Zum Jahresende macht man gerne einen Rückblick, philosphiert ein wenig. Welches ist mein
Lieblings-Netz - mein Netz des Jahres?
Als erstes war D1, pardon T-Mobile. Die funken seit 1992 mit GSM und haben heute - wenn
man verschiedenen Gutachtern glauben darf - das flächendeckendste Netz im Land. Wo UMTS
schon existiert, wird zumeist mit HSDPA zwischen 1,8 und bis zu 7,2 MB übertragen. Selbst ohne UMTS macht der Ausbau mit dem schnelleren E-GPRS (besser bekannt als EDGE) bereits Freude. Es gibt aber noch genügend Funklöcher, die langsam mal gestopft werden sollten.
Bei näherem Hinsehen erlebt man mit D1 das eine oder andere Handover oder Sprachqualitätsproblem, die Datenübertragung steigt hier und da mitunter aus. Wenn man dann nachfragt, kann es im extremen Fällen, schon mal ein halbes Jahr dauern, bis auf ein T-Zones-Problem reagiert wird, und das Problem bestand zu diesem Zeitpunkt immer noch!
Und schließlich die Preise: Man kann bei T-Mobile - wenn man weiß wie - günstig telefonieren und gerade noch bezahlbar surfen, etwa bei Congstar. Doch bei der Abwicklung von Congstar knirscht es gewaltig. Andere D1-Discounter leiden unter hohen Datenpreisen, die einfach nicht sein müssten.
Schlaue D1-Nutzer können bei Debitel Dank "Crash 5" für nur fünf Cent in alle Netze telefonieren, aber günstige SMS oder günstige Datentarife oder gar eine ankommende Rufnummernportierung gibts dafür nicht.
Schauen wir auf D2, pardon auf Vodafone D2. Die sind im Netzausbau stellenweise besser als D1 und stellenweise auch umgekehrt. Noch ist D2 in Sachen UMTS-Ausbau den Magenta-Kollegen in der Fläche überlegen. HSDPA wird mit 1,8 bis 3,6 MB ausgerollt und die 7,2 MB sind auch nicht so weit weg. Bei EDGE hat Vodafone über Nacht nachgeholt, es gibt genügend zu tun.
Nicht Jeder, der viel surfen will, mag 50 Euro für 5 GB im Monat ausgeben, zumal da noch allerlei auf den ersten Blick schwer zu durchschauende Neben- und Zusatzkosten auftauchen können, die kreative Shopmitarbeiter "dazu schalten" wollen.
Als einziger Anbieter hat Vodafone eine aus allen Netzen kostenlos erreichbar Hotline für Vertragskunden im Programm. Ein Armutszeugnis für alle anderen Mitbewerber!
Man kann das aber noch toppen: Eine weltweit kostenlos erreichbare Hotline für Prepaidkunden bietet übrigens die Schweizer Swisscom. Das nur mal so am Rande.
Wie wäre es mit E-Plus? Für die "grünen Vögel" (E-Plus startete 1994 mit einem symphatischen Vögelchen als Werbeträger) spricht, daß sie als erster Anbieter die verkrustete Hochpreisstruktur aufgebrochen haben.
Dabei wurden viele Pluspunkte geopfert, wie die hauseigene hochmotivierte und gut geschulte Hotline, die als Auslagerungsbetrieb nicht mehr ausschließlich für E-Plus sondern auch für deren Mitbewerber tätig ist und bei Problemen, die eine bestimmte Komplexität überschreiten schnell restlos überfordert ist. Speziell Base-Kunden klagen lautstark im Internet. Auf e-mails an den Kundenservice bekommt man leicht sinnfreie Antworten.
Der E-Plus-Netzbetrieb wurde ausgelagert, weil das Kosten spart und die Wartezeiten auf Problemerkennung und Problemlösung erhöht.
E-Plus Discounter wie Simyo sind fast symphatischer, aber bei einer simplen Tarifumstellung ging der Charme der "Einfachheit" verloren, stellenweise wurde es ziemlich chaotisch, weil keiner mehr wußte, welcher Tarif gerade gilt.
Der E-Plus-Discounter Blau startet eine neue Marke und opfert dafür den kundenbindenden hauseigenen Community-Tarif. Schade - schade.
Bezahlbare Datentarife können im E-Plus-Netz nicht alle Kunden nutzen, weil die Versorgung entweder ganz oder mit leistungsfähigem UMTS (von HSDPA ganz zu schweigen) fehlt. Mitunter geht einfach gar nichts, warum weiß wohl keiner so genau.
Da bliebe noch o2. Die hielten lange den Charme einer kreativen "Premium"- Marke hoch, erfanden so praktische Dinge wie die "Genion-Homezone". Festnetznummern, die auf dem Handy enden können, haben D1 und D2 längst auch. Bei Tarifänderungen, sei es wegen dem Euro oder einer Preiserhöhung bei 0180-Sonder-Rufnummern, hat sich o2 ziemlich ungeschickt angestellt, was die große Kundenmasse nicht so richtig realisiert, aber die wichtigen Meinungsbildner und Entscheider zumindestens verunsichert und die einschlägigen Internet-Foren überfüllt hat.
Hochriskant die regionale Abschaltung des teuren, aber notwendigen D1-Roamings, wodurch - sicherlich ungewollt - nicht mehr weg zu diskutierende Funklöcher entstanden sind. Hoffen wir, daß der laufende o2-Netzausbau es ganz schnell schafft, diese Löcher wirksam zu stopfen.
Gut sind die Genion Inklusiv-Pakete, eine In-Alle-Netze-Flat gibts schon für 68 Euro pro Monat (als Online-Version), sehr gut auch die buchbaren Datenpakete, aber hier fehlt noch unbedingt eine aktuelle Kostenkontrolle, damit man rechtzeitig merkt, wenn man seine Pakete "überzogen" hat.
Ein Discounter wie Fonic kommt zwar symphatisch daher, aber 9,9 oder 10 Cent können heute Alle. Nach unten ist preislich irgendwann auch Schluß (der Tiefstpreisrekord lag zu letzt bei theoretisch möglichen 3,9 Cent mit Haken und Ösen) Die verpflichtende Banklastschrift von Fonic schreckt gewisse Kunden eher ab.
Am Ende der Netzbetreiber-Liste finden wir vistream. Das ist ein virtuelles Netz. Die haben sich hierzulande bei E-Plus eingemietet und versuchen z.B. mit der Hausmarke "Solomo" einen Rundum-Sorglos-Tarif anzubieten. Doch da sind die technischen Sachzwänge vor.
Telefonieren im Ausland wird mit vistream zum echten Glückspiel, Datenübertragung im Inland wollte lange Zeit auch nicht richtig laufen, der Anbieter ist einfach zu weit hinten am Ende einer langen Kette und diese Probleme kann er aus eigener Kraft nicht lösen, denn E-Plus möchte und will sparen.
Vielleicht ein Filmdöschen vom Fotoladen holen. Darin eine T-Mobile Xtra-Click oder Congstar-Prepaid, dazu eine Vodafone CallYa Compact oder Bild-Mobil, weiter eine Simyo (E-Plus) und noch eine SIM-Karte von Fonic (o2). Damit sind dann alle 4 realen Netze abgedeckt, und man kann der Zukunft gelassen ins Auge sehen.
Sie werden auf Dauer nur zwei oder drei Karten brauchen, weil sich schnell abzeichnet, welches Netz in Ihrer Gegend am "besten" funktioniert und wo - bei welchem Netz - Ihre
Freunde, Kollegen und die Familie zu finden sind.
Frohes Fest und Gute Verbindungen!

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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