Interessante Einblicke gab T-Mobile in sein Netz am 8. Mai in Dresden.
Zum Abschluß einer gigantischen Umrüstaktion zeigte T-Mobile die verwendete Sendertechnik (siehe Blog von gestern) und berichtet ein wenig über die Details.
Vor 4 Jahren hatte man sich entschlossen, das Netz grundlegend zu modernisieren. Alle Stationen wurden mit EDGE (= Enhanced Data Rates for GSM Evolution - mitunter auch als E-GPRS = General Packet Radio Service bezeichnet) ausgerüstet. EDGE erlaubt Downloadraten von bis zu 220 kbit/s und im Upstream von bis zu 110 kbit/s. Das ist eine Wohltat für alle Daten-Nutzer, die in der tiefen Provinz unterwegs sind, wo es noch kein UMTS gibt und so schnell auch wohl nicht geben wird. "Klassisches" GPRS endet bei ungefähr 40 kbit/s.
Damit ist T-Mobile seiner Konkurrenz weit voraus: Vodafone hat zwar schon einige Stationen auf EDGE erweitert, E-Plus hat nach meiner Kenntnis nur GPRS und bei o2 werden wohl im Moment nur die Stationen aufgerüstet, welche durch einfache Software-Updates oder einen schnellen Baugruppentausch dafür vorgesehen sind.
Bei der Gelegenheit hat T-Mobile altes Material durch neues ersetzt, Hersteller, welche keine neuen Anlagen oder Ersatzteile anbieten, wurden ersetzt, beispielsweise durch Ericsson und Alcatel-Lucent.
Die neuen Basisstationen sind wesentlich kleiner und brauchen weniger Strom, sparen also Energie (gut für die Umwelt) und Kosten (gut für günstigere Tarife) Die Mark 1 BTS (siehe gestern verlangte noch nach 4 kW Anschlußleistung, eine heutige BTS kommt mit 800 Watt aus, könnte also (notfalls) an der heimischen Steckdose betrieben werden. Falls Sie sich eine kaufen wollen, müssen sie nur einmal auf einen Mittelklasse Neuwagen verzichten :-)
In die Schränke können weitere Module für die Zukunft sein, etwa LTE (der Nachfolger von UMTS) oder was auch immer die Zukunft bringen mag. So ist in den Schalträumen und Containern viel Platz. Auf dem Dach eines vierzehnstöckigen Hochhauses in Dresden ließ T-Mobile die anwesenden Journalisten einen Blick in einen Container werfen, der damals mittels Kran auf ein Hochhaus gehievt wurde.
(Blick vom Dach, das Geländer führt zum Eingang der Basisstation)
Abgeklemmt wurde an dem besuchten Standort die Notstrombatterie-Anlage, da heutzutage die Wahrscheinlichkeit eines Stromausfalls doch recht gering ist. Bei größeren Katastrophen wie dem Elbhochwasser in Dresden müßte dann ein Notstromaggregat eingesetzt werden. Wichtige Netzelemente wie die Mobilfunkvermittlungen sind natürlich weiterhin mit Notstrom versorgt.
Die Umschaltung von alter auf die neue Technik benötigte im Schnitt 7 Minuten, wo das Netz weg war, die Arbeiten erfolgten meistens nachts. In Kirchtürmen wurden die Stationen durch die Schallfenster hineingehievt, in einem Fall wurde das Umbau-Team von der Polizei festgenommen, weil aufmerksame Nachbarn sich wunderten, wer da mitten in der Nacht in der örtlichen Kirche herum hantierte. Der extra geweckte Pastor konnte die Sache aufklären.
An einer anderen Station war der Zufahrtsweg zugewuchert, mitunter mußten die 300kg schweren Schränke mit Muskelkraft im Leiterwagen durch einen Wald zum Ziel befördert werden. An der deutsch polnischen Grenze kam es beinahe zu politischen Verwicklungen, weil die polnische Regierung nicht genehmigen wollte, daß ein Hubschrauber der Bundeswehr im Grenzgebiet die neue Techik einfliegen durfte. Die Lösung war ein nicht vollgetankter Zivilhubschrauber, um das Gesamtgewicht einzuhalten.
Schon mal eine Sende-Antenne von Innen gesehen? In jedem "Panel" sind mehrere solcher Elemente. Die "Blumenkästen" sind aus wetterschützendem Kunststoff.
Was der Spaß genau gekostet hat, verrät T-Mobile nicht, nur soviel "ein dreistelliger Millionenbetrag". Und diese Gelder stammen aus den monatlichen Grundgebühren und Minutenpreisen, welche die Kunden bezahlen. Ich denke, das Geld ist gut angelegt.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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