Sie haben einen uralten Vertrag und ein funkelnagelneues Handy. Die nächste Rechnung könnte zum akuten Kosten-Schock führen.
Das gibt es immer wieder: Einen uralten, tatsächlich oder vermeintlich günstigen Mobilfunkvertrag. Oder einen neuen Tarif, der vielleichteinigermaßen akzeptable Sprachtarife enthält, aber Datentarife? "Brauch ich nicht". Falsch!
Immer wieder landen bei mir Fälle auf dem Tisch, wo ungeahnt hohe Handyrechnungen mit einem nagelneuen Multimedia-Handy auftreten. Selbst wenn man niemals eine MMS verschickt, niemals eine e-mail abruft und das auch gar nicht konfiguriert hat, auch niemals auf Web oder WAP-Seiten surft, moderne Handys nutzen jede sich bietende Gelegenheit, ins Netz zu gehen.
Was gerne übersehen wird: Neueste Handys haben GPS-Navigation an Bord. Um schneller mitzubekommen, wo man sich befindet, greift das GPS-Navigations-System auf das Handy-Funknetz zurück und zieht sich aktuelle Standort-Daten, was das Finden des "zuständigen" Satelliten beschleunigt.
Bei der Navigation werden Daten übertragen, etwa um Verkehrsinfos oder Kartenupdates (Baustellen, Neubauten) zu übermitteln. Gerade als Laie durchschaut man kaum, was da alles zu konfigurieren ist.
Neue Handys können ihre Betriebs-Software aktualisieren, auch über das Handyfunknetz. Das können leicht 20-120 MB Daten sein. Mit dem falschen Datentarif (z.B. 9 Euro/M
wären da bei 100 MB Daten, mal eben 900 Euro weg.
Vielleicht wollen Sie wirklich mal ganz bewußt eine Mail abrufen oder ein Bild verschicken?
Sicher: Ein gerüttelt Maß an Mitschuld tragen die Mobilfunkanbieter, die ihren Kunden "ab Werk" grausam teure Datenpreise einstellen, weil sie einfach nicht begreifen wollen, daß sie sich damit potenzielle Datenkunden der Zukunft so dermaßen erschrecken, daß sie künftig nie mehr Daten übertragen werden.
Es soll viele Kunden geben, die ganz gezielt und ganz bewußt nach Einfachst-Handys suchen, die das alles nicht können, damit ja keine ungeahnten Kosten entstehen. Das bringt keinen Fortschritt, das verhindert ihn.
Tarifautomatiken, welche die Datenpreise automatisch reduzieren oder die Kosten auf maximale Werte deckeln, gibts zwar hier und da, sind aber eher exotische Ausnahmen.
Was tun?
Beim nächsten Vertrag unbedingt nach den Datenpreisen fragen!
Wird nach Verbindungszeit abgerechnet? Das ist lebensgefährlich, weil Sie nie sicher sein können, ob Ihr Handy sauber trennt oder in einer Minute mehrere (kurze) Verbindungen aufbaut, die dann auch mehrfach gezählt werden (jede Verbindung ist tarflich eine neue "eigene" Minute, so daß pro Zeitminute mehrere Verbindungen berechnet werden können)
Wird nach MB (Volumen) abgerechnet? Das ist schon viel besser. Achten Sie auf kleine Taktungsmengen. 1 kB Taktung wäre ideal (gibts leider kaum), 10 kB Taktung ist auch ok (haben o2, E-Plus-Discounter wie Simyo, Blau). 100 kB ist schon zu viel (haben T-Mobile, Vodafone, o2-Fonic) Bei internationalen Karten trifft man auch 333 kB Taktung an.
Buchen Sie unbedingt ein Datenpaket. Wenn Sie wirklich wenig surfen, sollten 30 MB reichen, wenn Sie schon mal die eine oder andere Mail abrufen möchten, sollten es 200-300 MB im Monat sein.
Schauen Sie regelmäßig auf den Datenzähler Ihres Handys (z.B. unter "Protokoll" bei Nokia) und beobachten Sie die Datenmengen.
Ist das Malheur schon passiert, reagieren die Mobilfunk-Anbieter unterschiedlich.
Wenn Sie gleich bei der Hotline ein Datenpaket buchen, kann es sein, daß man ihre überraschend hohe Handyrechnung reduziert. Unkulante Anbieter sperren auch mal gerne den Anschluß, bis die urplötzlich auftauchenden 300-500 Euro (wenn es richtig dumm kommt) vorab bezahlt sind.
Wenn Ihr Anbieter eine Kostenkontrolle anbietet, nutzen Sie diese, bis Sie ein Gefühl für Ihr Nutzungsverahlten bekommen. T-Mobile hat die Rufnummer 2000 die Sie kostenlos anrufen können, einfach der Stimme in ruhiger Umgebung (!) zuhören und notfalls mit der Ansage "Details" um weitere Infos bitten. Bei Vodafone wählen Sie die 22999, bei E-Plus die 1112. Discounter wie Simyo oder Blau haben ein Online-Tool im Internet, wo Sie ihre tagesgenauen Abrechnungen sehen können. o2 bietet eine Kostenkontrolle noch nicht an, geplant ist es schon länger "wenn das neue Abrechnungssystem kommt", doch das dauert noch...
Sehr günstig sind die Datenpakete von o2, die Sie auf jeden Fall als Volumenpaket buchen sollten.
Selbst beim Discounter ist Vorsicht angebracht.
Viele Discounter im Netz von T-Mobile rechnen in 9 Cent/Minute Takten ab. Das kann gefährlich werden, wenn das Handy oft "online" gehen will. Congstar rechnet mit 49 Cent/MB ab, was auch noch erträglich ist, Bildmobil (Vodafone) mit 35 Cent/MB.
Bei der klassischen Xtra-Karte kostet das MB Daten nachwie vor 19 Euro. Datentarife sind möglich, mit einer speziellen Xtra-Datenkarte. Gut für Einsteiger sind die Datenpreise von Simyo, Blau und Medion-Mobile, mit 24 Cent/MB kann man mal in Ruhe erste Schritte unternehmen. Für Power-Surfer wird das auf die Dauer auch zu teuer.
Falls Sie sich unsicher sind, einfach hier unter "Kommentare" oder im Xonio-Forum nachfragen.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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