17.08.07
Permalink 13:09:08, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 479 Wörter   German (DE)

Die Schweiz - Traumland des Mobilfunks?

1991 führte ich in Genf mein allererstes GSM-Telefonat. Seit 1999 habe ich eine auf mich registrierte Natel-Easy Prepaid-Karte von Swisscom-Mobile, der man damals schon den Beinamen "Queen of Roaming" gab. Kürzlich war ich über ein verlängertes Wochenende wieder dort. In gewisser Hinsicht sind uns die Schweizer immer noch um Lichtjahre voraus.

[Mehr:]

Fährt man mit dem Auto durch die Schweiz so sind die Straßentunnels nicht nur mit (mindestens) einem Radioprogramm, sondern auch den drei GSM-Netzen von Swisscom, Sunrise oder Orange versorgt. Fährt man mit der Autoverladung z.B. durch den Lötschberg-Tunnel, so ist dieser - richtig - mit allen 3 Netzen versorgt. Man fährt sein Auto auf einen Eisenbahnwaggon, bleibt drin sitzen und rollt nach rund 20 Minuten wieder herunter. Im Tunnel hat man Zeit Telefonate zu führen oder e-mails zu checken.

In Deutschland? Undenkbar.

In München - der Hauptstadt von Laptop und Lederhosen ist die U-Bahn bis heute nicht versorgt. Höre ich Proteste? Kaum. Dabei könnte der Münchner Anbieter o2 etwas für sein Image tun und als Generalunternehmer die komplette U-Bahn mit allen Handynetzen versorgen. Doch nichts passiert in der Richtung.

Zurück in die Schweiz: Das Guthaben meiner Natel Easy Karte hält nahezu ewig. Einzige Bedingung: Ein kostenpflichtiges Gespräch oder SMS oder Datenverbindung pro Jahr. Ähnliches gilt für die Prepaid-Angebote von Sunrise und Orange. Das ist fair.

Gehe ich in einen Swisscom-Shop, so ziehe ich am Eingang eine Nummer und werde über ein großes Display aufgerufen. Wenn der Shop-Mitarbeiter nicht weiter weiss, ruft er sofort die Hotline an. Er hatte noch nicht den Hörer aufgelegt, da war die gewünschte Funktion für das Handy schon geschaltet. Das ist Service.

Mobiles Telefonieren mit der Natel-Easy Prepaid Karte kostet im Liberty-Tarif 80 Rappen pro Stunde zum Swisscom Mobil und Festnetz, das sind umgerechnet 55 Cent. In Deutschland gibts Xtra-Nonstop oder CallYa Openend schon für 39 Cent.

Günstiger geht es bei Migros Budget (Netz von Swisscom) oder bei www.yallo.ch (Netz von Sunrise) wo mobiles Telefonieren schon für 39 Rappen (ca. 25 Cent) möglich ist. Wer das Angebot von Yallo nutzen will, braucht als Ausländer eine Schweizer Post-Adresse und wenn der Postbote mit der SIM-Karte kommt, muß man persönlich anwesend sein, den alle Karten müssen registriert sein. Beim Kauf im Laden tut es auch eine deutsche Adresse und ein deutscher Pass.

Vorbildlich ist eine Funktion, die vor teuren Anrufen in fremde Mobilfunknetze warnt. Wählt ein Swisscom-Kunde beispielsweise eine mobile Orange Nummer an, ertönt ein deutliches Warnsignal, der Preis wird jedoch nicht angesagt.

A propos Netzausbau: Orange ist seinerzeit mit Swisscom-Roaming gestartet (ähnlich o2 mit D1-Roaming in Deutschland). Das Swisscom-Roaming ist längst abgeschaltet, nur hat Orange inzwischen eine Flächendeckung erreicht, die stellenweise in der Qualität den Marktführer Swisscom übertrifft! Da hat o2 noch einiges zu tun.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Roman [Besucher]
Zum Thema Orange Netzausbau kenne ich eine kleine Geschichte: es dreht sich um ein Ferienhaus, welches in einem Dorf mit unglaublichen 38 Einwohnern steht.

Dort gab es ganz am Anfang Orange über Swisscom Roaming. Mehr schlecht als recht, denn das Netz ist fast nicht verfügbar. Irgendwo verständlich. Orange schaltete das Roaming - nach Ankündigung ab. Damit saß meine Freundin auf dem Trockenen. Also rief diese über die grundsätzlich kostenlose 0800er Nummer bei Orange an. Diese entschuldigten sich für die fehlende Versorgung, schrieben ihr die entsprechenden Grundgebühren gut und gut zwei Monate später war jener Monster Ort mit einem eigenen Orange Sender ausgestattet.

Jetzt denken wir uns mal, wie diese Sache in Deutschland mit o2 ausgesehen hätte: das Roaming wäre ohne Vorwarnung weg. Die Kundenhotline über Telefonzelle wegen 0180 fast nicht erreichbar, käme man doch durch, würde man auf den Postweg verwiesen...

Tja, da ist doch der kleine Unterschied.
Permalink 19.08.07 @ 18:16
Kommentar von: Gilly [Besucher] · http://blog.gilly.ws
Nunja... ich denke aber das die Schweizer Netzbetreiber a) ein besseres Budget haben b) glaube ich auch die staatlichen Vorgaben für Netzausbau höher sind und c) Das Land viel kleiner ist ;-).

In der Berliner U-Bahn habe ich übrigens alle Netze zur Verfügung... in S-Bahn Tunneln sieht es aber schon wieder mau aus :-(
Permalink 19.08.07 @ 20:12
Kommentar von: Henning Gajek [Mitglied] · http://blog.xonio.com/gajeks_welt/
Geht o2 jetzt in der Berliner U-Bahn? Das wäre eine kleine Sensation. Wenn Du in der Berliner U-Bahn das D1-Netz (als o2 Kunde nutzst), dann sei darauf vorbereitet, daß das früher oder später abgeschaltet werden soll - laut Plan erst dann, wenn o2 dort selbst versorgen kann.

Permalink 20.08.07 @ 11:38
Kommentar von: Pistensau [Besucher]
Die Münchner U-Bahn wäre schon längst ausgebaut, leider weigert sich der Betreiber (die MVG) dagegen. Grund ist wohl eine schon etwas ältere Umfrage, nach der sich die Mehrheit der Benutzer dagegen ausgesprochen hat.

Also ausnahmsweise mal nicht o2 Schuld :)
Permalink 20.08.07 @ 14:30
Kommentar von: Roman [Besucher]
Aus der Kategorie: Kundenservice in der Schweiz.

Es war der 22.08.2007 um 20:14 am Abend. Ich checke den vollständigen EVN meiner Orangeclick Prepaidkarte. Dort stelle ich fest, dass mir für zwei SMS ins Ausland statt 10 Rappen nunmehr 25 Rappen berechnet wurden. Also 30 Rappen (oder rund 20 cent) mehr als sonst.

Also fragte ich per Mail nach, wieso 25 Rappen berechnet wurden.

20:21 - also 7 Minuten später (!) kam eine Antwort. Es läge ein Abrechnungsfehler vor, die Differenz von 30 Rappen wurden mir gutgeschrieben.

So kann man sich glückliche Kunden züchten.
Permalink 24.08.07 @ 23:11

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Hennings Handy-Welt

Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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