Einblick in die Blackberry Welt

19.05.08
Permalink 12:22:29, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 905 Wörter   German (DE)

Sie kennen den Blackberry, das praktische e-mail-Taschen-Telefon. Doch es gibt zwei Blackberry Welten, kennen Sie beide?

Blackberry 8300

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Der Blackberry, das Taschentelefon aus Kanada hat als Two-Way-Pager angefangen. Pager, das sind die Funkrufempfänger, die numerische oder Textnachrichten empfangen. ("Dr. Müller, bitte dringend 1234 anrufen!")

Pager sind in den USA und Kanada weit verbreitet, in Deutschland hält noch die Firma e*message die Fahne hoch. Beim Two-Way-Pager gab es an wichtigen Punkten "Empfangsstationen", bei denen der Pager unterwegs seine Nachrichten "abgeliefert" hat. Diese Empfänger brauchten nicht flächendeckend aufgebaut zu sein, Hauptsache, die Nachricht ging irgendwann raus, Vergleichbar mit einer SMS, die an Silvester auch länger braucht. Bald wurde der Blackberry-Vorläufer von Motorola als SMS/e-mail-Telefon angeboten, mit dem man zur Not auch telefonieren konnte, heute ein Kult- und Sammelobjekt.

Zurück in die Jetzt-Zeit: Der Blackberry für Privatkunden heißt im Jargon "Blackberry Internet Service" (BIS). Sie richten sich am Blackberry ein e-mail-Konto ein, das Sie anschließend auch im Internet verwalten können und holen sich per IMAP4 oder POP3 die Mails von Ihrem Anbieter wie GMX, web.de, AOL, Yahoo, T-Online (T-Online braucht dazu die Option Mail-Paket) oder Ihrem eigenen Internet-Provider, wie Sie mögen.

Wenn Sie dazu den Terminkalender oder das Adressbuch des Blackberry nutzen wollen, müssen Sie unter Windows XP eine Software installieren (wird im Karton mitgeliefert), die dann die Adressen/Kontakte von Outlook Express oder Outlook und die Termine von Outlook oder Lotus etc. mit dem Blackberry über ein Mini-USB-Kabel synchronisiert. Kleiner Tipp: Während und nach der Synchronisation immer ins Protokoll bzw. unter Details schauen, was da geändert werden soll, speziell wenn mehrere Telefone im Spiel sind (z.B. Nokia) führen gewisse Daten ein Eigenleben und verschwinden oder tauchen in veralteter Version wieder auf.

Wie schön wäre es doch wenn nicht nur e-mails, sondern auch Kontakte und Termine automatisch über Funk synchronisiert würden? Dafür brauchen Sie einen Exchange-Server und da obendrauf einen Blackberry Enterprise Server (BES). Den haben Sie beispielsweise in einer kleinen oder großen Firma.

Den Black Berry Enterprise Server zu konfigurieren, ist nicht ganz trivial, dazu hat man in der Firma IT-Profis sitzen oder man vertraut auf kleine Dienstleister, die ein Exchange-Postfach samt Blackberry für SoHo oder Kleinunternehmen anbieten.

Ich hatte in Orlando die Gelegenheit einmal am Black-Berry Enterprise Server zu sitzen und ein paar Übungsaufgaben durchzuarbeiten. Puh. Man glaubt kaum, wie mächtig dieses Tool ist und welche Funktionen es erlaubt. Eine echte Herausforderung. Die Betreuer haben nicht einfach gesagt, "klicke hier oder da", sie verrieten nur einen Stichpunkt auf dem
Weg zu Ziel. Der Administrator kann alles und jedes einstellen. Brauchen Sie Bluetooth, eine COM-Schnittstelle? Wie soll die Unterschrift (Footer) Ihres Blackberry aussehen, was soll drin stehen? Welche Sicherheitsmaßnahmen sind vorgesehen? Dürfen Sie Anhänge, HTML-Mails und vieles mehr empfangen oder nicht? Es gibt unendlich viele "Policies", welche das ganz genau regeln.

Blackberry ist aber nicht nur das Endgerät. Es gibt auch die "Blackberry Connect" Software, die Sie auf Nokia (Serie 60/80), Sony Ericsson (Symbian) oder HTC (T-Mobile MDA, Vodafone VPA, o2 XDA, e-Plus Qtek) aufspielen und damit fast die gleichen Funktionen wie mit einem "echten" Blackberry nutzen können, aber mit ihrem gewohnten Lieblings-Hersteller.

Mit Blackberry wird die e-mail Kommunikation deutlich schneller und damit auch umfangreicher. Die Grenzen zwischen SMS und e-mail werden eingerissen, denn man schickt sich am besten gleich eine e-mail. Viele Mails verleiten gerade dazu, sie einfach mal eben mit "Weiterleiten" an einen Verteiler zu schicken, dabei wird die Original-Mail unverändert weitergegeben. Das kann Vorteile, das kann Nachteile haben. Passen Sie auf, was Sie schreiben oder weiterleiten. Wenn in der Mail drin steht, daß Sie Herrn Müllerschulze aus der Abteilung nebendran für einen ... (nicht so zielorientierten Intelligenzbolzen) halten, dann ist das schneller rum als gedacht.

Langweilige Meetings sind dank Blackberry vorbei. Da kann man schnell seine Mails bearbeiten oder neue verfassen, soll doch der da vorne reden. Wenn auf einmal alle ihre Blackberries zücken, weiß der da vorne, wie "gut" sein Vortrag ist.

Bei den zahlreichen Vorträgen, auf den Fluren oder vor den Türen des Symposiums hatte buchstäblich jeder ein solches Ding in der Hand.

Eine Werbung von A T&T beeindruckt: In nahezu jedem Land der Welt gibt es heute GSM-Netze und sie unterstützen in den meisten Fällen GPRS oder die schnellere Form E-GPRS (besser bekannt als EDGE). Und damit ist man in Sachen e-mail weltweit erreichbar. Wer hätte sich das gedacht? Ist das teuer? Eine Woche intensivstes e-mailen in den USA im Netz von T-Mobile oder A T&T abholen hat laut Cost-Check rund 70 Euro gekostet, für Business-Leute ist das erschwinglich. Die Sprachtelefoniekosten waren deutlich höher :-)

Viele Mitarbeiter von Unternehmen lieben den Blackberry, sehen ihn als Status-Symbol. Andere hassen ihn, denn nun ist man 24h / 7 Tage erreichbar, was durchaus Vor- aber auch gewaltige Nachteile haben kann, denn irgendwo erwartet das Gegenüber eine schnelle Antwort. Nicht von ungefähr haben erste Gewerkschaften einen Blackberry-Tarifvertrag ausgetüftelt, der die hohe Verfügbarkeit finanziell ausgleicht. Andererseits kann man auch im Eiscafé seine Mails lesen, statt im stickigen Büro.

Kleiner Tipp: Im Setup des Blackberry kann man das Gerät zeitgesteuert ein- und ausschalten lassen. Dann bleibt noch Zeit für Freunde/Partner und die Familie. Oder den eMail Alarm-Ton auf QiGong stellen. Das ist ein chinesischer Gong, der unheimlich beruhigt.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: wieland_mail2 [Besucher]
Klasse geschrieben.
Vorallem den Teil mit "chinesicher Gong" fand ich toll ^^
Ja immer und überall antworten zu müssen ist schon doof....man würde lieber mal alles von sich strecken aber der gegenüber erwartet eine Antwort. Das kann auf die dauer ganz schön nervig werden.
Aber das liegt an einem selbst. Wenn man das nicht will und trotzdem immer genervt wird, ist man selbst schuld.
Permalink 19.05.08 @ 23:06

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Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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