"Wenn einer in der Telekommunikation einen Unsinn anfängt, müssen das alle mitmachen." Das sprach vor langer Zeit ein damals leitender Angestellter eines großen deutschen TK-Unternehmens.
Wer zuerst angefangen hat, weiß man nicht genau. Im Mobilfunk war E-Plus mit seiner Zweitmarke "Base" der erste Anbieter mit einer Flatrate.
Flatrate bedeutet, per Definition, einen Pauschal-Preis und dafür kann man den Dienst oder das Angebot nutzen, soviel man will.
Die bekannteste Flatrate ist der monatlichen GEZ-"Beitrag". Wenn Sie monatlich (oder jährlich) an die GEZ bezahlen, können Sie Tag und Nacht Radio hören oder Fernschauen oder das Gerät auch einen Monat aus lassen. Nie käme die GEZ auf die absurde Idee, wegen "zuviel Nutzung" den Stecker zu ziehen.
Wenn Sie eine Flat für das Festnetz oder das Handy abschließen, können Sie inzwischen damit rechnen, bei übermäßiger Nutzung gekündigt zu werden.
Base bietet eine mobile Internet-Flatrate für 25 Euro im Monat. Das Netz ist schon jetzt je nach Tageszeit und Region mehr oder weniger überlastet. Wer die Base-Flat zu stark nutzt, wird neuerdings gekündigt. Nicht nur ein Kunde, auch der Anbieter darf kündigen. Welche Kriterien da gelten, erfährt man nicht.
Arcor bietet eine Flatrate für Gespräche ins Ausland an. Wer Verwandte oder Bekannte im Ausland hat und da locker los telefoniert, wird gekündigt, 50h pro Monat nach Polen sind da schon zuviel.
Telekoms Discount-Tochter Congstar bietet Baukasten-Flatrates an, gestaffelt nach Netzen. Wer das wirklich nutzen will, dem sei vorgerechnet, daß für 14,95 Euro im Monat bei einem Interconnect-Preis von 8 Cent nur 186 Minuten Sprechtzeit "drin" sind. Telefoniert der Kunde mehr, legt der Anbieter drauf. Darauf hat der natürlich keine Lust. Wen wunderts?
Das Schlimme ist nur: Viele Anbieter haben hierzulande keinen Mumm, ihren Kunden vorher klar zu sagen, was geht und was nicht geht.
Debitel hatte bei seinen Crash-Tarifen die Meßlatte auf 3000 Minuten gelegt, wer mehr telefoniert, wird in einen teureren Tarif umgestellt. Vodafone bei seinem Qbowl-Tarif auch. Nun klingen 3000 Minuten nicht so toll wie eine "Flatrate". Nimmmt der Kunde das Angebot aber "ernst", droht ihm die Kündigung.
Monatlich 50 Stunden Telefonie und 900 SMS berichtet ein betroffener Congstar Kunde im Internet. Das bedeutet 100 Minuten und 30 SMS am Tag. Frischverliebte können das durchaus schaffen. Den Verantwortlichen kam das "seltsam" vor, sie haben fristgerecht nach einem Monat gekündigt.
Klar, es gibt "böse Buben", die solche Flatrates zur Realisierung eines Call-by-Call- oder SMS-Gateways verwenden wollen und damit am Ende des Tages Geld verdienen wollen. Daß solches Tun nicht toleriert werden kann, sollte klar sein.
Vielleicht waren die Flatrates doch keine so gute Idee. Im Internet, wo man quasi "immer" online ist, machen sie Sinn. Vor Jahren wurden rechtzeitig Kapazitäten nachgerüstet.
Bei (mobiler) Telefonie und SMS fehlen diese Kapazitäten noch und verleiten (am Anfang) zu hemmungloser Nutzung.
Aus Kundensicht sind Flatrates ideal, weil sie die Kosten kalkulierbar machen.
Aus Netzbetreiber Sicht sorgen für Netzüberlastung, die kostspielige Erweiterungen fehlen noch.
Was tun?
Die Anbieter müssen mehreres tun: Ihre Netze massiv aufrüsten, ihre Tarife entrümpeln, damit sich Tarife nach echtem Verbrauch doch "lohnen" oder die Preise für Flatrates noch weiter runternehmen, daß nicht nur ausgehungerte Power-Telefonierer diese buchen, sondern auch Normal-Telefonierer, die ein "gutes Gefühl" brauchen und mit denen man etwas verdienen kann.
Über Flatrates im Festnetz-Internet redet heute kein Mensch mehr. Da stimmt die Relation, der vielen Durschnittskunden, die einige wenige Power-User locker mitfinanzieren.
Ansonsten wäre Gelassenheit empfohlen: Wer ein neues "Spielzeug" hat, wird anfangs mal wie wild surfen und telefonieren, aber erfahrungsgemäß gibt sich das mit der Zeit.
Den psychologischen Flurschaden, der durch die gekündigten Pionier und Multiplikatorkunden entsteht, hat mal wieder keiner beachtet. Auch das sind Verluste für die Anbieter, die sich erst viel später in Euro und Cent rechnen lassen.
Ein gutes Beispiel bieten T-Mobile und Vodafone : Bei deren Internet-Flatrate gilt eine klare Ansage: Nach 10 GB im Monat wird die Geschwindigkeit gebremst, es kann aber weiter gesurft werden.
Für alle anderen Anbieter: Eine freundliche automatische und kostenfreie SMS, daß man in diesem Monat schon soundsoviel versurft oder verquatscht hat, wäre keine schlechte Idee.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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