18.01.08
Permalink 15:36:18, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 906 Wörter   German (DE)

Nokia und die irrationale deutsche Streitkultur

Deutschland im Frühjahr: Minister geben ihre Nokia-Handys zurück - eine Landesregierung will von Nokia die Subventionen zurück, aber ein tragfähiges Konzept für neue Arbeitsplätze für die vielelicht bald ehemaligen Nokia-Mitarbeiter wird nicht sichbar.

[Mehr:]

Als letzter Handy-Hersteller gibt der finnische Weltkonzern Nokia bekannt, sein traditionsreiches Werk im deutschen Bochum zu schließen, Dafür können sich Menschen in Rumänien über neue Jobs freuen, die sonst vor Jahren noch zu uns ausgewandert wären.
Beschlossen wurde das bereits im Dezember, noch vor Weihnachten. Mitgeteilt erst im Januar - nach Weihnachten. Man stelle sich vor, es wäre noch im alten Jahr duchgesickert.

Verständlich: Die Mitarbeiter sind geschockt, wütend und traurig, schließlich war es "ihr" Werk und sie hängen mit Herzblut dran, wie die Leute bei vielen anderen Traditionsunternehmen auch, die nach jahrelangem gutem Arbeiten schließen mußten.

Regierungschefs treten vor die Kamera und schimpfen - mit wohl gesetzten Worten auf unser weltweites Wirtschaftsystem, das nicht nur Sonnen- sondern auch Schattenseiten hat. Alternativen hatten wir schon, die endeten um 1990 und waren auch nicht erfolgreicher, ganz im Gegenteil.

Bei aller Enttäuschung muß man sich aber fragen: Haben Ministerpräsident Dr. jur. Jürgen Rüttgers oder der Diplom-Volkswirt und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wirklich "starke" Argumente in Form von neuen Subventionen und Strukturhilfen, welche die Arbeitsplätze in Bochum dauerhaft retten könnten, dann sollten sie das schleunigst mit Nokia verhandeln, in aller Ruhe, hinter verschlossenen Sauna-Türen in Helsinki und erst wieder melden, wenn die Sache unterschriftsreif ist.

Die weltweite Wirtschaft funktioniert, wenn Unternehmen etwas "unternehmen" können und auch die Möglichkeit haben, Unternehmen wieder zu schließen, weil Produktionen zu teuer sind oder zu teuer erscheinen oder die produzierten Produkte nicht mehr gefragt sind.

Wenn man das Schließen von Unternehmen gesetzlich verbieten will, kann man sicher sein, daß sich künftig kaum noch ein Unternehmen traut, eine neue Firma aufzumachen. Viele "Unternehmer" stellen keine Leute mehr ein, weil sie die im "Ernstfall" nicht mehr entlassen können. Der Staat kann fördernd eingreifen und er muß ein Sicherungsnetz aufspannen, damit die Menschen nicht in ein bodenloses Loch fallen, dafür zahlen Mitarbeiter und Unternehmen Steuern.

Solange aber die Konsumenten wie die Lemminge nur nach Schnäppchen jagen, alles nur noch billig-billig-billig haben müssen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Lieferanten nun mal dort produzieren, wo es noch viel billiger ist, als bei uns.

Wer jetzt überlegt, sein Nokia Handy wegzuwerfen, um zu einem "politisch korrekten Handy" zu wechseln, sollte nochmal nachdenken, denn...

- BenQ-Siemens? Die Siemens-Handysparte ist pleite, weil man viel zu lange die Warnzeichen der Kunden im Internet übersehen und an den Lädentheken überhört hat. Wie Siemens und BenQ das am Ende "hin"bekommen haben, war alles andere als schön. Etwa die Hälfte der ehemaligen mobilen Siemensianer haben heute wieder einen Job, der Rest sucht noch. Die Qualität der BenQ-Produkte ist durchwachsen, in Deutschland nahezu unbedeutend oder unverkäuflich.

- Motorola? Hat sein hochmodernes Werk in Flensburg geschlossen. 700 Arbeitsplätze sind weg. Auch hier hat ein Hersteller wichtige Trends verschlafen. Bedienbarkeit eines Motorola-Handys? Seit Jahren ein Drama.

- Samsung? Hat vor einiger Zeit ein Bildröhrenwerk in München geschlossen. 200 Arbeitsplätze weg. Samsung Handys werden in Korea hergestellt. Nicht jeder deutsche Kunde mag zigtausend Gongs und Klingeltöne, wenn man das Handy aufklappt oder irgendeine Funktion auswählt.

Ericsson? Hat ein Forschungslabor in Deutschland geschlossen.
Sony-Ericsson Handys kommen teilweise aus dem Elsaß, mal sehen, wie lange noch.
Ericsson-Handys waren legendär, Sony-Ericsson-Handys sind populär, aber wer eine Nokia-Bedienerführung gewöhnt ist, wird sich umschauen.

Irgendein "namenloser" Chinese?

Der baut bestimmt nicht in Deutschland. Gegen bestimmte chinesische Hersteller wird bereits wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen, mangelnder Verträge und vielem mehr "ermittelt". Und wenn das nicht interessiert, dann lesen Sie mal eine Betriebsanleitung. Vielleicht ist die englische Fassung verständlicher als die deutsche.

Was uns jetzt nur hilft, ist ein ruhiges und besonnenes Vorgehen.

Wichtig ist im Moment, daß die Arbeiterinnen in Bochum möglichst schnell eine gesicherte Perspektive bekommen, alles andere ist mehr als unfair und unredlich. Im Nokia Werk wird es nach dem Ende bestimmt eine Beschäftigungsgesellschaft geben. Die stellt dann alle Leute ein, die keinen Anschluß-Job gefunden haben. Die dürfen dann nicht die Füße hochlegen, sondern müssen an die Schulbank gehen, sich weiterzubilden, qualifizieren und informieren. Was können sie schon, was könnten sie lernen? Welche neuen Firmen könnten auf dem Werksgelände oder in der Nähe entstehen? Wer da selbst aktiv wird, hat am Ende die besten Chancen.

Aus der emotionellen Bindung der Mitarbeiter, aus ihren Ideen sollten sich neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln lassen, die Zukunft haben. Sie müssen nur Nokia davon überzeugen.

Bei diesen Verhandlungen wird Nokia mit am Tisch sitzen, denn dem Weltunternehmen kann es nicht egal sein, daß seine deutschen Kunden aus Frust oder mangelndem Einkommen zu anderen Marken und Produkten wechseln.

Ein positives Beispiel:

Die Deutsche Telekom hat heute bekannt gegeben, daß sie trotz Arbeitsplatzabbau und Strukturanpassung 4000 (viertausend) neue Leute einstellen wird. Dazu kommen noch zusätzlich 3.800 Auszibldende. Das ist ein richtiger Weg. Sicher werden nicht alle Nokianer direkt bei der Telekom unterkommen können. Aber es ist ein Zeichen, daß es bereits weitergeht.

Was kann der einzelne Kunde tun? Bewußter einkaufen. Und manches "Schnäppchen" auch mal im Regal liegen lassen.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Salim E. Spohr [Besucher] · http://www.spohr-publishers.com/
Gilt Henning Gajek als der Handy-Experte Deutschlands, so zeigt sein Kommentar zu den Ereignissen um Nokia und der Schließung des Werkes in Bochum einen erstaunlichen Mangel an Urteilskraft. Diese super-coole anhand des Leitfadens dessen verfaßte Beurteilung, was man sich unter Globalisierung so vorzustellen hätte, geht an der Sache völlig vorbei. Es geht hier wesentlich nämlich nicht um ein Prinzip der Abwanderung in Billiglohnländer, sondern um die in diesem konkreten Fall zutagetretende Maßlosigkeit. Bei einem Lohnkostenanteil von unter 5% (in Worten: unter fünf Prozent) verläßt dieser Umzug elementare Grundlagern des Anstandes. Ich jedenfalls habe mich über die Reaktionen der Rückgabe von Nokia Handies gefreut. In diesem Falle haben die Manager dieses Unternehmens bei Wahrnehmung des von Henning Gajek so gepriesenen Prinzips der Globalisiereung in ihrer Gier überzogen. Das ist der Punkt. Den Protest dagegen unter den Titel einer "irrationalen deutschen Streitkultur" zu setzten und so zu diffamieren, wie der Verfasser es tut, ist schlicht gesagt eine Charakterlosigkeit. Dem Mann scheint irgendwas zu fehlen.
Permalink 18.01.08 @ 18:49
Kommentar von: Henning Gajek [Mitglied] · http://blog.xonio.com/gajeks_welt/
Hallo Salim E. Spohr,

bei meinem Kommentar hatte ich die Nokia-Werker im Blick. Ich kenne das Werk und war schon dort. Für Mahnwachen und Handy-Rückgabe-Aktionen können sie sich die Nokia-Werker nämlich ausser der kurzzeitigen Solidarität leider gar nichts kaufen. Oder möchten Sie die zurückgegebenen Handys in Geld umwandeln, damit daraus Fördertöpfe gespeist werden? Da wäre ich dafür.

Inzwischen ist die Sache auf dem richtigen Weg: Die Bundesregierung verhandelt "beinhart" (so Minister Steinbrück) mit Nokia über einen Sozialplan, damit den Mitarbeitern und ihren Familien geholfen wird einen neuen Job zu finden und die Wartezeit überbrücken zu können. Das ist entscheidend.

Ich stimme Ihnen zu: Leider habe ich keine eigene Handy-Firma, dort hätte ich das sicherlich anders gehandhabt.

Streit ja, wenn es den betroffenen Menschen nützt. Streit nein, wenn es nur um irgendwelche Prinzipien geht.





Permalink 18.01.08 @ 19:35
Kommentar von: Stefan [Besucher]
Interessant ist, dass sich fast alle nur auf die Lohnkosten stürzen und alle anderen Begründungen ausblenden. Dabei scheint es auch andere gute Gründe wie z.B. die Nähe zu Zulieferern zu sein, die insgesamt den Ausschlag gegeben haben. Z.B. finden sich solche Aspekte hier:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,529213,00.html

Ausserdem ist die Frage, ob z.B. die gesamten Abgaben in Rumänien auch nur im Entferntesten an das deutsche Niveau herranreichen. Da wage ich doch mal die Vergleichbarkeit zu bezweifeln.

Dass die Lohnkosten so deutlich von Seiten Nokia betont wurden, aber derzeit (das mag in Zukunft anders sein, wie man einer Anmerkung in obigen Artikel entnehmen kann) nur 5% der Kosten ausmachen, war natürlich eine Steilvorlage für die Politiker, die nun von ihren eigenen Arbeitsergebnissen ablenken und im Rampenlicht stehen können.

Was in dem Zusammenhang auch an Kommentaren manchmal rüberkommt ist erschreckend - als wenn nur Deutsche Arbeit verdienen und nur Deutsche pünktlich und zuverlässig sind. Auch andere Menschen suchen gute Arbeit und können pünktlich und zuverlässig arbeiten. Und sie können es für weniger Geld tun, weil die eigenen Lebenshaltungskosten (noch) niedriger sind.
Permalink 19.01.08 @ 09:56
Kommentar von: Michael [Besucher]
Henning muß Partei für Nokia ergreifen weil er sonst kein gesponsertes Nokia Handy für "Testzwecke" mehr bekommt, allenfalls noch einen Dummy. Es geht bei der Werksschließung nicht um ein marodes Geschäftsmodell oder unverkäufliche Produkte. Dieses Werk war pofitabel und wird geschlossen um noch mehr Gewinn abzuschöpfen. Nur um das geht es. Ein boykott heißt nicht sofort alles von Nokia zu verbannen aber die Kaufentscheidung in der Zukunft könnte oder sollte eine andere Handymarke sein. Objektiv betrachtet gibt es mehrere Modelle die dem N95 ebenbütig sind zum Teil sogar Überlegen. Der XDA Orbit 2 hat ein internes GPS mit TomTom Navi das sofort funktioniert und nicht erst nach 15 Minuten. Bessere Office Funktionen, längere Ausdauer und ein blitzschnelles W-Lan. Alles zu einem günstigeren Preis wie Nokia. Nokia wird nur von der gekauften Fachpresse immer in den Himmel gehoben. Es gibt genügend ebenbürtige und bessere alternativen zu Nokia. Ein Unternehmen das aus eigenen Willen nicht mehr sozial in der Bevölkerung verwurzelt ist sollte diesen Umstand von der Bevölkerung auch zu spüren bekommen - ohne wenn und aber.
Permalink 19.01.08 @ 11:33
Kommentar von: Alex [Besucher] · http://omegatronic.talkplus.de
Es tut mir wirklich leid für die Nokia mitarbeiter. Aber im Ernst: das kann jeden in Deutschland passieren (ausser Beamte), entweder man bekennt sich zu einer Marktwirtschaft und akzeptiert, dass Firmen schliessen können, oder hält man weiterhin an die Illusion einer lebenslangen Beschäftigungsgarantie. Wichtig wäre, dass wir einen flexiblen Arbeitsmarkt hätten, wo man schnell wieder einen vergleichbaren Arbeitsplatz wieder finden kann.
Permalink 19.01.08 @ 14:40
Kommentar von: Roman [Besucher]
Interessant ist, wie schnell man in Deutschland wieder im Klassenkampf landet.

Die Deutschen wollen einen Vollkaskostaat. Er soll sich quasi um alles kümmern, von der Sozialvorsorge bis hin zum garantierten Arbeitsplatz. Das kann der Staat nicht. Alle Versuche, so etwas zu konstruieren, sind bisher gescheitert und - da bin ich mir absolut sicher - werden auch scheitern.

Auch muss man sich klar machen, wer hier eigentlich diskutiert. Nokia ist eine Aktiengesellschaft und die Aktionäre wollen Renditen sehen. Sonst nichts. Was man dabei immer bedenken muss: legen die Menschen bei den Banken ihr Geld an, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto, dann wollen Sie ebenfalls hohe Zinsen - also eine hohe Rendite. Letztendlich gehört man dann auch zu denjenigen, die Nokia nun von Bochum in das Nokiavillage treiben.

Es stellt sich also die Frage, wie man das verhindern kann. Die Lösung ist nicht, die Renditen zu verbieten. Dann würde man den Grundgedanken der Arbeit verbieten: etwas zu erschaffen, was mehr wert ist als es die Rohstoffe waren.

Die Lösung liegt eher dort, eine Unternehmerkultur wieder zu fördern. Man kann in Deutschland sicherlich gute und auch verkaufbare Handys bauen. Das dies nicht die 10 Euro Prepaidpack Geräte sind, dürfte klar sein. So etwas geht nur in China und Co. Nicht umsonst versuchten viele Hersteller, teurere Geräte zu verkaufen. Da macht Siemens Xelibri Versuch urplötzlich wieder Sinn...

Ein Unternehmer hat den Vorteil, das er keine Aktionäre hinter sich hat. Es sind höchstens die Banken und sein eigener Anspruch, der ihn treibt. Die Banken wollen einen Zins haben und er selber möchte wahrscheinlich irgendwann mal ein Haus haben oder etwas ähnliches. Daneben ist es auch der Selbsterhaltungstrieb: geht BenQ pleite, dann kostet es den Manager einen Arbeitsvertrag - geht der eigene Betrieb pleite, dann kostet es den Unternehmer sein Lebenswerk. Auch denke ich kaum, dass er eine gewinnbringende Firma schließen würde, aber genau das machen die Nokiamanager.

Das Schlimme ist nur: im Volkaskostaat Deutschland gibt es das nicht. Es dürfte diverse Probleme geben, vielleicht sind zwei davon besonders relevant. Einmal ist es die Kreditversorgung. Als Selbstständiger ist es faktisch unmöglich, an gutes, günstiges Geld zu kommen. Die verlangten Sicherheiten sind so hoch, dass sie den Kredit an sich ab adsurdum führen. Dann gibt es das Problem des Staates: gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten, wird der Unternehmer ausgenommen bis nichts mehr da ist. Im worst case ist dann der Unternehmer der Sozialfall und die Mitarbeiter werden vom Arbeitsamt versorgt. Auch soll er garantieren, dass er die Leute beschäftigen kann - bedingt durch den Kündigungsschutz. Dieser erhöht die zu erbringenden Sicherheiten immens, denn mit jeder Einstellung muss er garantieren, den Lohn bis zum Arbeitsende bezahlen zu können. Das KANN aber niemand - und damit sind wir wieder am Anfang.

Sicherlich: ein gelockerter Kündigungsschutz hätte das Werk in Bochum nicht gerettet. Aber viele könnten Arbeit schaffen und auch technisch hochwertige Gegenstände anfertigen. Jedoch gibt es kaum ein Land, welches es so sehr unattraktiv macht, etwas zu erreichen. Die Politiker machen ein großes Getöse darum, ihre Nokia Handys abzuschaffen. Viel besser wäre es, sie würden mit gleicher Energie für neue Investoren werben.

Ich habe einen sehr großen Respekt vor denjenigen, die es riskiert haben und in die Selbstständigkeit gestartet sind. Aber die dürfen sich freuen, wenn sie dann als Kapitalisten an die Wand gestellt werden. Neid ist eben etwas, was man sich hart erarbeiten muss.
Permalink 19.01.08 @ 18:18
Kommentar von: Werner [Besucher]
@Henning,
Nokia will das Bochumer Werk schließen und zwar "aus Profitgier, um nicht nur schwarze, sondern noch schwärzere Zahlen zu schreiben".
Permalink 20.01.08 @ 10:30
Kommentar von: Werner [Besucher]
Während die ersten der 500 Leiharbeiter von Randstad, die bei Nokia arbeiten, bereits ihre Kündigung in der Tasche haben, rufen Politiker, allen voran SPD-Chef Kurt Beck und CSU-Vize Horst Seehofer dazu auf, keine Handys von Nokia mehr zu kaufen. Medienwirksam gaben sie ihre Nokia-Handys zurück. Auch verschiedene DGB-Funktionäre und Verbraucherschutzorganisationen setzen auf einen Käuferboykott, um Nokia in die Knie zu zwingen. Das ist jedoch ein Holzweg.

In der "Financial Times Deutschland" wird treffend kommentiert: "Boykottaufrufe sind immer für Unternehmen unangenehm: Sie kratzen vor allem am Image. Doch auch in der Vergangenheit konnten Käuferstreiks Werksschließungen in Deutschland nicht verhindern." Ein "angekratztes Image" nimmt Nokia durch seinen Schließungsbeschluss für das Bochumer Werk ohnehin in Kauf, um sein Ziel der Erhöhung der Kapitalrendite auf dem Rücken der Beschäftigten und der Eroberung beherrschender Weltmarktanteile zu erreichen.
Permalink 20.01.08 @ 10:43
Kommentar von: Helga@LG [Besucher] · http://www.lgblog.de
Die Aktion gibt evtl. Anlass über die staatliche Subventionspolitik insgesamt nachzudenken. Ich denke, es hat keinen Sinn, dass der Staat Subventionen zahlt, um Unternehmen anzulocken. Sollten sich Investitionen nur dann rechnen, wenn mit Geld der Steuerzahler nachgeholfen wird, dann ist das immer ein Risiko" - da gebe ich dem EU-Industriekommissar Verheugen Recht.

Als Alternativhandy kann ich da das LG Viewty empfehlen, sehr schönes Gadget mit toller 5 MP Kamera und Touchscreen - aus Korea.
Permalink 20.01.08 @ 17:07
Kommentar von: Dennis [Besucher]
Nokia handelt wie jedes globale Unternehmen, da wird sich in Zukunft wenig ändern, auch der Aufruf zum Boykott von Nokia-Produkten ist nur ein querschläger übereifriger Politiker, die um die Gunst der potentiellen Wähler kämpfen, wie es schon beim Thema "Jugendkriminalität" der Fall war.
Doch wenn das öffentliche Interesse an dem Thema gesättigt ist, wird kein Politiker mehr medienwirksam sein Handy zurückgeben. Ich schließe mich deshalb einigen Vorrednern an und bin der Auffassung, dass man sich lieber um die soziale Sicherheit der Arbeiter gedanken machen müsste, anstatt reichlich sinnlos in die Fernsehkameras zu schwadronieren.
Permalink 20.01.08 @ 21:33
Kommentar von: Sven Scheich [Besucher]
Henning: Was kann der einzelne Kunde tun? Bewußter einkaufen. Und manches "Schnäppchen" auch mal im Regal liegen lassen.

Genau! Lasst den Einzelhandel auf seinen Problemfällen und Abverkaufsaktionen sitzen - das sichert Arbeitsplätze in Deutschland und nicht vergessen: Täglich einen Solidaritätsanruf mit der Callya bzw. Xtra-Karte im Fremdnetz. Das verhindert, daß einen arbeitslose, ausgemergelte Ex-Hotline-Sklaven in der Fußgängerzone um ein warmes Essen anpumpen.

Oh! Oh! Oh!

Nokia gehts drum woanders mehr Kohle zu verdienen. Die Arbeitsplätze wären schon vor Jahren weg gewesen, wenn nicht Väterchen Staat Nokia bestochen hätte zu bleiben. Die "Unternehmenskultur" ist seit Jahren einem reinen Heuschreckenideologie gewichen. Aus "Humankapital" wurde ein "Kostenfaktor". Interessiert aber kaum jemand. Bis auf ein paar Pflichtverantaltungen wie "Handy austauschen" und ein paar Tage Camping vor dem Werkstor juckt es kaum einen Menschen. Solange Dschungelcamp läuft, die "Bild" nicht ausverkauft ist und Mc Donalds offen hat, ist doch alles OK. Unsere Existenzgrundlage wird täglich genauso beschnitten wie unsere persönliche Freiheit und die Menschen, für die das angeblich gemacht wird juckts nicht. Der Betroffenene ist ebenso uninteressiert, wie der unitegrationswillige Nachwuchstaliban. Kann also alles gar nicht so schlimm sein.

Das bei den vielen Neueinstellungen der Telekom qualifizierte Leute durch Zeitarbeiter, Praktis, Azubis, Studenten und Billigtagelöhner ersetzt werden findet sogar Henning vorbildlich, siehe oben. Die Methode hat zwar schon die Journalismusbranche annähernd zerstört (Hört mal Radio....) aber was solls. Wir hams doch!!!

Hat den Mitarbeitern eigentlich schon einer gesagt, daß die meisten kaum Chancen werden auch nur annähernd einen gleichwertigen Job zu finden und das viele, sehr viele davon nie wieder überhaupt einen Vollzeitjob bekommen werden. Nicht? Ist aber so! Sollte ihnen mal jemand sagen. Aber erst nach der Wahl. Nicht, daß das dumme Stimmvieh am Sonntag noch Mist baut.
Permalink 21.01.08 @ 10:28
Kommentar von: Christian [Besucher]
Naja was mich an den meisten Kommentaren stört, woher habt ihr euer Wissen? Fakten/Zahlen/etc.? Woher wisst ihr das Nokia nach Ende des Subventionsvertrags bestochen wurde hierzubleiben?
Sie haben einen Vertrag erfüllt, länger als vorgesehen. Dieser Subvensions-Vertrag ist auf den "Mist" der Politik gewachsen, jeder und ich bin mir sicher wirklich absolut jeder normaldenke Mensch hätte genau diese Subventionen ebenfalls in Anspruch genommen, wenn man sie schon "aufgezwängt" bekommt.

Nokia Gelder erhalten, richtig, es waren Steuergeld.. richtig! Nokia hat ein Werk damit "finanziert", richtig! ABER sie haben auch - vergesst ihr das alle? - X-tausend Menschen einen Job über Jahre gegeben, und es soll mal einer sagen die Leute dort hätten nur Hungerlöhne erhalten?!

Wo ist euer berechtigter Vorwurf? Die Löhne wurden jahrelang gezahlt und werden es auch noch eine Weile über die kommende Auffanggesellschaft - wieso nennt man Nokia jetzt eine Subventionsheuschrecke?? Wäre es so, hätte man das Geld kassiert, den Laden zerlegt und wieder verkauft.. so läuft das doch normalerweise!

Ich finds auch nicht gut das Nokia das Werk schließt, keine Frage.
ABER wer hat vor Jahren gejammert das die Firma in der ich arbeitete 133Leute auf die Straße gesetzt hat - und zwar von jetzt auf sofort!? Wer hat mir die letzten 3 Monate Lohn gezahlt die noch ausstanden? Wo war die Auffanggesellschaft die dafür sorgt das ich mit weiterbilden konnte und dabei auch noch meine Miete zahlen kann?

Na- dämmerts? Nicht immer nur jammern, sondern auch sehen das hier nicht radikal Existenzen vernichtet werden wie es andere Firmen tun, wo dann "einfach" Insolvenz angemeldet wird und die "dummen" Mitarbeiter mit nichts(!) da stehen.

Viele die hier Kommentare schreiben, haben sicherlich ein Handy.
Und garantiert haben fast alle darauf geachtet das es möglichst nichts gekostet hat - oder eben sowenig wie möglich?!

Jetzt erklärt mir mal einer wie das gehn soll auf Dauer? Hightech-Handy mit 5Megapixel, GPS, UMTS usw. für umme? nada? nix? null?
Wer zahlt die Kosten für das Gerät? Achso der Provider, na klar, hab ja den Vertrag(oder den 2.,3. Zusatzvertrag zur Finanzierung) aber der darf auch nix kosten! Keine Grundgebühr,die Gespräche am besten kostenlos sein und am Monatsende noch was aufs eigene Konto noch ne Gutschrift. Der Support muss persönlich vorbeikommen bei Problemen und einem die Hand halten wenns Handy nicht geht.

Nicht immer nur alles von der einen Seite sehn, die meisten Dinge dieser Welt haben 2 Seiten.

Permalink 21.01.08 @ 13:14
Kommentar von: Henning Gajek [Mitglied] · http://blog.xonio.com/gajeks_welt/
Hallo,

das Thema legt Emotionen frei.

Stichwort Telekom:

Die Politik (und die meisten hier) wollten Wettbewerb, in der Hoffnung auf günstigere Preise. Also mußte die Deutsche Telekom Federn lassen, Kosten sparen, Personal abbauen. Ist das Personal 1:1 zu den privaten Anbietern übernommen worden? Nein, ist es leider nicht. Stattdessen wurde eine Geiz-ist-Geil Welle entfacht, die Leute wollen es noch viel billiger. Wenn dann der Telekom-Techniker nicht kommt, um von Klappertel zu Klimbim-Tel umzuklemmen, ist das Geschrei reisengroß.

Was wir brauchen sind kreaitive Ideen und Leute, welche diese umsetzen (können), damit in Bochum und anderswo neue und mehr Jobs entstehen.

Alternativen zu Nokia:

Ich habe hier noch ein Siemens S35 und bis vor kurzem ein ME 45. Das waren Telefone mit Charakter, danach kam... nichts erwähnenswertes mehr.

Ich habe hier auch ein LG Viewty. Ich komme mit dem Gerät einfach nicht klar. Wenn ich einen Touchscreen will, nehme ich ein Original Apple iPhone, das ist bislang unerreicht. Aber das wird irgendwo im tiefsten China zu Lohnkosten gefertigt, das reicht in Deutschland kaum für eine Tasse Kaffee.

Ich hatte schon Motorola, die mit der "einfachen" Bedienung.
Sicher seit dem International 1000 hat sich einiges getan, mein Fall ist es dennoch nicht.

Ich habe hier ein Philips PR810 (im Innern arbeitet ein Nokia 1011) Das funktioniert heute noch! Im Auto arbeitet ein Nokia 2110i das ist über 10 Jahre alt, aber es funktioniert. Ich habe zwei Nokia 6310i, made in Bochum! Traumhafte Telefone. Müßte ich nicht immer das Allerneuste Modell im Einsatz haben? :-) (Hab ich auch :-)

Nokia Chef Kallasvuo redet im Moment mit der Delegation aus Bochum und das ist gut so. Ich wünsche mir (und ihr Ihr hier doch auch, oder?), daß ihnen in Helsinki etwas Gutes einfällt. Etwas, was die Rendite-Kostenrechner und die Mitarbeiter überzeugt und eine Perspektive bietet. Wenn jemand hier eine gute Idee hat, her damit, ich leite es gerne weiter.

Die Idee von Swen Scheich mit der Uralt-CallYa zu 86 Cent/Minute einmal pro Tag im Festnetz anzurufen hat was für sich :-) Es zeigt aber genau, wo es liegt. Es gibt Kunden, die haben früher kaum für 86 Cent pro Minute telefoniert und tun es heute kaum für 10 Cent.
Davon kann aber keiner leben.

Lange Zeit war es viel zu teuer, früher gings gleichmäßig nach unten, seit dem Euro blieb es stehen oder ging nach oben und dann sind die Preise implodiert. Was fehlt, wäre ein sanfter Pfad, der Wenignutzer nicht auspländert und Mehrnutzer vor Kostenrisiken bewahrt. Das ist aber alles zu hartherzig.

Was hat der Konsument denn gelernt?
Ich will eine Flatrate für aller allerhöchstens 50 Euro in alle Netzen inkl. Daten und das Edelhandy dazu für 1 Euro.

Zum HTC Orbit: Schönes Telefon, wenn man Microsoft Mobile Windows mag. Gebaut wirds in Taiwan. Sichert das deutsche Arbeitsplätze? Wohl eher weniger (außer im Vertrieb und Verkauf)

Nochmal die ernst gemeinte Frage: Welche reelle Möglichkeit gibt es, die Arbeitsplätze in Bochum (und sonstwo) dauerhaft zu sichern?

Ideen willkommen!

Permalink 22.01.08 @ 10:06
Kommentar von: Marko Fischer [Besucher] · http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-aktien/nokia.asp
Also es tut mir schon wirklich leid für die Nokia Mitarbeiter. Aber im Ernst: das kann jeden in Deutschland passieren außer natürlich Beamten, entweder man bekennt sich zu einer Marktwirtschaft und akzeptiert, dass Firmen schliessen können, oder hält man weiterhin an die Illusion einer lebenslangen Beschäftigungsgarantie. Wichtig wäre, dass wir einen flexiblen Arbeitsmarkt hätten, wo man schnell wieder einen vergleichbaren Arbeitsplatz wieder finden kann.
Permalink 17.03.08 @ 13:30
Kommentar von: Dirk Auerbach [Besucher] · http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-aktien/nokia.asp
Mehr dazu gibt es auch unter http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-aktien/motorola.asp
Permalink 08.04.08 @ 14:25

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Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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