05.04.08
Permalink 14:06:26, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 605 Wörter   German (DE)

Telefonterror für "Nachbarschaft"-Homepages?

Derzeit rollt wieder eine Spam-Anrufwelle über Deutschland :-( In übelster VoIP-Sprachqualität erzählt Ihnen ein Computer, daß Sie unbedingt eine Homepage im Internet aufrufen sollen, weil da aus der Nachbarschaft eine Nachricht vorläge.

[Mehr:]

Die Computerstimme nennt Ihnen einen Code, den sie sich merken sollen. Also Internet angeworfen, Seite aufgerufen und den Code eingegeben, dann wird nach der eigenen Telefonnummer gefragt,um das zuordnen zu können. Der Code ist natürlich "falsch", aber kein Problem, "geben Sie uns Ihre e-mail-Adresse, wir schicken einen neuen Code zu."

Schwups: Schon hat man seine Adresse samt Geburtsdatum eingegeben und stimmt unauffällig einem Vertrag zu, daß man den Zugang zu einem Nachbarschaftskennenlern-Portal bestellt hat, der in den ersten 14 Tagen kostenlos sein soll (die Kündigung wäre an ein "beuaftragtes Service-Center" in Wetzikon / Schweiz zu schicken), danach werden 9 Euro pro Monat fällig, auf eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten, macht 216 Euro.

Sollte man nicht zahlen und den "Rechnungen" und "Mahnungen" per e-mail nicht entsprechen, wird sich irgendwann ein Anwalt mit seinen Forderungen per Papierpost melden. Auch den kann man ignorieren, spätestens bei der gerichtlichen Mahnung muß man sofort wiedersprechen, sonst muß man zahlen, ob man will oder nicht. Bei Widerspruch müßte der Anbieter vor Gericht gehen, das trauen sich die meisten Anbieter bislang nicht, da ein Urteil gegen sie, das Geschäftsmodell schnell "beschädigen" würde.

Solche Internet-Schummelangebote (Stichwort "Hausaufgabenhilfe") gibt es längst
bergeweise. Juristisch scheint dem nur schwer beizukommen sein, sonst gäbe es diese
Angebote längst nicht mehr.

Nun also Spam-Anrufe. Sie kommen ohne Absenderrufnummer und sie nennen nur eine
Internet-Homepage, die man aufrufen soll. Woher die Anrufe kommen, könnte man vielleicht
mit einer Fangschaltung ermitteln, im Zeitalter von VoIP ist aber zu vermuten, daß die
Urheber sich gut in den unendlichen Weiten des Internets versteckt halten.

Bleibt nur, den Betreiber der beworbenen Webseite zu befragen. Im aktuellen Fall von nachbarschaftspost punkt com scheint das eine Frau Barbara Fischer mit einer Adresse in Dubai zu sein, und die beteiligte Firma ip69 soll laut einschlägigen Newsgroups auch schon öfters aufgefallen sein. Eine Telefonnummer gibt Frau Fischer nicht an - sie weiß sicher warum.

was kann man tun? Die Telekom bietet ein weithin unbekanntes Feature "ACR" (Abweisen unerwünschter Anrufer), das allen Anrufern, die ohne Rufnummer kommen, eine Ansage vorspielt, daß der Angerufene nicht erreichbar ist. Für Inhaber älterer Anschlüsse, für
Radiosender, Zeitungsredaktionen, Ärzte, Pfarrer oder Service-Techniker, die ohne
Rufnummer ankommen ist das natürlich unpraktisch, aber sie müssen damit leben oder
fallweise ihre Nummer übermitteln.

Das ACR-Feature kann nur für alle Nummern eines ISDN-Anschlusses pauschal geschaltet werden und ist vom Kunden nicht veränderbar. Daneben gibt es das aufpreispflichtige Sicherheitspaket Plus, wo man nur bis zu 10 unerwünschte Anrufer "rauswerfen" und eine Sperrliste mit maximal 20 Nummern anlegen kann.

Die beliebte "Fritzbox" kann "anonyme" Anrufer auf einen Anrufbeantworter umleiten, wo eine entsprechende eigene Ansage darauf hinweisen könnte, daß Anrufe ohne übertragene Rufnummer gefiltert werden.

Nun möchte Justizministerin Zypries die nervenden Spam-Anrufer zur Rufnummernübertragung
verpflichten. Steht dann im Gesetz auch glasklar drin, daß diese Rufnummer existieren,
sprich erreichbar sein müssen und der Inhaber sofort eine ladungsfähige Anschrift herausgeben muß?

Sonst werden die Spammer mit gefälschten Rufnummern operieren oder ahnungslose
Dienstleistungsunternehmen vorschieben, um weiter im Stillen ihre dubiosen Geschäfte
machen zu können. Vielleicht ist eine amtliche "Robinsonliste" eine denkbare Idee.

Je mehr Betroffene sich bei der Bundesnetzagentur (e-mail an rufnummernspam (at) bnetza
(punkt) de ) mit konkreten Hinweisen melden, desto eher steigt die Chance, den
schlimmsten Auswüchsen etwas entgegen zu setzen.

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Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Uwe [Mitglied] · http://www.xonio.com
Computern, die anrufen, kann ich ja nicht mal mit dem Anwalt drohen. Da scheint das ACR-Feature eine gute Lösung zu sein - sobald ich allen Bekannten mitgeteilt habe, dass sie ihre Rufnummer nicht unterdrücken dürfen.
Permalink 07.04.08 @ 08:44
Kommentar von: Birgit [Besucher]
Wozu eine Robinsonliste, wenn Cold Calls sowieso illegal sind? Das ist Quark! Ich will mich nirgendwo registrieren müssen, um nicht belästigt zu werden, sondern ich will einfach nicht belästigt werden, Punkt. Wer kein Geschäftsverhältnis zu mir hat, und wem ich nicht ausdrücklich gestattet habe, mich anzurufen, der hat mich nicht anzurufen. Das wäre ja noch schöner, wenn's andersrum wäre.

Ich bin der Meinung, dass das, was der Betreiber von "nachbarschaftspost.com" da treibt, versuchter Betrug ist. Es wird ein Angebot gemacht, von dem der Anbieter von vornherein weiß, dass er es nicht erfüllen kann. Die angebliche Nachricht aus der Nachbarschaft, mit der man geködert wird, existiert nicht. Um das zu beweisen, müsste man sich zunächst registrieren, also einen Vertrag abschließen, und diesen dann per Einschreiben mit Rückschein kündigen, sofern man nicht völlig überlesen hat, dass man gerade einen Vertrag abgeschlossen hat. Eine Strafanzeige gegen eine Briefkastenadresse in Dubai dürfte sich leider als schwierig erweisen.
Permalink 07.04.08 @ 11:32
Kommentar von: Christoph @ LG [Besucher] · http://LGblog.de
Stimme Birgit Grundsätziich zu. Den einen oder anderen Anruf dieser Art kann ich ja gerne verschmerzen, wenn das ganze jedoch solche Ausmasse annimmt wie in England, wo teilweise 25% aller anrufe vom Band kommen, kann das schon echt nerven, besonders wenn das Telefon einen Stock tiefer in der Station liegt....

Gruss

Christoph
Permalink 07.04.08 @ 13:09
Kommentar von: DL0DUMM [Besucher]
Ich warte noch auf das ACR like Swisscom.

Die Schweizer könnes es schon lange, nur
die Deutschen sind - wie so oft - zu blöde dazu
Permalink 07.04.08 @ 16:45

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