Vielleicht haben Sie gelesen, daß die holländische KPN den deutschen Mobilfunk-Großhändler SMS-Michel gekauft hat. Die Sache hat vielleicht mehr Bedeutung, als Sie auf den ersten Blick vermuten könnten.
Die holländische Telekom-Gesellschaf KPN hat die SMS Michel Communication GmbH aus Maintal bei Frankfurt für die deutsche Tochter E-Plus Mobilfunk GmbH & Co KG gekauft.
SMS-Michel betreibt unzählige Handy-Läden, meistens auf den Haupteinkaufsstraßen der wichtigen Städte, erkennbar oft an einem Nokia-Logo und den geschwungenen Streifen. Dort bekommen Sie nicht nur Nokia-Telefone, sondern auch andere Marken und Sie bekommen Verträge bei T-Mobile, Vodafone, o2 oder E-Plus.
Die holländische KPN ist die Mutter der deutschen E-Plus und hat das Unternehmen für ihre Tochter eingekauft. Die Tochter hätte das selbst nicht "dürfen", weil sie dann auf einmal Kunden an die "Konkurrenz" vermittelt hätte, etwa an T-Mobile, Vodafone oder o2 und das kommt irgendwie nicht so gut an.
Was bringt dieser Deal? E-Plus möchte mehr Ladenstandorte haben und noch präsenter im MArkt werden. Die Idee ist, daß der Kunde sich dann vielleicht das nächste Mal für E-Plus entscheidet, weil er in den passenden Laden findet oder die Verkäuferin so freundlich lächelt oder der Laden so schick dekoriert ist oder vielleicht auch, weil der angebotene Tarif "stimmt" ?
KPN betont sogleich, daß Mobilfunk-Distributor und -Retailer SMS Michel weiterhin eigenständig arbeiten soll. Sprich Unternehmensstrukturen und Management bleiben erhalten. Bestehende Partnerschaften von SMS Michel mit Netzbetreibern und Endgeräteherstellern blieben ebenfalls von der Übernahme unberührt und sollen weiter intensiviert werden. Man werde also (vorerst) auch Verträge mit anderen Netzbetreiben verkaufen.
Mittelfristig wird aber klar was E-Plus bzw. KPN da genau vor haben: Die Hälfte der bisherigen rund 200 Standorte sollen als E-Plus Shops oder Partnershops genutzt werden. Die verleibenden Filialen werden nach wie vor unter dem Namen "SMS - Smart Mobile Services" eine breite Auswahl von Geräten und Dienstleistungen rund um den Mobilfunk anbieten. SMS Michel verfügt vorwiegend über Filialen in Top-Lagen. Dies passt zum Anspruch der E-Plus Gruppe, "immer dort präsent zu sein, wo sich der Kunde vorzugsweise aufhält."
Klaus Maier, der bisherige Geschäftsführer von SMS Michel, bleibt im Amt. Torsten Michel, bisher geschäftsführender Gesellschafter der SMS Michel Communication GmbH, wird dem Unternehmen nach dem Zusammenschluss beratend zur Seite stehen.
SMS Michel sieht sich selbst als "einer der größten freien Mobilfunkfachhändler in Deutschland". Verkauft wird über eigene Shops und über Distributoren und Handelspartner. Die Zahl der Shops wurden von etwa 40 auf bundesweit rund 200 Standorte gesteigert, 600.000 Karten wurden geschaltet, obwohl der Markt als "gesättigt" gilt.
Man braucht kein Prophet sein, daß am Ende dieser Aktion nur noch E-Plus Shops übrig bleiben werden, denn KPN hat sicherlich wenig bis gar kein Interesse daran, die übermächtige Konkurrenz in deutschland dauerhaft zu stärken. 85% der deutschen Mobilfunk-Kunden sind nicht bei E-Plus und davon möchten die "Grünen" einen dicken Anteil haben. Wie man das mit "Emotionen" machen könnte, berichte ich in einem der nächsten Blogs.
Die Konkurrenz schläft nicht, der Wettbewerb auf den Einkaufsstraßen wird härter, der Kunde kann es sich raussuchen, sofern er noch eine Karte samt Vertrag haben will. Was aber, wenn er einfach nur ein neues Handy haben will? Da waren die Preise von SMS-Michel schon bisher wenig überzeugend. Mit E-Plus im Hintergrund wird sich das kaum ändern.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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