Eine Grippewelle geht über das Land. Ich bin auch davon betroffen. Früher reichte es, sich ein paar Tage gründlich auszuschlafen. Heute sind richtig dicke Hämmer, sogenannte Antibiotika notwendig. Drücken Sie mir die Daumen, daß der Grippe-Spuk für mich bald vorbei ist.
Eine Briefwelle schwappt über das Land. Absender ist o2. Die schreiben ihre ältesten und treuesten Kunden an, die noch bei der Firma VIAG Interkom einen Vertrag unterschrieben haben. o2 möchte seine Tariflandschaft aufräumen.
Beim Aufräumen seiner Uralt-Kunden hat o2 noch einige hartnäckige Kunden entdeckt, die in uralten scheinbar längst vergessenen Tarifen verharren. Diese Tarife sind in einigen Punkten richtig teuer. 50 Cent/Minute zur teuren Zeit ins Festnetz und in fremde Netze, sind nicht mehr zeitgemäß. Aber diese Tarife haben Details, die man heute vergebens sucht: Eine 10 Sekunden genaue Taktung. Und sie haben die "Cityzone". Für ein bestimmtes Telefonierverhalten sind diese Tarife
selbst heute noch günstiger, als die aktuellen Tarife, wo es günstigstenfalls nur 60/1 Sekunden-Taktung und nichts besseres gibt.
Und diese alten Tarife erlauben es insbesondere, ankommende Anrufe kostenfrei, zu anderen o2-Anschlüssen weiterzuleiten. Grundvoraussetzung für die "bundesweite Homezone", die Möglichkeit, bundesweit unter der o2-Genion-Festnetzrufnummer ohne gesonderte Kosten erreichbar zu sein.
Ortsfeste Rufnummern, die zu Leuten führen, die wo ganz anders zu Gange sind, sind der Bundesnetzagentur schon länger "unheimlich". o2 verdient an diesen Kunden auf den ersten Blick wenig. Würden die für 19 Cent "weiterleiten", wäre das interessanter, doch solche Kunden sind kostenbewußt und tun das nicht oder hatten bisher einen Genion-Profi-Tarif, wo das offizielle Weiterleiten schon für 6 Cent angeboten wurde.
Einen Verbleib in den alten Tarifen bietet o2 nicht an. Da hilft auch kein Antibiotikum.
Ein Blick in die einschlägigen Foren zeigt, die Zahl der gefundenen Kunden ist überschaubar, aber es sind - mal wieder - Meinungsmultiplikatoren, die ihrem Frust im Internet lautstark Gehör verschaffen. So wird o2 am Ende der Aktion eine Handvoll Kunden weniger haben, die bei scharfem Nachrechnen feststellen, daß diese Verträge nicht mehr benötigen. Manche schöne Genion-Rufnummer wird zu einem andern Anbieter wandern.
Vielleicht braucht die Branche einfach diese Konsolidierung, der statistische Deutsche soll inzwischen über 1,2 SIM-Karten pro Person verfügen, die 100 Millionen-Karten-Grenze könnte in kürze geknackt werden, falls sich die Kunden nicht bis dahin überlegen, welche Nummern, Karten und Verträge sie wirklich noch brauchen.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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