18.08.07
Permalink 07:52:44, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 605 Wörter   German (DE)

Wenn das Netz über Nacht fort ist...

Als 1998 der vierte Netzbetreiber VIAG Interkom startete, hatten die Münchner eine sensationelle Idee: Wenn der Kunde noch kein VIAG-Netz findet, kann er sich bei den andern drei Anbietern einbuchen. Viele Kunden waren begeistert und unterschrieben die angebotenen Verträge.

[Mehr:]

Der Trick war damals wirklich genial: Man gab seine PIN gefolgt von einer 1 ein und war auf einmal als Kunde von Swisscom in Deutschland unterwegs, sprich, man konnte sich wahlweise bei D1, D2 oder E-Plus einbuchen, oder mit Ausschalten - Einschalten und Original-PIN - wenn vorhanden - wieder bei VIAG Interkom (Netz "D-07") anmelden.

Die geniale Idee funktionierte in der Praxis nicht immer so reibungslos wie gedacht. Teilweise kam es zu Abrechnungsproblemen, weil überschlaue Kunden meinten, daß die für Original-Kunden der besuchten Netze kostenlosen Dienste auch mit VIAG kostenlos zu nutzen wären. Teilweise versuchten auch die Mitbewerber durch technische Tricks, die ungebetenen Gäste auszusperren, was teilweise auch gelang.

Irgendwann schloß VIAG Interkom einen Vertrag mit T-Mobile ab: Fortan konnten VIAG Kunden bei D1 roamen, bundesweit und fast ohne Einschränkungen, wenn man von "Großereignissen" wie der "Loveparade" absieht. Die Swisscom-Variante wurde abgeschaltet. Wer noch eine alte SIM hat, bekommt nur mit der Original-PIN eine Netzversorgung.

In einsamen Regionen, wo kein Netz richtig ging, waren die Leute bitter enttäuscht, denn sie hatten sich die Karte von VIAG nur wegen der Roaming-Möglichkeiten zugelegt, irgendein Netz ging meist immer. Wer hartnäckig genug blieb, konnte seinen VIAG-Vertrag vorzeitig beenden, andernfalls spätestens nach Ablauf der 24 Monate.

Aus VIAG wurde o2, aber einige "schlaue" Kunden telefonierten bevorzugt im D1-Netz, teilweise noch mit alter GSM900-Hardware, die mit GSM 1800 nichts anfangen konnte oder weil die Sprachqualität des o2-Netzes mitunter nicht ihren Vorstellungen entsprach. Also begann o2 dort, wie sie glaubten, eigenes Netz zu haben, das Roaming zu D1 einzuschränken. An anderen Stellen wurde ein Netz-Handover installiert, wo o2 Kunden während des Gesprächs zu D1 umbuchen konnten.

Wer gerade bei D1 telefoniert, bleibt drin, auch wenn er sich längst in "gesperrtes" Gebiet bewegt hat, nach dem Auflegen ist aber Schluß.

Die o2 Versorgung in Ballungsgebieten ist in der Regel sehr gut, kritisch wirds in den Randregionen. Dort wo das D1-Roaming gesperrt (auf denglisch "gebarred") ist, kann es passieren, daß auch gerade da keine o2 Versorgung vorhanden ist. Das hat technische Gründe: Die Entscheidung ob Roaming oder nicht, wird anhand von sogenannten LAC-Gebieten gefällt, die D1-LACs und die o2-LACs sind nicht deckungsgleich, folglich entstehen Löcher. Zwar ist o2 derzeit wie wild dabei, sein Netz weiter auszubauen, aber die alles entscheidenden Kostenrechner machen jetzt wohl ziemlich Druck, denn das D1-Roaming kostet offenbar doch mehr Geld, als o2 momentan ausgeben will. Folglich werden mehr Gebiete gesperrt, als es eigentlich vertretbar wäre.

Das Ergebnis ist fatal: Viele Kunden, die sich wegen attraktiver Tarife und/oder dem "Rettungsanker" D1-Roaming für o2 entschieden haben oder viel schlichter mit der Funktechnik gar nichts am Hut haben, stehen über Nacht ohne Netz da. Aktuelles Beispiel ist Schleswig Holstein, wo weitere Bereiche "dunkel" geworden sind. Ein Anruf bei der Hotline bringt wenig, die empfiehlt den schriftlichen Weg.

o2 verweist in seinen AGBs deutlich darauf, daß fehlende Netzversorgung kein Kündigungsgrund sei. Wenn aber schon eine Versorgung bestand und diese über Nacht "abgeschaltet" wird?

Selbst wenn der eine oder andere hartnäckige Kunde am Ende vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen wird, der Image-Schaden ist beträchtlich. Wer kein Netz hat, kann nicht telefonieren und wechselt den Anbieter. Enttäuschte Kunden kommen so schnell nicht wieder, selbst wenn nach einer gewissen Zeit die o2-Netzversorgung wieder vorhanden sein sollte.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Werner [Besucher]
Hallo Henning,
das was O2 Germany gerade macht ist Selbstmord auf Raten.
Der neue Geschäftsführer Jaime Smith Basterra muss aufpassen
das er das Unternehmen nicht an die Wand fährt. Man sollte ein Unternehmen nicht für 26 Milliarden kaufen,und dann versuchen ein paar Millionen Roaminggebühren einzusparen! Enttäuschte Kunden kommen nicht wieder, es gibt heute genügend alternativen zu den Angeboten von O2. BASTA!!
Permalink 19.08.07 @ 09:29
Kommentar von: Gilly [Besucher] · http://blog.gilly.ws
Hrm. Das Problem ist auch denke ich, das die Netzversorgung ja größtenteils ausgerechnet wird und laut den Berechnungen dann Netz vorhanden sein MÜSSTE... ist es dann aber doch nicht :-(
Permalink 19.08.07 @ 20:19
Kommentar von: Christian [Besucher]
Hallo Mit geschädigte,
ich nutze heute mal die Zeit, um mich mal so richtig über den Mobilfunkanbieter auszukotzen.
Seid vielen Jahren haben mein Frauchen und ich O² Genion Verträge, mit denen wir so immer zufrieden waren.

Seid geraumer Zeit haben wir drastische Probleme mit unseren Verträgen.
1. An meinem Arbeitsplatz wurden einfach Funktürme abgeschalten bzw. verändert, wodurch der Empfang der immer gut war, derart sich verschlechtert hat, dass es meistens nicht einmal mehr für einen Verbindungsaufbau reicht und das Handy nur noch auf Netzsuche ist.

2. Unsere kostenlose Rufumleitung (damit ist man in ganz Deutschland über die Festnetznummer erreichbar) wurde von O² einfach deaktiviert, wo bei wir durch unsere alten Verträge diese kostenlose Option haben!!! (bei Neuverträgen kostet das 19cent/min)

3. Momentan sind wir nicht mehr im UMTS Netz in der Homezone erreichbar, Telefon muss manuell auf GSM um geschalten werden, damit überhaupt Anrufe raus und eingehen können. (keine Videotelefonie & Co mehr möglich) (auch im GSM Netz)

Bis zum jetzigen Zeitpunkt fanden diesbezüglich von meiner Seite her Minimum 30 Anrufe bei der O² Kundenhotline statt(Zeitraum 18.04. – 20.04.08, wo es zu locker 10 verschiedenen Aussagen kam. Nur ein einziger Mitarbeiter hat zugegeben, dass es technische Schwierigkeiten / Veränderungen gibt, der Rest der Hotliner vertröstete einen, um die Problematik abzuwimmeln. Der größte Teil der Hotline Mitarbeiter bestreitet, dass ein Fehler im System vorliegt bzw. Türme verändert wurden, obwohl es nun mal Fakten sind, da ich (wir) ja sonst problemlos wie immer telefonieren könnten!!!

Am 18.04.08 habe ich die für uns gravierenden Fehler gemeldet und muss nun Minimum 2 Wochen auf eine Antwort laut Hotline warten, wie die Sache abgeklärt/ aufgeklärt wird. Im gleichen Atemzug habe ich beide Verträge fristlos gekündigt, da ich kein Mobilfunknetz brauche, mit dem ich nicht mehr telefonieren kann.

Zwecks dieser ganzen Netzgeschichte habe ich mich mal im Internet erkundigt und da sind so einige Dinge rausgekommen, wo ich ganz schön schlucken musste!!!

1. O² plant für Neukunden eine D1 Roaming Sperre (Wenn kein O² Netz, aber D1 Netz, haben Neukunden halt Pech gehabt, es findet kein Roaming mehr statt)
2. Es werden nach und nach die D1 Türme für O² Kunden gesperrt, also kein Roaming mehr möglich.
3. Alle alten Genion Tarife mit der kostenlosen Rufumleitung sollen in die neuen Tarife automatisch umgewandelt werden, wo keine kostenlose Rufumleitung mehr möglich ist. Es soll auch deswegen kein gesondertes Kündigungsrecht geben.
4. O² hat ohne Bekanntgabe im November 2006 die Servicehotline Gebühren für 0180 Nummern verdreifacht und verweigert das Sonderkündigungsrecht, da es sich um eine Nebenleistung des Anbieters handele!!! Telefonieren ist eine Nebenleistung von O²???


Wie seht ihr die Sache??? Rege ich mich da unbegründet auf, oder ist das ein driftiger Grund, den Netzanbieter zu wechseln???
Permalink 20.04.08 @ 17:14

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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