23.11.07
Permalink 07:03:55, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 450 Wörter   German (DE)

Kein Netz - keine Einnahmen

Die deutschen Netzbetreiber jammern über sinkende Margen und die telefonierunwilligen Kunden. Dabei könnten sie sofort etwas dagegen tun.

[Mehr:]

Wer mit seinem mobilen Telefon unterwegs = mobil telefonieren will oder muß, kennt das, ausgerechnet dann, wenn man es bräuchte - ist kein Netz vorhanden. Sei es irgendwo in einem Gebäude, sei es auf der einsamen Landstraße durch den dunklen Wald oder in der Eisenbahn, von der fehlender Versorgung in bestimmten U-Bahnen oder unterirdischen Stadtbahnen will ich gar nicht reden.

Einzig mit den schnellen ICE-Zügen kann man in bestimmten "Handywägen" mit hoher Wahrscheinlichkeit mobil telefonieren, aber auch nicht immer und überall.

Sobald man aber mit einem IC oder einer Regionalbahn auf Reisen geht, wirds fürchterlich. Nichts nervt mehr als abgebrochene oder nicht mögliche Verbindungen. Da tröstet es wenig, daß es zunächst die Newcomer von o2 oder E-Plus trifft, auch die "großen" T-Mobile und Vodafone haben Löcher.

o2 Kunden können ihr Handy im Zug sowieso vergessen. Auf den Strecken wo o2 nicht selbst versorgt, würde zwar D1 gerne einspringen, aber in den Ballungsgebieten und drumherum ist die D1-Nutzung gesperrt. Jetzt muß o2 für teures Geld erst mal gewaltig nachrüsten, auch die Sendeverstärker in den ICE-Zügen, die noch kein o2 Netz "kennen".

München, die bayrische Hauptstadt hat bis heute unter ihren Straßen ein gigantisches "Funkloch", wo täglich zigtausende Pendler und Reisende hindurch müssen. Die Rede ist von der Münchner U-Bahn. Anfangs war die Münchner Verkehrsgesellschaft MVV wohl dageben, inzwischen wohl nicht mehr, aber es tut sich einfach nichts.

Nicht einmal der lokale Platzhirsch o2, der sich bei der Münchner Bevölkerung sicher unsterblich verewigen könnte, in dem er "seine" Stadt versorgen würde, traut sich an das Projekt. Ja klar kostet das zunächst Geld. Aber was würden Werbeplakate in jeder U-Bahn-Station kosten "Hier können Sie mit o2 telefonieren?"
Der Fairness halber muß gesagt werden, daß die unterirdische Münchner S-Bahn-Strecke zwischen Ost-Bahnhof und Pasing längst von allen vier Anbietern versorgt ist, die gehört ja auch der Deutschen Bahn AG.

Nur zur Erinnerung: Der erste Netzanbieter, der sich seinerzeit in den Berliner "Untergrund" getraut hat war E-Plus. Der damalige Technikchef Lennartz erkannte das mögliche Umsatz-Potenzial und startete den Ausbau. Heute ist mobiles Telefonieren im Berliner Untergrund so normal wie frische Brötchen oder ein leckeres Müsli zum Frühstück.

Kurz und knapp: Wenn die Mobilfunkanbieter wollen, daß ihre Kunden das Handy wirklich nutzen, müssen sie die Netze weiter ausbauen. Am besten in alle bewohnten oder belebten Regionen, überall da, wo regelmäßig Menschen sind. Nicht zustandegekommene Verbindungen sind verlorener Umsatz.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Peter Miller [Besucher]
kommentiert mal bitte den Ogo mit Mail- & IM-Flatrate f. 5,-/Monat von debitel (Vodafone) ab 30.11. Ich finde den Tarif und das Angebot (nur telefonieren ist teuer - würde ich damit nicht tun) ganz passabel.
Permalink 23.11.07 @ 09:04
Kommentar von: Hightower2004 [Besucher]
Mehrere abgebrochene Verbindungen von wenigen Sekunden Dauer, die im modernen 60/60 Takt abgerechnet werden, sind sicher auch nicht zu verachten. Dazu kommen noch die Info-SMS, die verschickt werden, wenn der Kunde im Funkloch steckt. Das ist sicher auch ein netter Umsatz.
Permalink 23.11.07 @ 22:28
Kommentar von: Roman [Besucher]
Was ich mich frage: es gibt immer Stellen und Bereiche, in denen sich ein einzelnes Netz nicht lohnen würde. Wieso wird hier von den Firmen nicht versucht, ein Funkloch in Form einer gemeinsamen Infrastrukturfirma zu füllen? Diese Firma würde dann ein lokales Netz anbieten, welches von allen Kunden per Roaming genutzt werden kann. Die Handover sollten auch lösbar sein, zwischen o2 und D1 klappt es zumindest sehr häufig.

Die Frage des Wettbewerbs wäre auch kein wirkliches Problem: die Zugangsentgelte könnten per Regulierung angepasst werden. Auf diese Art hätte man dann auch dort, wo es sich für einzelne schlicht nicht rechnet, eine Versorgungsmöglichkeit.
Permalink 25.11.07 @ 13:28
Kommentar von: platon [Besucher]
Seit wann ist denn die MVG nicht mehr gegen Mobilfunk in ihren U-Bahnen?
Permalink 26.11.07 @ 13:28
Kommentar von: polli [Besucher]
die letzte Pressemeldung die ich dazu von der MVG finden konnte ist von 2004 und verweist auf eine 5. Kundenumfrage nach der Sommerpause ;-)
http://www.mvg-mobil.de/presse/presse_2004/07.07.2004.htm

Abgesehen davon haben die laut meinen Recherchen tatsächlich nichts gegen Mobilfunk - ab Studentenstadt (und natürlich auf allen anderen oberirdischen U-Bahnstrecken darf telefoniert werden ;-)
Permalink 18.12.07 @ 18:43

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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