Vielleicht haben Sie schon mal einen Klingelton auf Ihr Handy heruntergeladen. Bei Preisen von 1, 2 oder 3 Euro pro Klingelton wirds einem leicht schwül. Müssen die so teuer sein?
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., kurz BITKOM hat mit der Gesellschaft für elektromechanische Aufführungsrechte (Gema) einen Kompromiss geschlossen. Im BITKOM sind mehr als 1.000 Unternehmen, davon 800 Direktmitglieder mit 135 Milliarden Euro Umsatz und 700.000 Beschäftigten vertreten. Das sind Geräte-Hersteller, Anbieter von Software, IT- und Telekommunikationsdiensten sowie von digitalen Inhalten, neudeutsch dem "Content".
Die Rechte-Verwertungsgesellschaft GEMA hatte die bisherige Vereinbarung vom Januar 2007 gekündigt. Nach intensiven Verhandlungen werden die damals vereinbarten Konditionen im Wesentlichen verlängert: Weiterhin werden auf den Verkaufspreis der Melodien 10,45 Prozent Lizenzgebühr fällig – deutlich weniger, als die Gema ursprünglich gefordert hatte. „Das ist ein Kompromiss, der die Multimedia-Wirtschaft und die Verbraucher nicht übertrieben belastet“, freut sich BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.
Die neue Vereinbarung gilt zunächst bis zum Juni 2008. BITKOM-Mitglieder bekommen einen Rabatt, sie müssen nur 8,36 Prozent zahlen. Für Klingelton-Abonnements und Musik-Downloads haben BITKOM und Gema vorläufige Vereinbarungen getroffen. „Hier müssen wir weiterverhandeln, weil die von der Gema geforderten Tarife zum großen Teil nicht auf die aktuellen Geschäftsmodelle anwendbar sind“, erklärt Herr Rohleder von der Bitkom.
Für fast alle Klingeltöne und Musik-Downloads verlangt die Gema solche Gebühren – im Namen von Komponisten, Textern und Musikverlegern. In diesem Jahr laden die Deutschen Klingeltöne und Lieder für rund 60 Millionen Euro auf ihre Handys", schätzt die BITKOM aufgrund einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung.
An Klingeltönen verdienen zig Unternehmen mit. Nicht nur Künstler, welche die Original-Musik komponiert oder aufgeführt haben, bekommen davon was ab, auch die Verleger und Rechteinhaber. Weil Klingeltöne eine starke Verkürzung oder Veränderung des Original-Werkes sind, muss dem Künstler eine Art "Schadenersatz" dafür bezahlt werden, dass sein Original "verunstaltet" wurde. Bis Künstler, Musiker, Verleger, Gema, Klingelton-Anbieter, Klingelton-Transportierer und die beteiligte Handygesellschaft "zufrieden" gestellt sind, läppern sich schnell recht zackige Preise zusammen.
Als Verbraucher haben Sie aber die Möglichkeit, sich vor dem Kauf eines Klingeltons über den Preis genau zu informieren und wenns zu teuer ist, einfach sein zu lassen. Mit etwas Software aus dem Netz können Sie den Klingelton selbst erstellen und auf das eigene Handy spielen. Solange Sie dabei keinen Kopierschutz knacken und den Klingelton nicht hemmungslos im Bekanntenkreis oder gar auf Ihrer Homepage herumverteilen, ist dagegen nichts zu sagen.
Kleiner Tipp: Viele Handyhersteller haben noch weitere kostenlose Klingeltöne auf ihren Homepages. Einfach mal schauen.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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