In diesen Tagen geht es rund. Neuestes Branchenthema: Freenet will Debitel übernehmen.
Fangen wir mal ganz von vorne an.
Ich habe 1993 bei Dekratel einen Vertrag unterschrieben, den ich 1995 gekündigt habe. Der Service war damals unterirdisch, die Rechnungen stimmten oft nicht, Tarife wurden nach Gutsherrenart geändert, die Kunden erfuhren es immerhin auf der Rechnung. Rufnummerportierung gabs damals noch nicht. Dekratel schloss sich später mit der Unicom zur Dekraphone zusammen, später wurde Dekraphone wieder in Unicom umbenannt und landete über die RWE-Telliance bei Talkline. Talkline wurde dann kürzlich von Debitel übernommen. Jetzt kommt vielleicht die Debitel zu Freenet, die schon Mobilcom haben.
Ich habe 1998 einen Vertrag bei D-Plus abgeschlossen. Die wurden von Mobilcom gekauft und bei Cellway eingegliedert.
Cellway war vorher aus der Fusion der drei Service-Provider Axicon, Proficom und Martin Dawes entstanden. Cellway wurde später auf die Mobilcom verschmolzen. Mobilcom gehört inzwischen zur Freenet AG. Freenet war mal Tochter von Mobilcom, ist jetzt Mutter.
Nun berichtet das Manager-Magazin, daß Freenet die Debitel AG kaufen will, nachdem Freenet sein Festnetz (einst Mobilcom 01019) und sein DSL-Angebot an United-Internet (bekannt unter 1&1, gmx.de, web.de, puretec, Schlund etc.) und/oder Telefonica verkauft hat.
Falls das klappt, kauft sich die Freenet danach die Debitel AG (mit der Shopkette dug oder ohne?)
Am Discount-Provider Blau hat Debitel keine Anteile mehr, die hat schon KPN gekauft.
Nach dem Freenet-Debitel-Deal können die Mobilcom und Debitel ihre Providerkunden "gemeinsam" betreuen. Das spart eine Handvoll Arbeitsplätze im Kundenservice und der IT und verstärkt die Einkaufsmacht gegenüber den vier Netzbetreibern.
Das Grundproblem jedes Service-Providers ist damit noch nicht gelöst: Der Service-Provider verdient nur Geld wenn der Kunde aktiv sprich abgehend telefoniert, sms-t, im Internet surft oder irgendwelche "Mehrwertdienste" (Klingeltöne etc.) kauft.
Vielliecht verwandelt sich Freenet später doch noch in einen virtuellen Netzbetreiber mit eigener Netzvorwahl, der dann auch "incoming" (eingehend) Geld bekommt, das erfordert aber erstmal gewaltige Investitionen, wenn es sauber laufen soll.
Dann hätte Freenet ein neues Problem: Ein virtueller Netzbetreiber braucht ein reales Netz, das die Kunden mit Mobilfunk versorgt. Die Mobilcom hatte schon die Idee, bei allen vier Netzbetreibern Minutenkontingente zu kaufen und je nach Datum, Uhrzeit oder Wetterlage seine Kunden lustig zwischen den Netzen hin und her zu buchen. (Montags 8 Uhr D1 im Sonderangebot. 13 Uhr E-Plus mit dem Happy-Hour Tarif, ab 20 Uhr Moon-Shine-Minuten bei o2?) Ob das technisch funktioniert, oder bestimmte Kunden dann zeitweise mit einem Funkloch vorlieb nehmen müssen? :-)
Debitel hat mit seiner Crash-Kundigung viele Multiplikatoren erschreckt, der Ruf in den einschlägigen Internet-Foren war noch nie sonderlich gut, ähnliches gilt für Mobilcom. Die Mobilcom Tochter Klarmobil hingehen bekommt durchaus gute Noten, wenn sich auch viele einen 10 Cent-Tarif gewünscht hätten. Nach der Megafusion könnte es passieren, daß Callmobile und Klarmobil "näher" aneinander rücken, zwei Discount-Marken in einem Konzern machen auf Dauer wenig Sinn.
Bei Service-Providern herrschte bislang die Meinung vor, man könne nur mit undurchsichtigen Fußnoten und allerlei Zusatzangeboten Geld verdienen. Mal sehen, aus Debimobil DeMobilcomtel noch werden wird.
Die Freenet oder Mobilcom Shopinhaber die meist als Franchiser tätig sind, werden sich freuen, wenn sie ihre Geschäfte schon wieder "umlackieren" dürfen. Oder werden sie an die Shop-Kette "dug" angekoppelt? Fragen über Fragen. Fortsetzung folgt.
Update Mittwoch 21:01
Die Freenet AG hat in einer "ad-hoc"-Mitteilung die Gespräche bestätigt:
freenet in Gesprächen zur Übernahme der debitel-Gruppe
freenet befindet sich in Gesprächen mit Permira über eine Übernahme der debitel-Gruppe. Wenn diese Gespräche zum Erfolg führen, würde freenet die debitel Gruppe, einschließlich ihrer Verbindlichkeiten übernehmen und den debitel-Aktionären hierfür eine Beteiligung von 24,9 % an freenet einräumen. Darüber hinaus wäre ein Barkaufpreis zu entrichten, der ganz oder teilweise über ein Verkäuferdarlehen finanziert würde. Der erfolgreiche Abschluss der Gespräche hängt noch von der Einigung über verschiedene Punkte ab und bedürfte neben der Zustimmung der Gremien der beteiligten Unternehmen und des Bundeskartellamtes einer Einigung mit den finanzierenden Banken der debitel Gruppe.
Soweit die ad-hoc-Mitteilung der Freenet AG.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|---|---|---|---|---|---|---|
| << < | > >> | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | |||||