Das Thema Roaming bewegt die Gemüter. Am 22.9. hat die Schweizer Swisscom-Mobile ihre Roaming-Tarife deutlich unter die EU-Vorgaben gesenkt, obwohl die Schweiz gar kein EU-Mitglied ist.
Um bis zu 50% senkt Swisscom Mobile seine Roaming-Tarife - auch für Bestandskunden, ohne daß es irgendeiner Aktion seitens des Kunden bedarf. Ein Anruf innerhalb von Europa oder in die Schweiz kostet im Roaming-Falle seit dem 22.9. nur noch 85 Rappen pro Minute, das sind umgerechnet derzeit etwa 51 Cent/Minute. Ankommende Verbindungen gibts für 40 Rappen (ca. 24 Cent) beides Werte, die deutlich unter den Vorgaben der EU liegen, wenn man einen Wechselkurs von 1 Franken gleich 60 Euro-Cent zu Grunde legt. (Beim Aufladen von 50 Franken über die Kreditkartenfunktion der Natel-Easy wurden mir kürzlich 30,10 Euro von der Kreditkarte belastet.)
Zwei kleine Nebenwirkungen hat die Sache: Die Taktung wurde von 60/30 auf 60/60 umgestellt, es wird also pro angebrochener Minute abgerechnet. SMS-Kurznachrichten kosten Swisscom-Vertragskunden 40 Rappen pro Minute (günstig), Swisscom Prepaidkunden werden mit 90 Rappen (ca. 56 Cent) zur Kasse gebeten.
Swisscom-Karten gelten als "Queen of Roaming", die Zahl der weltweiten Roaming-Abkommen mit Swisscom dürfte auch heute noch führend sein.
Da die speziellen "Roaming-Karten" von United-Mobile, Globalsim oder wie sie alle heißen in der letzten Zeit für "Kummer" sorgen (man ist eingebucht, aber nicht erreichbar, je nach Land und Netz), kann man auch wieder zum Schweizer "Original" greifen, denn viel teurer ist das auch nicht. Und die Schweizer Karte funktioniert in jedem Handy und sei es noch so alt, irgendwelche SIM-Toolkit gesteuerten Wählverfahren sind nicht notwendig.
Nur der Erwerb beispielsweise einer Swisscom-Karte ist für deutsche oder andere Kunden, die nicht permanent in der Schweiz leben, nicht ganz so einfach. Da in der Schweiz seit einiger Zeit eine generelle Registrierungspflicht für Mobilfunk-Karten herrscht, muß man seine Karte direkt vor Ort in einem Mobilfunkladen oder Netzbetreibershop kaufen und sich dabei ausweisen. Eine deutsche Wohn-Adresse stellt dabei kein Problem dar.
Wem das alles zu kompliziert ist, der sollte sich eine Vodafone (Prepaid) Karte zulegen und dafür "Reiseversprechen" buchen. Da kosten die Verbindungen in Europa und vielen weiteren Ländern oft genausoviel wie in Deutschland, plus einem einmaligen Zuschlag von 75 Cent pro Verbindung. Das ist für einen gepflegten Bericht, wie der Tag war oder was einen sonst so bewegt mehr als günstig. Nur wer viele kurze Anrufe tätigen will, sollte sich nach einer anderen Lösung umschauen.
Bei den Roaming-Kosten müssen sich T-Mobile, E-Plus (und seine Discounter) und o2 noch was einfallen lassen. Die Angebote von vistream (wie Solomo oder Sunsim) sind zwar im Prinzip recht günstig. Da aber vistream nur ein virtuelles Netz betreibt, das hierzulande im realen Netz von E-Plus zu Gast ist, sollte man sich vorher im klaren sein, daß da manche Funktion nicht immer und überall so klappt, wie man das so erwarten würde.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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