"Der Berg kreisste und gebar eine Maus" oder "Ich dachte da wäre mehr drin".
So könnte man die mit Spannung erwarteten neuen Tarife von T-Mobile umschreiben.
Auf der CeBIT hatten wir noch Hoffnung, daß T-Mobile seinen kunterbunten Tarifgemischtwarenladen endlich einfach mal aufräumt.
Klare einfache Tarifmodelle, wo es sowohl für den Selten-Telefonierer als auch den Dauersprecher passende Angebote gibt.
Die Dauersprecher fühlen sich bei der Max-Linie glücklich, Max L in alle Netze, aber das kennen wir ja schon.
Die Dauer SMSer gucken nervös. Gewiss, eine SMS-Flat zu D1 gibt es, wer viel in fremde Netze tippen will, darf weiterhin saftige 19 Cent pro Nachricht bezahlen. Ein SMS-Paket in Fremdnetze muß her und wenn der Deckel bei 3000 SMS drauf gemacht wird, hat keiner was dagegen, denn Profi-SMS-Versender sollen bitteschön auch Profi-Preise zahlen und sich direkt an die Netze anschließen, anstatt brav zahlendenden Kunden die Netze zu verstopfen.
Der "My Faves" Tarif hätte vielleicht was werden können, wenn man gleich das USA-Tarif-Modell 1:1 auf Deutschland übertragen hätte. Im Zeitalter von Discount ist dem Kunden schwer zu vermitteln, warum er für eine satte Grundgebühr von 15 Euro dann 5 Cent/Minute zu 5 Freunden bezahlen soll, die je nach Modell nur im D1 und Festnetz liegen dürfen. Zur Erinnerung: Beim Xtra-Click Angebot gibts die 5 Cent auch: Zu allen D1 Kunden, ohne Grundgebühr!
Die Zeiten, wo man seine Freunde ins gleiche Netz holen konnte, sind längst vorbei, der Markt ist viel zu zersplittert: Die einen bei Aldi, Blau oder Simyo (also bei E-Plus) die andern bei fonic oder Tchibo (also o2) und eine Handvoll bei Schlecker oder Bild-Mobil (also D2) und schließlich noch Congstar, Klarmobil etc. die im Netz von D1 funken. Da ist keine Linie mehr reinzubekommen.
Zweit- und Dritt-Handys sind Auslaufmodelle. Die Leute sind es leid und möchten ein Handy mit einer Karte, die alles ermöglicht, zu fairen Preisen ohne Nebenwirkungen. Wo das nicht geht, kaufen sie sich halt ein Dual-SIM-Handy.
Die "My Faves"-Tarife laufen doch nur, weil sie wie verrückt subventioniert werden. Weg damit. Keine Subventionen mehr! Dafür vernünftige Preise, ein Internet- und ein Telefon (IVR) Portal, wo man die Freunde verwalten kann, statt einer sehr speziellen Spezialsoftware die nur auf einer Handvoll Handys läuft.
Den neuen Relax-Paketen hätte man ruhig ein paar Inklusiv-SMS spendieren dürfen und die Folgeminuten sollten schon im Relax 50 nur noch 19 Cent kosten, das wäre fair und nachvollziehbar. Beim 1000er Paket wären maximal 9 Cent ok, denn "Drauflegen" soll T-Mobile sicherlich nicht. Als vertrauensbildende Maßnahme sollten die neuen Relaxpakete allen Altkunden angeboten werden, sofern es passt, denn zwischen 50 und 200 ist ein Tarif-Loch und zwischen 200 und 1000 auch. Mit günstigeren Folgeminuten, wäre das stopfbar.
Wer Pakete nicht mag, soll den Basix bekommen, auch in Zukunft ohne Handy. Eine moderate Grundgebühr, super Service und Minutenpreise von maximal 19 Cent in alle Netze, das brächte neue Kunden, die gerne auch mal etwas mehr telefonieren.
Alles verramschen soll T-Mobile natürlich nicht. Seine Stärken sind der gute Service, der weiter ausgebaut werden muß, damit der Kunde zu verstehen beginnt, warum es bei T-Mobile ein Tick teurer als bei den Konkurrenten ist. Dazu ein Netzausbau, der endlich die letzte Lücken in der Provinz aber auch in Ballungsgebieten beherzt angeht und das den Kunden auch vermittelt. Gerade jetzt, wo der vierte Netzbetreiber mutwillig das D1-Roaming abschaltet, bevor er sein eigenes Netz fertig gebaut hat, wo es bei den "Roten" einen fast 24 stündigen Netzausfall gab und das "grüne Netz" immer mal wieder "wackelt" könnte ein forcierter Netzausbau bei T-Mobile viele neue Kunden bringen, die bisher nicht soviel Geld ausgebeben wollten.
Viel Zeit bleibt nicht, denn wenn T-Mobile etwas vormacht, sind die anderen Anbieter schnell hinterher.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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