Der Service-Provider The Phone House setzt ein Zeichen und verkauft künftig Original-Mobilfunk-Verträge und Produkte.
Service-Provider sind Unternehmen, die Verträge für Mobilfunknetze an Endkunden anbieten. Sie "kaufen" entweder Gesprächsminuten, Datenmengen oder fertige Tarife mit einem Rabatt beim Netzbetreiber ein und "schnitzen" daraus eigene Tarife und Angebote. Sie kümmern
sich von der Anmeldung bis zur Abmeldung um den Kunden, schicken ihm die SIM-Karte, Rechnung und so weiter und sind Ansprechpartner bei Problemen und Störungen. Bei Störungen kann der Provider diese oft nur an den Netzbetreiber weitermelden, dabei gehen solche Nachrichten manchmal "unterwegs" verloren. Da die Margen gering sind, haben sich viele Service-Provider nie richtig "rentiert". Ein Service-Provider kann nur Geld verdienen, wenn der eigene Kunde selbst abgehend telefoniert. Für ankommende Gespräche bekommt der Provider nämlich nichts, der Netzbetreiber schon.
Deswegen schlossen und schließen sich immer mehr Service-Provider zusammen. Debitel schluckte Talkline, Drillisch schluckte die TelCo (vormals Motorola Telco, später RSL Com) und stieg mit einem Aktienpaket bei der Freenet Ag (besser bekannt als Mobilcom) ein.
Bei The Phone House ging man einen anderen Weg: Ab dem 1. Januar 2008 wird The Phone House keine eigenen D1-Tarife mehr anbieten, sondern nur noch die Originaltarife und -optionen des Netzbetreibers T-Mobile vermarkten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Angebote im Netz von Vodafone oder E-Plus übernommen. Für das o2-Netz verkaufte The Phone House schon immer Original-Verträge.
Den Service-Provider The Phone House kennen viele noch als "Hutchison", obwohl diese Markenrechte schon vor Jahren abgelaufen sind und das Unternehmen an die britische Carphone Warehouse Gruppe verkauft wurde, deren blauen Läden man an vielen Ecken etwa in London sieht. Das vom heutigen Telekom-Chef Rene Obermann in Münster gegründete Unternehmen, aus dem auch Rolf Hansen (heute Simyo) stammt, setzt jetzt ein wichtiges Zeichen im turbulenten Mobilfunkmarkt.
Der Aufwand, oft nahezu identische Tarife zu entwickeln und zu verwalten fällt künftig weg, für den Kunden wird die Orientierung wieder einfacher. Technisch komplizierte Produkte wie die Multi-SIM bieten viele Service-Provider gar nicht an. The Phone House Kunden können sie künftig problemlos bekommen.
Der Netzbetreiber T-Mobile betreibt das D1-Mobilfunknetz, schreibt die Rechnungen und verwaltet den Kunden. Neukunden von The Phonehouse schließen künftig ihre Verträge im The Phonehouse Shop direkt beim Original-Netzbetreiber ab und können bei Fragen dort auch hingehen, wenn sie eine persönliche Beratung bevorzugen.
The Phone dreht sich somit Service-Provider mit eigenen Shops zum System-Händler mit Beratung. Die Anzahl der eigenen Shops und der Franchise-Partner (ein Unternehmer betreibt einen The Phonehouse Laden, muß sich aber z.B. um überregionale Werbung nicht kümmern, dafür wird er vom Franchisegeber entsprechend unterstützt) wird steigen.
Für Bestandskunden mit einem älteren Hutchison oder The Phone House Vertrag ändert sich zunächst nichts, es sei denn, sie wollen 2008 oder später ihren Vertrag aktiv verlängern (z.B. mit einem neuen Handy.) Dann wird sich nur der Vertragspartner des Kunden ändern, die lange bekannte Rufnummer, die SIM-Karte und Handyeinstellungen bleiben erhalten und müssen nicht gewechselt werden.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für die Mitarbeiter in der Zentrale in Münster. Die Zahl der Arbeitsplätze wird dort sinken, dafür wird es neue Arbeitsplätze in den Shops geben. Vielleicht ist mancher Callcenter-Agent gar nicht so unglücklich, seine Kunden nicht mehr am Telefon, sondern einmal in der Realität zu treffen und zu betreuen.
Eine Bereinigung des chaotischen Marktes ist notwendig. Die Wege müssen kürzer und direkter werden, damit sich kompetente Menschen, die a) Ahnung vom Thema und b) direkten Zugriff auf alle Systeme und Abläufe haben, sich künftig besser um die bestehenden Kunden intensiver und besser als bisher kümmern können. Wo es keine wirklichen Neukunden mehr gibt, wird das immer wichtiger.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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