Welche Euphorie war seinerzeit in Berlin, als T-Mobile, Vodafone, o2 und E-Plus ihre große Zukunft im Mobilen TV sahen? Gemeinsam hatten sie ein Konsortium geschmiedet, das Kartellamt von ihren guten Absichten überzeugt. Und dann?
Dann sprang zuerst einmal E-Plus ab. "Das kostet nur eine Menge Geld und bringt nichts", sagte der damalige E-Plus Chef Michael Krammer. Schnell hatten die Düsseldorfer erkannt, daß man mit mobilem TV viel Geld ausgeben konnte, die potenziellen Kunden wollten das aber lieber "geschenkt" haben, als dafür zu zahlen. Da waren es nur noch drei Mobilfunker.
Dann das babylonische Normenchaos. DMB? DVB-H? Media-Flo? Alle Normen passen natürlich nicht zu einander. Die EU drückte den von Nokia entwickelten DVB-H Standard durch.
Während die Mobilfunker und ihre Lieferanten noch über DVB-H diskutierten, schaffte die MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland) Fakten und begann bereits mit dem DMB-Standard zu senden. DMB war halt schon da, als Weiterentwicklung von DAB, worin die Landesmedienanstalten eine Menge Geld versenkt hatten.
Nachdem sich alle Konsortien und potenzielle Plattformbetreiber beworben haben, haben sich die Landesmedienanstalten aller Voraussicht nach für die neue Firma "Mobile 3.0" entschieden.
Hinter "Mobile 3.0" stecken die Verlage Hubert Burda Media, Holtzbrinck und der südafrikanische Print-Medienkonzern Naspers, ferner der frühere Pixelpark-Chef Paulus Neef und der Ex-Neun-Live-Chefin Christiane zu Salm. Die müssen nun bis zum 9. November einen Vorschlag für die Belegung der nutzbaren Kapazitäten für Fernsehen, einschließlich eines regionalen Angebots und für den Hörfunk (vier Programme) vorlegen. Schon heute gilt als sicher, daß ARD und ZDF dabei sein werden und RTL und pro7-SAT1 und ein paar regionale Programme sicher auch.
Die Landesmedienanstalten wollen, dass der Betrieb von Mobil-TV im DVB-H-Standard zur Fußball-Europameisterschaft 2008 aufgenommen werden kann, mal schauen, ob das klappt.
Unsere drei Mobilfunker gingen leer aus, werden allerdings noch gebraucht, um von den TV-süchtigen Handykunden die monatlichen "Grundgebühren" für den mobilen TV-Empfang (man murmelt von 7 Euro pro Monat) einzukassieren und das werden sie bestimmt nicht für einen warmen Händedruck tun.
Einzig die Telekom Tochter T-Systems darf sich freuen: Sie darf das DVB-H-Sendernetz aufbauen und betreiben. Das hat die Bundesnetzagentur verfügt, weil T-Systems Media-Broadcast (als Nachfolger der Deutschen Bundespost Abt. Rundfunk) ja seit Jahren Erfahrungen mit den Rundfunksendernetze von ZDF, Teilen der ARD und vieler Privater hat.
Wir Kunden sollten uns entspannt zurücklehnen und erst einmal abwarten.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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