Die Mobilfunker sind ratlos. Nur schwer können sie sich mit dem Gedanken anfreunden, daß die goldenen Zeiten, wo man mit Mobilfunk noch mühelos ganz viel Geld verdienen konnte, vorbei sein könnten.
Der Markt ist gesättigt (Jeder hat mindestens einen Handy und eine Karte) und die Kunden wollen immer weniger bezahlen, weil andere Kosten (z.B. die Spritpreise) das Budget belasten.
Einige Mobilfunker sind nun dazu übergegangen, neben dem Mobilfunk auch Festnetz und schnelles Internet (z.B. DSL) zu verkaufen, doch das knirscht und knackt, wie man in den Foren lesen kann.
Logisch: Im Festnetz sind die Mobilfunker nicht alleine, sondern stoßen auf massive Konkurrenz und sie müssen ihre Drähte hierzulande bei der deutschen Telekom mieten. Hilflos umher wechselnde Kunden, die den Versprechungen der vielen privaten Telefon-Anbieter geglaubt haben oder das ultimative Schnäppchen mitnehmen wollen, verschärfen die Situation noch mehr. Wer auf einen "alternativen" Festnetzanschluß wartet, muß derzeit mit bis zu 8 Wochen Wartezeit rechnen. Der Telekom ist das nicht unrecht, so kehren einige Kunden reumütig zurück.
Ins Festnetz traute sich der Mobilfunker E-Plus bis auf eine halbherzige Kooperation mit Versatel nicht. Bis heute keine Homezone, nicht einmal ein Festnetz-Angebot, das kostengünstig aufs Handy umgeleitet werden könnte.
Stattdessen sucht E-Plus laut Financial Times Deutschland (FTD) sein Heil bei den "Kreativen des Internets". Das wird schwierig werden. E-Plus will jede Mange Partnerschaften mit Softwarefirmen und Diensteanbietern eingehen und im Gegenzug am Erfolg dieser Internet-Anbieter beteiligt werden.
Internet-Angebote sind aber meistens da erfolgreich, wo der Kunde wenig oder gar nichts zahlen muß. Wie soll da noch Geld für einen Mobilfunker wie E-Plus übrig bleiben?
Ich denke, am Ende kann nur ein Geschäftsmodell funktionieren:
Konzentration auf die "Kernkompetenz". Das bedeutet Mobilfunk, aber mit einem eigenen gut funktionierendem und belastbaren Netz, einem eigenen gutem Kundenservice und Vertrieb aus einem Guß. Der Mensch im Handy-Laden muß die Sender seiner Gegend persönlich kennen, er muß wissen, wen er bei bei der Hotline bei Problemen fragen muß, damit ein auftretendes Problem ruckzuck beseitigt wird. Der Mensch an der Hotline muß sich auch im Laden auskennen, etwa durch regelmäßige Rotation der Jobs.
Die Handy-Tarife müssen klar, einfach und verständlich sein und sie müssen auch für Altkunden gelten.
Solange man meint, daß die "Altkunden" die "Deppen der Nation" sind, die man in den alten (teuren) Tarifen verhungern lassen kann, während man den "Neukunden" die Geschenke hinterher wirft, bekommt man nur eine dumpfe Masse von frustrierten Kunden, die bei nächst passender Gelegenheit zum nächsten Schnäppchenjäger abhauen werden.
Es fehlt eine radikale Bereinigung der Kartenzahlen, die nur die Statistiken fälschen, während keine Zeit für die wahren Probleme bleibt.
Es ist richtig, daß ein Mobilfunkanbieter kein eigenes Klingelton- oder WAP-Portal haben muß, aber wenn er eins hat, dann muß es auch zuverlässig funktionieren. Sonst ist der Kunde frustriert und gibt sein Geld woanders aus.
Wenn ein Mobilfunknetzbetreiber auf solche Spielereien verzichtet, muß er dennoch einen stabilen und leistungsfähigen vollwertigen Internetzugang anbieten.
Jetzt wo die Mobiltelefon-Preise in Bereiche gesunken sind, wo die Kunden endlich mehr telefonieren oder Daten übertragen könnten und wollen, stoßen sie - in allen Netzen - auf Netzüberlast und andere Störungen, welche den Frust erhöhen, die Nutzung aber bremsen oder vereiteln.
Als "kleiner" Anbieter ist für eplus der charme des günstigen Preises längst vorbei, günstige Preise können die "Großen" auch.
Ein Anbieter kann nur noch über den besseren Service und das bessere Netz punkten. Wenn das aber an zig Firmen "ausgelagert" ist, die erst einmal nicht miteinander reden, bis man sie regelrecht dazu zwingt, dann kann das nicht funktionieren.
Die Wanderungsbewegung ist längst im Gang. Und nicht wenige kehren den Preispionieren inzwischen zutiefst enttäuscht den Rücken. Am Ende könnten ein oder zwei "Netz"-Anbieter auf der Strecke bleiben.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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