Was das Mobile Telefonieren anbetrifft, war Amerika lange Zeit den Europäern hinterher. Sie haben aufgeholt, wenn auch nicht in allen Punkten.
Wenn man in Amerika ankommt, sieht man sie überall im Gebrauch, die Cell-Phones oder nur Phones. Amerikaner telefonieren gerne mit Klapptelefonen, aber auch Slidern und Candybars und manches Modell hat einen größeren Bildschirm für e-mails, WAP oder "echtes" Internet. Wer in den USA ein Smartphone will, wählt gerne den Blackberry, das Unternehmen ist bei Smartphones in den USA Marktführer und verkauft längst mehr an Privat-Kunden als an Business-Kunden.
Telefoniert wird buchstäblich überall. Auf der Straße, in Kneipen und Cafes, in edleren Restaurants sollte man tunlichst aufpassen. Der Telekom/T-Mobile-Klingelton ist weit verbreitet zu hören. Handy-Shops zu finden, ist hingegen gar nicht so einfach. Selbst auf großen Flughäfen findet man sie nicht überall.
Amerikanische Rufnummern sind generell 10stellig inklusive Vorwahl, nie kürzer oder länger. Eine Vorwahl wird in Klammern gesetzt z.B. (212)555-1212 und muß am Handy mitgewählt werden. Wer seine Nummern "international" speichert, kann natürlich auch +1 212 555 1212 wählen. Anrufe ins Ausland gehen wie gewohnt mit +49 1234 567890 statt der +49 kann man auch 01149 wählen. Ankommende SMS-Nachrichten aus dem Ausland haben im Absender gerne 01149 (z.B. aus Deutschland) stehen, nicht wundern.
Da alle Rufnummern im Festnetz aufgehängt sind, muß der mobile Telefonkunde den Teil vom Festnetz zum Handy selbst bezahlen, wir kennen das sonst nur vom Roaming im Ausland. Durch diesen Aufschlag stimmen die Roaming-Tabellen der Mobilfunker oft nicht exakt, weil diese Auschläge noch dazu kommen. Deswegen ist mobiles Telefonieren mit einer ausländischen Karte in Amerika gruslig teuer, mit 1-2 Euro pro Minute muß man rechnen, ankommend und abgehend! Auch internationale Roamingkarten, wie beispielsweise die von United-Mobile machen in den USA nicht wirklich Sinn: 1:14 Minuten zur Mailbox kosteten flotte 3,43 Euro. Simyo-Kunden habens gut, sie bezahlen erträgliche 69 Cent pro Minute ankommend, die SMS kostet 39 Cent abgehend, ankommend ist frei. Abgehendes Telefonieren ist mit der Simyo-Karte (und allen E-Plus Prepaid-Derivaten) einfach nicht möglich, auch nicht über USSD-Codes.
Wer länger oder öfter in den USA zu tun hat, dem sei der Kauf eines "Pay as you go" (US-Slang für Prepaid) Packages empfohlen. Das Problem ist nur, daß Handyshops je nach Ort und Region kaum zu finden sind. Laufzeitverträge bekommt man als Ausländer kaum, es sei denn, man hätte eine Social Security Number, die bekommt man aber als Tourist normalerweise nicht. Braucht man auch nicht.
Beim Kauf eines Handys mit Prepaid-Karte ist noch darauf zu achten, daß es neben dem GSM-Standard auch den CDMA-Standard gibt, da ist die eigene Rufnummern fest ins Gerät einprogrammiert (kann geändert werden), eine SIM-Karte gibts nicht. Wer mit seinem Handy aus Deutschland anreist, sollte ein Quadband-Modell dabei haben, die GSM 1900 Versorgung ist teilweise wirklich gruslig. A T & T reklamiert in der Werbung das "beste" Netz mit den "meisten Balken in der Anzeige" zu haben, das stimmt nicht immer und mit einem reinen GSM 1900 Telefon wird es zur Qual, hier war T-Mobile auf meinem Kurztrip durchweg besser.
Welche Karte man wählt, sei einem selbst überlassen, das "Go Phone" Angebot vom Marktführer AT&T bietet 400 Minuten für knapp 50 Dollar, die für ankommende und abgehende Gespräche gelten, die mit jeweils 13 US-Cent pro Minute berechnet werden. Als Bonbon sind noch 3000 Abend und Wochenend-Minuten dabei, die aber nur zwischen 21 (9pm) und 6 Uhr (6am)gelten und nur für Gespräche innerhalb der USa. Wenn Sie erwarten, daß ihr amerikanischer Gesprächspartner zurückruft, müssen sie eine US-Rufnummer vorweisen.Anrufe ins Ausland (long-distance) sind ohne Zusatzoption entweder gar nicht möglich oder gruslig teuer. Für das Handy muß eine separate Auslandsoption gebucht werden, "Go Phone" berechnet einmalig 3,99 Dollar plus 39 US-Cent pro Minute.
Die Angebote der Großen wie AT&T, T-Mobile (GSM) oder Verizon (CDMA) sollten in Ballungsgebieten funktionieren, unterwegs ist es mehr oder weniger Glücksache, die wichtigen Städte und Hauptstrecken sollten einigermaßen versorgt sein.
Eine Mailbox (Voicemail) gehört zum Handy dazu, man erreicht die AT&T Mailbox, indem man sich selbst anruft. Eine optionale (6stellige) PIN erlaubt, die Mailbox auch von der Ferne abzuhören. (Anrufen, Ansage mit Stern * abbrechen, Geheimzahl, Raute # und los gehts.)
Wer in Amerika e-mailen will, kommt mit einem datensparenden Blackberry wohl am besten weg (unbedingt Blackberry-Auslandspaket beim eigenen Anbieter buchen, sonst wirds noch teurer). Das Netz von T-Mobile.USA bietet fast durchgehend EDGE Versorgung, damit sind theoretisch bis zu 200 kbit/s im Downstream oder 100 kbit/s im Upstream möglich. AT&T beschränkt sich derzeit noch auf klassisches GPRS. UMTS/HSDPA gibts nur an wenigen Stellen, etwa von T-Mobile in New York auf 1700 MHz (dazu braucht man eins der allerneusten Handy-Modelle, die nicht nur Quadband GSM, sondern auch Triband UMTS können), der "3G"-EVDO-Standard wird von europäischen Geräten nicht unterstützt.
Amerikanische Hotlines sind überaus freundlich, aber nicht immer so kompetent, wie wir das erwarten würden. Für Europäer besonders "gewöhungsbedürftig" ist, daß das Service-Personal selten zugibt, etwas nicht zu wissen, sondern immer irgendwie zu helfen versucht, was nicht immer zielführend sein kann. Ähnliche Tendenzen sind längst hierzulande zu bemerken.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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