Die deutschen Netzbetreiber jammern über sinkende Margen und die telefonierunwilligen Kunden. Dabei könnten sie sofort etwas dagegen tun.
Wer mit seinem mobilen Telefon unterwegs = mobil telefonieren will oder muß, kennt das, ausgerechnet dann, wenn man es bräuchte - ist kein Netz vorhanden. Sei es irgendwo in einem Gebäude, sei es auf der einsamen Landstraße durch den dunklen Wald oder in der Eisenbahn, von der fehlender Versorgung in bestimmten U-Bahnen oder unterirdischen Stadtbahnen will ich gar nicht reden.
Einzig mit den schnellen ICE-Zügen kann man in bestimmten "Handywägen" mit hoher Wahrscheinlichkeit mobil telefonieren, aber auch nicht immer und überall.
Sobald man aber mit einem IC oder einer Regionalbahn auf Reisen geht, wirds fürchterlich. Nichts nervt mehr als abgebrochene oder nicht mögliche Verbindungen. Da tröstet es wenig, daß es zunächst die Newcomer von o2 oder E-Plus trifft, auch die "großen" T-Mobile und Vodafone haben Löcher.
o2 Kunden können ihr Handy im Zug sowieso vergessen. Auf den Strecken wo o2 nicht selbst versorgt, würde zwar D1 gerne einspringen, aber in den Ballungsgebieten und drumherum ist die D1-Nutzung gesperrt. Jetzt muß o2 für teures Geld erst mal gewaltig nachrüsten, auch die Sendeverstärker in den ICE-Zügen, die noch kein o2 Netz "kennen".
München, die bayrische Hauptstadt hat bis heute unter ihren Straßen ein gigantisches "Funkloch", wo täglich zigtausende Pendler und Reisende hindurch müssen. Die Rede ist von der Münchner U-Bahn. Anfangs war die Münchner Verkehrsgesellschaft MVV wohl dageben, inzwischen wohl nicht mehr, aber es tut sich einfach nichts.
Nicht einmal der lokale Platzhirsch o2, der sich bei der Münchner Bevölkerung sicher unsterblich verewigen könnte, in dem er "seine" Stadt versorgen würde, traut sich an das Projekt. Ja klar kostet das zunächst Geld. Aber was würden Werbeplakate in jeder U-Bahn-Station kosten "Hier können Sie mit o2 telefonieren?"
Der Fairness halber muß gesagt werden, daß die unterirdische Münchner S-Bahn-Strecke zwischen Ost-Bahnhof und Pasing längst von allen vier Anbietern versorgt ist, die gehört ja auch der Deutschen Bahn AG.
Nur zur Erinnerung: Der erste Netzanbieter, der sich seinerzeit in den Berliner "Untergrund" getraut hat war E-Plus. Der damalige Technikchef Lennartz erkannte das mögliche Umsatz-Potenzial und startete den Ausbau. Heute ist mobiles Telefonieren im Berliner Untergrund so normal wie frische Brötchen oder ein leckeres Müsli zum Frühstück.
Kurz und knapp: Wenn die Mobilfunkanbieter wollen, daß ihre Kunden das Handy wirklich nutzen, müssen sie die Netze weiter ausbauen. Am besten in alle bewohnten oder belebten Regionen, überall da, wo regelmäßig Menschen sind. Nicht zustandegekommene Verbindungen sind verlorener Umsatz.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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