Ein Rauschen im Blätterwald und ein Anschwellen der Diskussionen im Internet löste die Financial Times Deutschland aus, als sie eindeutige Anzeichen für einen Kauf der holländischen KPN durch die spanische Telefonica ausgemacht haben wollte, nur weil o2 in Deutschland "nicht so gut liefe" und daher Interesse an E-Plus hätte.
Heute meldete das in Düsseldorf erscheinende "Handelsblatt", daß der Telefónica-Verwaltungsratschef Cesar Alierta jegliches Interesse seines Unternehmens an KPN dementiert habe im Klartext: "Telefónica hat null Interesse".
Durch eine zusammenlegung der Kundenzahlen von o2 und E-Plus entstünde ein Anbieter mit ungefähr 27 Milionen Karten, wobei aber nicht sicher ist, wieviele Karten nach einer Fusion noch genutzt oder gleich gekündigt würden, weil es viele Kunden gibt, die sowohl eine E-Plus als auch eine o2 Karte besitzen.
Abgesehen von der Frage, was das deutsche Kartellamt und die Politik zu dieser Mega-Hochzeit sagen würden, hätte eine Zusammenlegung der beiden Funknetze ihren Reiz, weil man viele Stationen aus den Ballungsgebieten abziehen und in bislang von beiden Netzen unversorgte Regionen verschieben und damit ein richtig gutes Netz aufbauen könnte. Die E-Plus Kunden bekämen über Nacht die Homezone (wenn sie das wollen) und o2 Kunden könnten auf interessante Dienste von E-Plus zugreifen, wie eine funktionierende Kostenkontrolle zwischen zwei Rechnungen.
Beim zusammenlegen der Netze könnte man auch alle drei (bisher vier) Netze zu einem Netz zusammenschieben, das dann von einem neutralen Dienstleister für alle betrieben würde. Der Effekt: Alle Anbieter hätten über Nacht die gleiche Netzabdeckung und manche Station würde vielleicht überflüssig, was die Bedenken der "Strahlengegner" weiter reduzieren könnte. Eine solche Netzgesellschaft müßte aber mehr als penibel beaufsichtigt werden, damit ihr "Monopol" nicht hemmungslos ausnutzt.
Rein aus Wettbewerbssicht wäre diese Fusion nicht zu begrüßen, weil auch die Gefahr besteht, daß drei "Große" nicht mehr so an echtem Wettbewerb interessiert sind, vier Anbieter, von denen zwei kleinere es den Großen zeigen wollen.
Nun wurde die Fusion wieder abgesagt, das Gerücht wird irgendwann bestimmt wieder auftauchen.
Tariflich gesehen könnte die generelle Talfahrt bald so oder so beendet sein. Solange keiner auf die Idee kommt, die Preise wieder zu erhöhen, mag das in Ordnung gehen, wenn man nur 9 Cent pro Minute bezahlt. Wer noch in einem Steinalt-Tarif für 79 Cent/Minute spricht, sollte sich schleunigst um ein besseres Angebot kümmern.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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