24 Cent pro MB abrechnen können, müßte T-Mobile wenigstens 49 Cent pro MB anbieten können.
Doch die magentanen Bonner und die roten Düsseldorfer wollen offenbar nicht. Angst beschleicht die Manager, daß man nur noch Daten durch die Netze schaufeln darf und der User sich seine Applikationen selbst heraussucht oder gar selbst baut. Push-Mail mit IMAP, da braucht man keinen teuren e-mail-Dienst, das gibts schon. Nachrichtenaustausch per Instant-Messenger könnte - so die Angst - die SMS-Mengen beschneiden. Klar, wo eine SMS noch flotte 19 Cent kostet, kann man fürs gleiche Geld via ICQ schon ne Menge texten. Daß man mit einem Gateway Dienst von klassischer SMS zu ICQ sogar noch Geld verdienen könnte, ist offenbar noch keinem eingefallen.
Bei T-Mobile soll nach Zeit berechnet werden, bei Vodafone wird für das gleiche Modell favorisiert, wenn man kein großes Datenpaket im Voraus kaufen will. CallYa Kunden dürfen bis heute nicht ins offene Internet nach GPRS-Datenmengen. Entweder eine limitierte "Web-Session" zum Stunden oder Tagespreis kaufen oder einen Laufzeitvertrag abschließen. Wie soll hier der erste vorsichtige Appettit gestillt werden, wenn gleich die Kostenkeule gnadenlos zuschlägt?
Angst ist kein guter Ratgeber, im Gegenteil.
Die Freaks kennen sich aus und werden zu Anbietern wechseln, die ihnen die Dienste und Tarife bieten, die sich leisten können oder wollen. Da ist E-Plus derzeit absolut im Vorteil, gefolgt von o2 und der ständig wachsenden WLAN-Fangemeinde. Insider murmeln, daß E-Plus im gesamten Mobilfunkmarkt bereits einen Anteil von 40% hätte... bei übertragenen Daten. Das sollte den Bonnern und den roten Düsseldorfern zu denken geben.
Die Münchner Blauen haben bereits vor einiger Zeit vernünftige Datenpakete geschmiedet, Nutzer-Tendenz steigend. 200 MB für 10 Euro im fairen 10kB Takt. Damit kann man schon ne Menge machen. Wer mehr braucht (etwa weil er seinen PC oder Laptop via Mobilfunk anbindet, um den Festnetzanschluß zu sparen), kann sich 5GB kaufen, was bei vernünftiger Vorgehensweise durchaus ausreichen sollte. Für permamentes Radiohören oder Download vieler Musikstücke oder gar Filme reicht es dann am Ende vielleicht nicht immer.
Einzig die Kostenkontrolle macht noch Kummer. Wiviele MB habe ich schon übertragen?
Da kommen die Zeit-Fans auf ihre Kosten. Da kann man zwar die Zeit "stoppen" oder im Handyprotokoll mitlesen, aber mit der Zeitschere wird jeder kostenbewußte Kunde viel weniger Umsatz als gewünscht machen.
Ist das denn so schwer zu verstehen oder liegts einfach am wechselhaften Wetter?

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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