Parallel zu den ersten Pressekonferenzen in Berlin findet heute in London die Nokia: Go Play statt.
Direkt am Themseufer stoesst Nokia eine Tuer auf (finnisch "Ovi") und kuendigt sein eigenes Musikportal an, wo man egal ob fuer den PC oder das Handy die Musik kaufen und herunterladen kann: Fuer 1 Euro das Stueck oder 10 Euro das Album, im DRM geschuetzten WMA-Format. In Zukunft mag das anders sein, die anwesende Musikindustrie signalisiert, dass DRM "keine heilige Kuh" mehr sein wird.
Das klingt fast so, als ob Nokia dem hilflosen Treiben der verzweifelten Netzbetreiber nicht mehr untaetig zusehen will. Noch ist das Musikportal nicht online, doch erste Demos lassen erahnen, dass das Unternehmen Nokia kuenftig ein weiterer wichtiger Spieler in diesem spannenden Markt darstellen und dem Platzhirsch "Apple" das Feld nicht alleine ueberlassen will. Das zeigt auch das neue N81 und N95 mit einer erweiterten schnellen Bedienerfuehrung. Ein N81 Nachfolger, wird sogar ab 2008 mit Touchscreen bedienbar sein. Apple bekommt direkte Konkurrenz und ohne SIM-Lock, der ohnehin laengst geknackt ist.
T-Mobile will das iphone verkaufen, kann aber offenbar auf der IFA in Berlin noch nichts dazu sagen. Und das kurz vor dem branchenwichtigen Weihnachtsgeschaeft.
Dafuer kommt jetzt der lange erwartete My Fave Tarif, den so - wie er angekuendigt wurde - wohl kein Mensch der angepeilten Zielgruppe haben will. Die Leute wollen klare einfache Tarife nach realem Verbrauch. Bei Vertraegen mit Handys darf eine moderate Grundgebuehr dabei sein, die einen fuehlbaren Gegenwert (z.B. spuerbar besseren Service und ein guenstiges Handy) enthaelt, ansonsten Kosten nach Verbrauch. Aber nicht 17,50 Euro Grundgebuehr (ab naechstes Jahr) und dann noch 5 Cent/Minute zu den Freunden. Fuer das Geld haette es eine Flatrate zu 5 Nummern sein muessen, aber dazu wollte man sich wohl nicht durchringen. Schade drum.
Stattdessen schiessen neue Discounter wie Pilze aus dem Boden, die alle die immer wieder gleichen Startprobleme haben, was aus Chaos, ueberforderten oder sagen wir besser ahnungslosen Hotlines besteht, die keinen Zugriff auf die Kundendaten haben und wo am Ende die Chefs dann als Feuerwehr die Probleme der Pionierkunden loesen muessen, sofern sie vor lauter Auslagerung noch den Ueberblick haben.
Was die Leute auch nicht wollen: Das brutale Wegsparen von Fachleuten und wertvollem Fachwissen und das Auslagern an unerreichbare Firmen, welche die Wartezeiten auf Problemloesungen nur unnoetig verlaengern.
Uebrigens: T-Mobile soll eine Datenflat fuer rund 10 Euro im Monat anbieten: In England. Warum geht so was nicht in Deutschland? Es muss ja gar nicht total flat sein. Mit 200 MB kommt man bei einer fairen Taktung schon ganz schoen weit. Und fuer die PC-Surfer ohne Festnetz kann man ja ein Paket mit 5-10 GB schmieden, aber mit gut funktionierender Kostenkontrolle.
See ya at Ministry of Sound tonight.
Gruss aus London
Henning Gajek

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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