Der Riesen-Deal ist unter Dach und Fach, Freenet hat Debitel gekauft, mit Mann und Maus.
Wie geht es weiter?
Für 1.600.000.000 Euro hat die Freenet AG Debitel gekauft und nun rätseln alle wie es weiter geht.
Für einige überraschend daran ist, daß der Vorstand der bisherigen Debitel AG jetzt in den Vorstand der Freenet-AG aufrückt und dort weiter arbeitet. Viele hatten eher vermutet, daß Freenet so schnell es geht, die Marke Debitel und alles was dazu gehört, "umlackieren" und "assimilieren" könnte.
Doch es gibt Anzeichen, daß man sich in der Freenet AG künftig eher an E-Plus und seiner Multimarken-Strategie orientieren könnte. Sprich: Debitel bleibt als Marke erhalten, selbst Talkline könnte "weiterleben" und die Laden-Kette "dug" verkauft quasi in "Konkurrenz" zu den Freenet-Mobilcom Shops seine Produkte weiter, wie bisher auch.
Ein solcher "interner" Wettbewerb kann belebend wirken und hat den Vorteil, daß man damit auch Kunden erreicht, die etwa mit der Marke Freenet wenig anfangen können, dafür die Marke Debitel aus den zahlreichen "Ich bin doch nicht blöd" oder "Geiz ist Geil" Supermärkten auf der grünen Wiese kennen, oder aus dem netten dug-Shop um die Ecke, der früher vielleicht ein Debitel-Laden war.
Bei aller Euphorie besteht aber kein Zweifel, daß "hinter den Kulissen", Abteilungen und Abläufe (neudeutsch "Prozesse") zusammen gelegt werden, um Kosten zu sparen, denn 1.600.000.000 Euro wollen wieder verdient werden. Das kostet am Ende des Tages auch Arbeitsplätze, mit all den daran hängenden tragischen Einzelschicksalen.
Mancher Mobilfunk-Mitarbeiter aus dem Customer-Care oder dem Second-Level-Support z.B. in Stuttgart oder Ettlingen könnte sich am Ende des Tages in einem gähnend leeren Laden auf einer Hauptstraße oder auch in einem "branchenfremden" Job wieder finden.
Ob sich die neue Freenet eines Tages zum Netzbetreiber wandeln wird, denke ich eher nicht. Es macht absolut keinen Sinn, noch ein fünftes Sendernetz auszurollen. Als "virtueller" Untermieter eines einzigen heute schon bestehenden Netzes (da kommen am ehesten E-Plus oder o2 in Frage) würde man sicher bestimmte Kundenschichten "verprellen", die beispielsweise wegen der Netzabdeckung die Netze von T-Mobile D1 oder Vodafone D2 bevorzugen (selbst wenn die "Großen" regional ärgerliche Funklöcher haben.)
Erschreckend sind Berichte, daß ein erheblicher Anteil der von Debitel verkauften SIM-karten nur zur "Finanzierung" eines neuen Handys, jedoch nicht zum Telefonieren genutzt wird. Das ist auch kein Wunder, denn bestimmte Tarife sind so gruselig teuer, daß man das Handy doppelt und dreifach bezahlen würde, falls man mit diesen Tarifen auch telefonieren würde. Somit sollten wir bei den neusten Zahlen von über 100 Millionen aktivierten SIM-Karten in Deutschland gar nicht Jubeln. Im Gegenteil.
Eine Reduktion auf die "wirklichen" Kunden, dürfte den wachstumsorientierten Managern aber schwer fallen.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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