Die Aussteller seien mit der Messe "Systems" insgesamt sehr zufrieden gewesen, meldet der Branchenverband Bitkom. Die Besucher waren es auch?
Wer seinen klaren Fokus auf mittelständische Kunden, die klare Investitionsabsichten haben legt, scheint wirklich zufrieden gewesen zu sein. Die "Hightech-Messe" habe sich als führende Fachveranstaltung für Süddeutschland sowie Mittel- und Osteuropa etabliert. Aha.
Wer sich für Mobilfunk und seine Hintergründe interessieren sollte, wurde dieses Jahr klar und eindeutig enttäuscht. Der Mobilfunkkongress hatte zwar durchaus Highlights, zeigte aber auch dass die Branche irgendwie ratlos ist, wie es weiter gehen soll, im übersättigten Markt.
Die CeBIT bröckelt: E-Plus kommt nicht, Nokia fehlt, o2 bleibt 2008 weg, wer flüchtet als Nächster?
Die IFA boomt, aber die Mobilfunker kommen noch nicht (wieder).
Wo gibt es eine hochqualitative Messe für den technisch interessierten und kaufkräftigen Endkunden, der mehr als Werbegeblubber hören und sehen und erfahren möchte?
Die Message, sich endlich um die bestehenden Kunden zu kümmern, möchte keiner hören, weil da ist ja kein echtes Wachstum, da sind keine neuen Einnahmen drin. Wirklich nicht?Stattdessen warten auf das i-Phone, am Kiosk vor der Messe ist die SIM-Karte der großen Zeitung mit den Riesen-Buchstaben kaum gefragt.
Alle schwafeln von Web 2.0. Wie die User wirklich ticken, was sie wirklich wollen, bleibt vielen Anbietern weiterhin verborgen. Swantje Benussi von der PBS-AG klärte die überraschten Kongreßbesucher am Nachmittag auf, ihr "Zwiebelmodell" trifft ziemlich den Kern der Sache. Gewisss: Für alte Hasen, die regelmäßig in Foren unterwegs sind, ist das alles nichts Neues, für die "Industrie" aber offenbar schon.
Loben muß man da o2. Die haben das verstanden, das hochkarätig bestückte o2 Usertreffen (zeitlich zur Systems, aber örtlich im Münchner Zentrum) war wieder sehr gut besucht, seit 9 Jahren Tradition.
Vor neuen Geschäftsmodellen hat die Branche Angst. Die Femto-Basis-Station im Wohnzimmer oder Hobbykeller würde die letzten Funklöcher beseitigen und die Netz-Nutzung steigern, da sieht selbst der kreative Thorsten Dirks von E-Plus "kein Geschäftsmodell". Die Münchner U-Bahn bleibt ein einziges Funkloch und steckt voller entgangener Airtime (sprich Einnahmen), doch kein Mobilfunker hat den Mumm, dieses Projekt endlich in Angriff zu nehmen. Mehr dazu in einem gesonderten Blog.
Die Gespräche zu verschenken, wenn die Kunden sich dafür "öffnen" und anhand von Interessenprofilen für zielgerichtete Werbung empfänglich werden?
Die Datenverbindungen zu verschenken und die Kosten den Händler bezahlen zu lassen, weil der Kunde dann zu ihm eher in den Online-Shop kommt?
Die Flatrate für alles ("außer Tiernahrung") ?
Das könnten Lösungen sein, die sicher nicht allen Kunden und Anbietern gefallen werden.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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