1991 führte ich in Genf mein allererstes GSM-Telefonat. Seit 1999 habe ich eine auf mich registrierte Natel-Easy Prepaid-Karte von Swisscom-Mobile, der man damals schon den Beinamen "Queen of Roaming" gab. Kürzlich war ich über ein verlängertes Wochenende wieder dort. In gewisser Hinsicht sind uns die Schweizer immer noch um Lichtjahre voraus.
Fährt man mit dem Auto durch die Schweiz so sind die Straßentunnels nicht nur mit (mindestens) einem Radioprogramm, sondern auch den drei GSM-Netzen von Swisscom, Sunrise oder Orange versorgt. Fährt man mit der Autoverladung z.B. durch den Lötschberg-Tunnel, so ist dieser - richtig - mit allen 3 Netzen versorgt. Man fährt sein Auto auf einen Eisenbahnwaggon, bleibt drin sitzen und rollt nach rund 20 Minuten wieder herunter. Im Tunnel hat man Zeit Telefonate zu führen oder e-mails zu checken.
In Deutschland? Undenkbar.
In München - der Hauptstadt von Laptop und Lederhosen ist die U-Bahn bis heute nicht versorgt. Höre ich Proteste? Kaum. Dabei könnte der Münchner Anbieter o2 etwas für sein Image tun und als Generalunternehmer die komplette U-Bahn mit allen Handynetzen versorgen. Doch nichts passiert in der Richtung.
Zurück in die Schweiz: Das Guthaben meiner Natel Easy Karte hält nahezu ewig. Einzige Bedingung: Ein kostenpflichtiges Gespräch oder SMS oder Datenverbindung pro Jahr. Ähnliches gilt für die Prepaid-Angebote von Sunrise und Orange. Das ist fair.
Gehe ich in einen Swisscom-Shop, so ziehe ich am Eingang eine Nummer und werde über ein großes Display aufgerufen. Wenn der Shop-Mitarbeiter nicht weiter weiss, ruft er sofort die Hotline an. Er hatte noch nicht den Hörer aufgelegt, da war die gewünschte Funktion für das Handy schon geschaltet. Das ist Service.
Mobiles Telefonieren mit der Natel-Easy Prepaid Karte kostet im Liberty-Tarif 80 Rappen pro Stunde zum Swisscom Mobil und Festnetz, das sind umgerechnet 55 Cent. In Deutschland gibts Xtra-Nonstop oder CallYa Openend schon für 39 Cent.
Günstiger geht es bei Migros Budget (Netz von Swisscom) oder bei www.yallo.ch (Netz von Sunrise) wo mobiles Telefonieren schon für 39 Rappen (ca. 25 Cent) möglich ist. Wer das Angebot von Yallo nutzen will, braucht als Ausländer eine Schweizer Post-Adresse und wenn der Postbote mit der SIM-Karte kommt, muß man persönlich anwesend sein, den alle Karten müssen registriert sein. Beim Kauf im Laden tut es auch eine deutsche Adresse und ein deutscher Pass.
Vorbildlich ist eine Funktion, die vor teuren Anrufen in fremde Mobilfunknetze warnt. Wählt ein Swisscom-Kunde beispielsweise eine mobile Orange Nummer an, ertönt ein deutliches Warnsignal, der Preis wird jedoch nicht angesagt.
A propos Netzausbau: Orange ist seinerzeit mit Swisscom-Roaming gestartet (ähnlich o2 mit D1-Roaming in Deutschland). Das Swisscom-Roaming ist längst abgeschaltet, nur hat Orange inzwischen eine Flächendeckung erreicht, die stellenweise in der Qualität den Marktführer Swisscom übertrifft! Da hat o2 noch einiges zu tun.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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