Mobilfunkkunden brauchen heute Nerven wie Bandnudeln. Mancher Anbieter springt mit seinen Kunden wenig pfleglich um.
Dass Kunden vom Anbieter vorzeitig gekuendigt werden, haben wir gerade mitbekommen. Jetzt schaltet ein Anbieter seine Kunden wieder ein - ohne ihnen das mitzuteilen. Dafuer schaltet ein anderer Anbieter seinen Kunden weitere Regionen einfach "ab".
Debitel geriet in die Schlagzeilen mit seinen Crash-Tarifen. Fuer 2,95 Euro Grundgebuehr und 5 Cent/Minute rund um die Uhr telefonieren, jeder der wirklich telefoniert, buchte diesen Tarif und nutzte ihn auch, speziell im D1-Netz. Entspanntes Telefonieren wann und wohin man will, da kommen locker 400-600 Minuten im Monat zusammen.
Doch Debitel verschlief das moegliche Entwicklungs-Potenzial, dieser Kunden. Kein vernuenftiger Datenarif, keine Rufnummernportierung und keine Multi-SIM, die weiteren Umsatz generiert haetten. Stattdessen die ueberraschende Kuendigung per e-mail. Laut AGB durchaus ok, das Angebot hatte eine Laufzeit von 6 Monaten, danach monatliche Kuendigung. Viele Betroffene nahmen es murrend zur Kenntnis, nur wenige widersprachen. Ein findiger Anwalt aus Berlin setzte sich vor Gericht durch: Die Kuendigung bedarf der Schriftform (=Brief), sonst gilt sie nicht.
Nun hat Debitel, in durchaus guter Absicht, viele dieser gekuendigten Karten reaktiviert. Doch die hauseigene IT machte einen Strich durch die Rechnung: Die Kunden telefonieren jetzt in der neueren Variante des Crash-Tarifes mit monatlichen 4,95 Euro Grundgebuehr und wissen davon nichts, weil die Kommunikation mit den Kunden einfach nicht geklappt hat.
Das Problem: Viele Kunden haben laengst ein neues Angebot eines anderes Anbieters akzeptiert, sie koennen mit der Crash-Karte nichts mehr anfangen oder haben das Vertrauen in den Anbieter verloren.
Wer seine Karte weiter nutzen will, die 2 Euro Differenz in der Grundgebuehr von 4,95 Euro machen sich schnell bezahlt: Bei 200 Minuten sind das schon 7,5 Cent/Minute, bei 500 Minuten nur noch 6 Cent. Andere (Discount)-Anbieter liegen bei 8 oder 9 Cent. Mit 2,95 Euro Grundgebuehr zahlen Sie fuer 200 Minuten 6,5 Cent, bei 500 Minuten guenstige 5,6 Cent.
Die Wirren um den Verkauf des Unternehmens Debitels koennten eine Rolle gespielt haben. Um den Kaufpreis attraktiver werden zu lassen, waren die Kundenzahlen nochmal mit guten (zu guten?) Angeboten gesteigert worden. Nachdem der Verkauf im Kasten war, fanden die Kostenrechner heraus, dass sich der Tarif moeglicherweise doch nicht rechnen koennte und drueckten den "Aus"-Knopf.
Der frustierte Kunde bleibt zurueck.
Richtig Frust haben treue o2 Kunden, die im Vertrauen auf die Roaming-Moeglichkeit im Netz von T-Mobile auch da einen o2-Vertrag unterschrieben haben, wo o2 noch gar nicht oder nicht zuverlaessig funktioniert. Wenn das Handy trotz wackliger Versorgung immer nach o2 wechselt, schaltet der Kunde, der stoerungsfrei telefonieren oder mit EDGE surfen will, gerne manuell zu T-Mobile rueber.
Jetzt berichten Anwender, dass der Bereich Wuerzburg, Heilbronn, Schwaebisch-Hall, Sinsheim "gebarred" (=blockiert) wurde. Entweder man hat dort o2 Versorgung oder nicht. Hintergrund ist der ambitionierte Plan von o2, bundesweit ein eigenes Netz auszurollen. Doch in den abgeschalteten Gebieten ist man einfach noch lange nicht so weit, es fehlen immer noch viel zu viele Sender.
Sollte man da nicht erst einmal aufbauen und einschalten, dann testen und erst danach das Roaming abschalten?
Ist es so ein schwieriges Unterfangen, seine Kunden VORHER ueber solche Massnahmen vernuenftig zu informieren und ggfs. eine Sonderhotline einzurichten, die den Kunden KOMPETENT weiterhilft und auch beim Thema "vorzeitige" Kuendigung wegen fehlender Netzversorgung nicht gleich in Traenen ausbricht?
Wieviel Vertrauen hier verspielt wurde, sahen wir in Schleswig Holstein oder Nordrhein-Westfalen, nun ist offenbar Bayern und Baden-Wuerttemberg dran. Schade, dass man da nicht gelernt hat.
Des einen Leid, des andern Freud: Die Mitbewerber freuen sich. Ein leitender Angestellter eines grossen deutschen Netzbetreibers bemerkt steigende Kundenzahlen, die ueber Nacht von o2 "ausgesperrt" wurden.
Merke: Kunden die von ihrem Anbieter enttaeuscht wurden, kommen nicht so schnell wieder.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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