Debitel crasht den Crash

29.02.08
Permalink 10:38:27, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 633 Wörter   German (DE)

Als Debitel vor einiger Zeit die Tarife "crashen" ließ, rieben sich viele Handynutzer die Augen. 5 Cent pro Minute zu allen Zeiten in alle Netze bei nur 2,95 Euro Grundgebühr? Da muß doch ein Haken sein. War es eigentlich nicht. Bis gestern (den 28.2.)

[Mehr:]

Seit dem 28.2. rollt eine e-mail Lawine auf die glücklichen Crash-5 Kunden zu, daß ihr Vertrag jetzt ablaufe. Wer wolle, könne ja in einen "Vario" Tarif (zu lockeren 39 Cent/pro Minute) oder zur von Talkline "geerbten" Discount-Tochter Callmobile (13 Cent/Minute) wechseln. Daß dabei die Debitel-Homepage genau in diesem Moment "wegen Wartungsarbeiten" nicht erreichbar war, eine unglückliche Verkettung des Schicksals. (Inzwischen ist sie wieder online.)

Der Zorn über die Kündigung durch den Anbieter machte sich schnell in einschlägigen Foren Luft. Bei Licht betrachtet, hatten viele Leute mehrere Verträge und nutzten den Crash-Tarif eher zurückhaltend. Teilweise nur, um die teuren Fremdnetz-Gespräche abzudecken, das "eigene" Netz wurde mit Flatrates von Max, Superflat oder Base bzw. einem Genion "erschlagen".

5 Cent pro Minute sind verdammt hart kalkuliert. Der Interconnect-Preis (zu "fremden" Netzen) beträgt nämlich knapp 10 Cent(inkl. Steuern) und könnte nur durch viele Anrufe ins eigene Netz oder ins Festnetz (am besten noch ins Ausland) "kompensiert" werden, aber viele Fans haben durch ihren "Geiz" diese Kalkulation wohl gewaltig durchkreuzt.

Dennoch, der Crash war eigentlich der richtige Tarif, weil er die Bremse aus den Köpfen herauszusprengen begann, die Leute haben einfach telefoniert, egal wann und wohin.

Die ängstlichen Kostenrechner bei Debitel scheinen die Oberhand gewonnen zu haben. Anstatt zum revolutionären Sprachpreis noch vernünftige Datentarife dazu anzubieten und somit sanft und behutsam die Kundenzufriedenheit und Umsätze der verschreckten Kunden zu steigern, anstatt Rufnummernimport oder Rufnummerntausch zu erlauben, was neue Kunden und weitere Umsätze mitgebracht hätte, hat man sich entscheiden, das zarte Pflänzchen nachhaltiger Kundenzufriedenheit lieber wieder auszutreten.

Selbst ein Wechsel zu den aktuellen Crash-Tarifen, die bei Wirklich-Telefonierern mit 4,95 Euro Grundgebühr auch nicht viel teurer gewesen wären, wurde nicht angeboten, auch auf Nachfrage nicht. Wer heute bei www.crash-tarife.de vorbeischaut, bekommt überwiegend noch 9 Cent-Tarife und kaum noch im attraktiven D1-Netz.

Vielleicht konnte sich der Crash 5 Tarif auch nur über die nach wie vor horrenden "Neukunden"-Subventionen rechnen, die alles andere als nachhaltig sind und immer noch von Millionen Uralt-Kunden in Uralt-Teuer-Tarifen mitbezahlt werden.

Vielleicht hat sich T-Mobile geweigert, dem Unternehmen Debitel passende Einkaufspreise zu ermöglichen, die dieses an sich gelungene Experiment zum Erfolg hätten führen können. Wir wissen es nicht.

Vielleicht wurden wenige Kunden verschont, die permanent mehr als 20-30 Euro Umsatz im Monat gemacht haben, gut durchmischt, ohne Präferenzen für bestimmte ("teure") Netze. Wir wissen es nicht.

Das Ende vom Lied?

Die gekündigten Kunden sind weg und sie kommen wohl auch nicht mehr wieder.

Diese Kunden werden ihre Kartenbestände eindampfen und verstärkt zu flexiblen, jederzeit "kündbaren" Discount-Prepaid-Produkten wechseln, die man so vorsichtig wie möglich auflädt, damit das Guthaben so lange wie möglich hält.
Wenn man seine Prepaidkarte kündigt, verlangt man das Guthaben sofort zurück, die Zeiten wo Millionen Euros verpufften, weil Guthaben einfach "verloren" gingen, sind längst vorbei, den Verbraucherschützern sei Dank.

Zur CeBIT dürften die großen Netzbetreiber interessante Bündel schnüren, mal schauen, ob da was passendes für die ehemaligen Crash-Kandidaten mit dabei ist.

P.S. Debitel Crash-5 Kunden im D1-Netz können auf Wunsch ihre Rufnummer in eine Xtra-Karte umstellen lassen (muß explizit bei der Hotline beantragt werden.) Damit geht die Nummer nicht verloren und man kann ihn Ruhe überlegen, was man mit der Nummer anfangen will. Eine spätere Portierung ist jederzeit möglich.

P.S.2 Debitel Crash 9, Crash SMS oder "Crash 3/4" (=Callmobile) Kunden sind von der Aktion offenbar nicht betroffen.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Horsti [Besucher]
Eine der Hauptursachen ist die von dir benannte irrwitzige Neukundensubvention. Aber sicher spielte bei Debitel auch das Aufhübschen für den geplanten Börsengang eine Rolle. Nun tritt man den Neukunden vors Knie und wird sich mittel- und langfristig wundern, warum einfach kein Platz mehr ist für Provider wie Debitel. An die Börse will man ja in 2008 nicht mehr, so dass man zu gegebener Zeit neue Aktionen starten kann.

Das für meinen Geschmack innovativste Produkt des Mobilfunkjahres 2008 könnte das schnöde Dual-SIM-Handy werden. Dieses wird der Vollstrecker, besser Scharfrichter jeder Mischkalkulation, da insbesondere Nachrechner gern darauf zurück greifen werden und so jede Kalkulation der Netzbetreiber und Provider aushebeln können.

Schade ist und bleibt nur, dass Lieschen Müller nicht auch mal zum Discounter wechselt, wo sie doch bei Butterrabatten von 50 % durchaus bereit ist 10 km Auto zu fahren. Wäre Lieschen mobilfunktechnisch vergleichsweise flexibel, kämen auch beim Mobilfunk endlich sozialverträgliche Gewinnmargen heraus.
Permalink 29.02.08 @ 14:24
Kommentar von: Werner [Besucher]
Mit 5 Cent pro Minute zu allen Zeiten in alle Netze bei nur 2,95 Euro Grundgebühr kann man kein Geld verdienen. Das war mir immer klar.
Mobilfunktechnik mit einem gut ausgebautem Netz,und Service kostet viel Geld.Es wird Zeit das sich die Mobilfunkunternehmen auf ihre langjährigen Kunden besinnen,bevor sie alle zum Discounter wechseln!

Dann wären aber auch diese Produkte schnell wieder teurer.


Permalink 29.02.08 @ 15:21
Kommentar von: Mariusz [Besucher]
"...kann mein kein Geld verdienen." glaube ich nicht - denn dann hätten die Debitel-Leute das nicht gemacht.

Vermutlich hat T-Mobile so hohe Neukunden-Subventionen gezahlt, dass sich das für Debitel auf jeden Fall gerechnet hat, inkl. des Verlustes der jetzigen Crash-Kunden auch für die Zukunft.

Ich habe mir meine Crash5-Abrechnung mal angeschaut: Über 50 Prozent Gespräche ins eigene D1-Netz, ein paar Gespräche ins Festnetz, Abhören der kostenpflichtigen Mailbox, monatlich um die 30 Euro, er wurde trotzdem gekündigt.
Selbst mit 10c Kosten für die restlichen Gespräche in die anderen Mobilfunk-Netze hat Debitel hier Gewinn gemacht. Und dann natürlich noch die monatlich Grundgebühr sowie Einnahmen über Anrufe bei der kostenpflichtigen Hotline.

Frech ist in meinen Augen, was Debitel als Ersatz anbietet: 39c pro Minute statt 5c,

Also wandern wir Kunden eben zu den Discount-Anbietern, wo dann die Mailbox auch kostenlos ist. Wie finanzieren die das eigentlich?
Preise unter 10c pro Minute,
keine Grundgebühr,
Mailbox kostenlos,
keine Deckelung der maximalen Gesprächsminuten pro Monat.

Und auch in allen Netzen verfügbar.
Permalink 01.03.08 @ 14:32
Kommentar von: wolfgang [Besucher]
die verdienen schon kohle. die kriegen halt nur, wie alle anderen auch, den hals nicht voll!!!
Permalink 02.03.08 @ 21:37
Kommentar von: olli [Besucher]
Debitel sollte wenigstens innerhalb des gewählten Netzes die Möglichkeit einräumen, dass man von Cash5 auf Cash9 umstellen kann. Die werden ja noch massenhaft angeboten. Alles andere ist mehr als unseriös.
Permalink 04.03.08 @ 12:45
Kommentar von: olli [Besucher]
Warum eigentlich nicht? z.B. von cash5 wenigstens auf Cash9? Cash 9 wird ja noch massenhaft unter http://www.crash-tarife.de angeboten, und das im D1, E+ und O2-Netz. Die Kündigung von Debitel mit dem Bezug auf die Wirtschaftlichkeit wird ja durch das Parallelangebot zur Farce und ist nicht ehrlich! Ich denke, da sollte man ansetzen. Ich kann ja auf der Webseite einen solchen Tarif neu buchen, wenn ich will. Bekomme zwar ne neue Rufnummer ... Da kann Debitel doch gleich eine Tarifwechsel von Cash5 in Cash 9 anbieten *kopfschüttel* So spart man wenigstens die Rufnummernportierung und den verbundenen Wechsel zum anderen Anbieter wie simply (8,5 cent) und congstar (9 cent).
Permalink 04.03.08 @ 13:09

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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