Wenn es sinnvolle mobile Internet-Anwendungen auf dem Handy geht, ist die Deutsche Bahn führend. http://wap.bahn.de liefert auf jedem wap fähigen Handys schnell und ohne Schnickschnack die gesuchten Informationen, mit dem PDA oder Smartphone ist http://mobile.bahn.de zu empfehlen.
Sofern man sich im Internet (vor)registriert hat, kann man sich per MMS die Fahrkarte aufs passende Handy beamen lassen, bis etwa 10 Minuten vor der Abfahrt. Und MMS-Handys gibts bekanntlich schone eine Menge.
Beim Versuch, das System zu "verbessern" ist man möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen, weil jetzt neue spezielle Handys notwendig sind. Nur 200 Tester dürfen testen (trotz 3000 Anfragen) und mit den Testfahrkarten darf man alleine gar nicht bahnfahren.
Gehts nicht noch umständlicher?
Schon zur Computermesse CeBIT hatten die Deutsche Bahn und der Mobilfunkanbieter Vodafone D2 ein neues System zur Verbindung von Mobiltelefon und Fahrkarte vorgestellt. Kern ist die so genannte Near Field Communication (NFC), ein eigenes Funksystem für ganz kurze Entfernungen.
Die Deutsche Bahn hatte nach Testkunden gesucht, knapp 3000 hatten sich gemeldet, nur 200 Testkunden, die nach Fern und Nahstrecken nach Viel- und Wenignutzern selektiert wurden, dürfen jetzt wirklich mit einem für den Test zur Verfügung gestellten NFC-Handy probefahren.
"Touch&Travel" heißt das Projekt, wo man sein NFC-Handy ganz nahe an Leser im Zug halten soll. Weil in der ersten Pilotstufe diese NFC-Handys nicht als gültige Fahrtberechtigung anerkannt werden, müssen die Testkunden noch eine "gültige" Fahrkarte mit sich führen. Umständlicher gehts kaum.
Der "Zwang" sich ein Handy mit NFC zulegen zu müssen, wird viele Kunden
abschrecken, denn mit NFC kann man sonst eigentlich nicht viel anfangen, mit SMS oder MMS aber schon.
Stattdessen sollte die Bahn ihr Bestellverfahren für das bestehende Handy-Ticket noch straffen und vereinfachen: Es müssen bei einer Bestellung noch viel zu viele Daten eingegeben oder angeklickt werden, das dauert noch viel zu lange und ist umständlich. Dafür funktioniert die MMS-Fahrkarte mit den "Gameboys" der Schaffner wirklich, auch wenn es einige nicht glauben wollen.
In Österreich kann man sogar mit einer puren SMS Bahn fahren, das ginge in Deutschland auch, wenn man die Autorisierungscodes die auf den selbstgedruckten Internet-Bahn-Tickets, die auch in der Handy-Ticket-MMS zu finden sind, verwenden würde. Auf einen Schlag hätte die Bahn bis zu 85 Millionen potenzielle Kunden, die mit dem Handy fahren können, egal, ob sie Kunde bei o2, E-Plus, T-Mobile, Vodafone oder einem anderen Anbieter sind.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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