Wie die Zeit vergeht. Vor 15 Jahren, am 4. Mai 1993 erhielt die E-Plus Mobilfunk die so genannte "E-1" Lizenz. Ein kleiner Blick zurück...
Nach den Lizenzen D1 (heute T-Mobile D) und D2 (heute Vodafone D2) denen man zunächst nur 900 MHz-Frequenzen zugeteilt hatte, erhielt die neue E-Plus- Mobilfunk vom deutschen Postminister Frequenzen im 1800 MHz Bereich, was man damals noch PCN (Personal Communication Network) oder DCS (Digital Communication System) nannte. Dabei war es schon damals GSM 1800, doch der Begriff tauchte erst später auf.
E-Plus startete 1994 mit einem freundlichen Vögelchen im Logo. Das kam als "Heilsbringer" für die Interessenten am Mobilfunk, denen die hohen Preise und eine gewisse "Arroganz" der D-Netz-Funker einfach nicht gefallen wollte.
E-Plus für Handwerker, Gewerbetreibende, junge mobile Familien und Studenten. E-Plus offerierte eine Wunschrufnummer (was es bei D1 und D2 bis heute in diesem Umfang nicht gibt) die dafür einmalig berechneten 100 DM (ca. 51 Euro) schreckte die Leute nicht, im Gegenteil. Am Startort Berlin waren die meisten Festnetz-Nummern 7stellig , da nahm man die "gleiche" Nummer mit der neuen Vorwahl 0177 gleich fürs Handy mit. Alle E-Plus Handys waren grün, eine Farbe, die keinen kalt ließ und schon damals für Diskussionen sorgte.
Weil der Netzausbau von E-Plus zu Beginn noch nicht so weit fortgeschritten war, erhielten alle Kunden einen "Anrufbeantworter" dazu. Das ist die Mailbox im Netz, die bei E-Plus unter 9911 (meistens) kostenlos erreichbar ist. Andere Anbieter verlangen dafür bis heute Geld. Im Gegenzug war die Umleitung zur Mailbox von E-Plus lange Zeit nicht löschbar. Es soll Leute geben, die bis heute panische Angst vor einer Mailbox haben.
Das Versenden von SMS-Nachrichten war bei E-Plus seinerzeit kostenlos. Studenten freute das, es wurde getippt, was das Zeug hielt. Als schlaue Tüftler auf die Idee kamen, ganze Dateien per SMS übers Netz zu übertragen, glühten die Systeme. E-Plus entschied, die SMS zu bepreisen. Das ganze wurde ungeschickt kommuniziert. Für treue Altkunden waren keine Übergangslösungen oder Frei-Kontingente möglich, viele Kunden waren verständlicherweise sauer.
Das Rechnungschaos der ersten Stunde und eine oft überforderte Hotline frustrierten selbst anspruchslose Kunden. Das Rechnungschaos wurde über Nacht behoben, der Chef des hauseigenen Service-Providers E-Plus-Service K.O. Schmitt installierte ein komplett neues Abrechnungsystem und von da an waren die Rechnungen vorbildlich. E-Plus listete schon damals SMS auf der monatlichen Rechnung, was Mitbewerber teilweise bis heute nicht richtig können oder wollen.
Vor 15 Jahren milde belächelt, hat E-Plus sich heute auf eine stattliche Kundenzahl von 15,4 Millionen vorgerarbeitet.
"Wir haben uns immer auf die Bedürfnisse der Kunden konzentriert und dafür gesorgt, dass der Mobilfunk sein Teuerimage verliert. Es ist kein Zufall, dass gerade wir einfache Tarifsysteme wie einheitliche Minutenpreise, Minutenpakete und Flatrates als Erster am Markt gestartet und durch die Entkoppelung von subventionierten Endgeräten und Tarifen den Weg für günstige Minutenpreise frei gemacht haben", erklärt Thorsten Dirks, der Vorsitzende (CEO) der E-Plus Gruppe, der quasi seit Anfang an im Unternehmen ist und somit jede Basisstation und jedes Computersystem aus eigener Anschauung kennt.
Zu Beginn waren die Firmen Veba, Thyssen, die amerikanische BellSouth und die britische Vodafone (!) an E-Plus beteiligt, am 27. Mai 1994 drückte der letzte Postminister Dr. Wolfgang Bötsch auf den grünen Hörerknopf und gratulierte dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger zum Geburtstag.
E-Plus war immer für Überraschungen gut. Die erste richtig funktionierende Prepaid-Karte brachte E-Plus unter dem Namen "Free & Easy" auf den Markt. Bis dahin waren nur lang laufende teure Laufzeitverträge üblich. Zwei Jahre später "erfanden" die Düsseldorfer die "Time & More" Minutenpakete für den deutschen Markt, die erst viel später von T-Mobile ("Relax") und Vodafone "kopiert" wurden, die Mitnahme von übrig gebliebenen Restminuten in den Folgemonat haben T-Mobile und Vodafone immer noch nicht, E-Plus schon.
2005 sorgte E-Plus für ein Erdbeben im als "teuer" und "verkrustet" geltenden deutschen Markt: Mit Simyo startete E-Plus den ersten Discounter, der für damals unglaublich niedrige 19 Cent in alle Netze telefonieren ließ. Den Startschuß zu den heute "üblichen" 9 Cent gaben der o2-Discount-Tochter "Fonic" und der Telekom-Discounter Congstar. So ändern sich die Zeiten.
Die belgische Marke BASE wurde in Deutschland als erste Flatrate-Marke im deutschen Mobilfunk etabliert. Mit AY YILDIZ spricht das Unternehmen ganz gezielt türkisch-stämmige Mitbürger an. Das jüngste Produkt "vybemobile" richtet sich als erste Phone and Music-Marke an junge, musikaffine Menschen.
Die "Markenvielfalt" ist unüberschaubar geworden, AldiTalk von MedionMobile oder die Angebote von Viva oder New Yorker, oder die schlichte und einfache Farbe "Blau".
Als erster Netzbetreiber liess E-Plus virtuelle Netzbetreiber in sein Netz: Vergessen sind die UMTS-Lizenzinhaber Quam oder die von der France Telecom gestützte Mobilcom Multimedia, beide mußten aufgeben, Mobilcom existiert noch als reiner Service-Provider in der Freenet-Gruppe. Aktuell funkt die Materna-Tochter vistream im E-Plus Netz mit eigener Vorwahl 01570.
Trotz einem völlig gesättigten Markt, setzt E-Plus weiter auf "Wachstum". Das Ziel ist es, den "Großen", mit jeweils über 30 Millionen geschalteten Karten noch ein paar Kunden abzujagen. Das ist teilweise gelungen, statistisch hat der deutsche heute 1,2 Karten in Betrieb, doch bleibt unklar, wieviele Karten "nur zum Ausprobieren" (weil sie verschenkt wurden) verwendet werden, die möglichen Umsätze verteilen sich heute auf mehrere Karten.
Lange glaubte E-Plus daran, daß seine Kunden nur Telefonieren und "Simsen" wollten. Erst spät begann man, die zahlreichen Funklöcher, die sich aufgrund der funktechnisch ungünstigeren 1800 MHz Frequenzen ergaben, auszubauen. Zu Hilfe kamen neue E-GSM900 Frequenzen, die besonders in schwach besiedelten Gebieten verwendet werden, weil sie höhere Reichweiten erlauben. In Ballungsgebieten mußte massiv nachgerüstet werden, mit den Flatrates kommt der Appetit aufs mobile Telefonieren, SMS-en und surfen.
Auch den Datenfunk hat E-Plus angeschoben. Eine urplötzliche Preissenkung von 9 Euro pro MB auf nur noch 24 Cent pro MB löste eine Lawine aus, der das Netz beinahe nicht gewachsen gewesen wäre. Dauersurfende E-Plus-BASE-Datenflat-Kunden wurde teilweise gekündigt, wenn sie die "Flatrate" zu wörtlich genommen hatten. Jetzt beginnt E-Plus mit dem Ausbau des UMTS-Netzes.
Die UMTS-Lizenz hätte dem Unternehmen beinahe das Genick gebrochen, weil der chinesische Multi-Milliardär Lee Ka Shing ("Hutchison 3") bei der UMTS-Versteigerung in allerletzter Sekunde ausgestiegen war, E-Plus mußte mit Hilfe siner Mutter KPN damals rund 8.000.000.000 Euro hinblättern, viele Beobachter glaubten felsenfest, daß UMTS der Jahrhundertflop wäre.
War er nicht. Die Weiterentwicklung HSPA (High Speed Packet Access) erlaubt heute theoretisch bis zu 50 MB/s im Downstream und knapp 2 MB im Upstream. Bei E-Plus ist man gerade dabei, das UMTS-Netz mit 384 kB/s aus- und aufzurüsten, als nächstes stehen HSDPA und später auch HSUPA auf dem Wunschzettel. Dazu wird E-Plus einen dreistelligen Millionen-Betrag ausgeben.
Wer durch die Hauptstraßen unserer Innenstädte flaniert, stellt einen massiven Shopausbau fest. E-Plus will näher an den Kunden.
Doch mancher Kunde ist frustriert, wenn er in den teuren Warteschlagen der Hotlines wartet und dann auf freundliche, aber allzuoft hilfose Mitarbeiter trifft, die nicht die Kundenerwartungen erfüllen, sondern Verträge ganz anders als gedacht, interpretieren. Das ist die Kehrseite von "billigen" Tarifen, das muß irgendwo eingespart werden. Wer von einem E-Plus-Angebot zu BASE wechseln möchte, muß schmerzhaft lernen, daß das zwei Welten sind, die (fast) nur mit Kündigung und Neuvertrag gewechselt werden können. (Siehe Kommentare). Altkunden fühlen sich bei Vertragsverlängerungen schlechter gestellt, weil "Neukunden" im Fokus stehen. Neue Tarife können günstiger sein, aber auch teurer, da heißt es genau hinschauen.
Bei aller Kritik: Ohne E-Plus sähe die deutsche Mobilfunklandschaft wohl immer noch viel trostloser aus.
Doch E-Plus hat unerwartet Konkurrenz bekommen. Die 1998 als VIAG-Interkom gestartete heutige o2 Germany produzierte am Anfang ein noch viel größeres Chaos, hat sich aber durch kreative Produkte und Ideen, wie zum Beispiel "Genion", was es bei E-Plus bis heute nicht gibt, und durch eine aggressive Preispolitik eine große Fangemeinde erkämpft. Enttäuschte o2 Kunden wechseln zu E-Plus und umgekehrt, mancher springt neuerdings zu den Großen "zurück".
So muß E-Plus bei den heutigen Tiefst-Preisen von 9 Cent pro Minute stark aufpassen, daß sie weiterhin wahrgenommen werden, denn bei 9 Cent ist die Versuchung groß, zu einem "großen" Netz zu wechseln.
Spannend bleibt es allemal.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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