Viele Trends in Deutschland oder Europa haben ihren Ursprung in Amerika. Beim Telefonieren scheint es laengst andersrum zu sein...
Das mobile Telefonieren wurde in den USA relativ spaet entdeckt. Lange gab es analoge Netze nach dem AMPS Standard, spaeter zu D-AMPS aufgebohrt, aber richtig ueberzeugend war das nie. Der europaeische GSM-Standard wurde skeptisch beaeugt. Als bei einer Tagung in Atlanta die Swisscom mal soeben mit Sondergenehmigung ein GSM1800 Netz aufbaute und alle Kongress-Teilnehmer ohne weitere Anmeldung mobil telefonieren konnten und erreichbar waren (Swisscom hatte ihr Netz nach USA "verlaengert") horchte die Szene auf, GSM 1900 war geboren. (1800 MHz sind in den USA anderweitig belegt)
Als die Deutsche Telekom voellig ueberraschend Voicestream und weitere Carrier kaufte und daraus "T-Mobile USA" formte, ging ein Ruck durchs Land.
So wundert es eigentlich nicht, wenn die Tageszeitung US-TODAY heute meldet, dass die Kunden das Festnetz-Telefon ("Landline") "versenken", sprich immer mehr auf mobile Erreichbarkeit setzen. Jeder 6. Haushalt (oder 15,8%) ist nur noch "wireless" zu erreichen, sei es ueber den weltweiten GSM-Standard oder die in USA und Asien populaeren CDMA-Netze oder einen anderen Standard. 2004 waren es gerade mal 6,1% gewesen.
In New York sind die Festnetz-Zahlen seit 2000 um 55% eingebrochen, das benachbarte New Jersey ist bei 50%. Auch in Amerika ist angekommen, wie praktisch es ist, jederzeit "on the move" mobil erreichbar zu sein und es wundert auch nicht, wenn der Schwerpunkt der mobilen Telefonierer mit 34,5% im Alter von 25-29 Jahren liegt, die Senioren (ueber 65 nur bei 2,2%)
Die Festnetzanbieter wie AT&T oder Verizon haben das Problem, dass sie ihre Festnetze weiterhin warten und modernisieren muessen, fuer weniger Kunden. Dafuer haben sie auch Mobilfunkangebote im Programm, was die Verluste, mit denen man durchaus gerechnet hat, abmildert. Selbst wenn ein Festnetz-Anschluss zur Verfuegung steht, nehmen 13,1% lieber das Handy, pardon "mobile" zur Hand.
Blackberry uebrigens, ist in den USA der Marktfuehrer bei Smartphones. Demnaechst auch bei uns? Dann wuerde Europa wieder mal einem Trend aus den USA folgen. Stimmt nicht ganz, der Blackberry kommt aus Kanada :-)

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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