Freenet und Debitel: Kartellamt sagt ja

27.05.08
Permalink 13:38:55, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 663 Wörter   German (DE)

Soeben kam die Meldung aus Büdelsdorf herein: "Das Bundeskartellamt hat die Übernahme der debitel Group durch die freenet AG am heutigen Tage freigegeben, so dass das Vorhaben nach Vorliegen der weiteren Vollzugsvoraussetzungen umgesetzt werden kann."

[Mehr:]

Das freut den CEO der neuen großen Freenet AG, Eckhard Spoerr: "Wir freuen uns, dass das Kartellamt nun den Weg für die weiteren Schritte im Hinblick auf den Vollzug der Transaktion geebnet hat", so Spoerr, "freenet inklusive debitel wird nach Vollzug der Transaktion der größte netzunabhängige Telekommunikationsanbieter in Deutschland sein. Unser Ziel ist es, die Nummer Eins-Vertriebsplattform für sämtliche Produkte der Telekommunikation zu sein."

Nun: Jetzt gibt es für Herrn Spoerr richtig viel zu tun. Ein einheitlicher Auftritt des Unternehmens, die Festlegung, welche Marken fortgeführt werden und welche nicht, einheitliche Prozesse im gesamten Unternehmen und das Bereinigungen des im Zuge der Verkaufsverhandlungen eingerissenen Schlendrians etwa bei Debitel.

Dort wurden die wegweisenden Crash-5 Tarife "kreativ" per e-mail gekündigt, die meisten Kunden gingen ziemlich enttäuscht von dannen, nur einige wenige widersprachen. Denen hat man die Karten jetzt wieder eingeschaltet, weil eine Kündigung per e-mail nicht ausreicht, es muß ein Papierbrief sein. Aber nicht nur denen: Vor lauter Hektik wurden auch Karten von den Crash-Kunden wieder eingeschaltet, die sich längst bei einem anderen Anbieter eingefunden und gebunden haben. Die Krönung: Dabei waren auch Verträge, deren Rufnummer längst woandershin portiert worden war. Sprich: Die Kunden sollen jetzt für Karten und Verträge zahlen, die sie gar nicht nutzen können, selbst wenn sie wollten.

Das Beste zum Schluß: In wenigen Tagen dürften dann alle nochmal per Papierbrief gekündigt werden. Solche Aktionen kosten unnötig Geld und Vertrauen und müssen nicht sein.

Ein Börsianer (der nicht genannt werden will) sieht das so: "Die Mega-Fusion Freenet-Debitel macht aus finanzieller Sicht nur Sinn, wenn Freenet - ganz brutal und hart formuliert - mit seinem bestehenden Stamm-Personal die neu dazugewonnenen Kunden gleich mitverwalten kann. Sonst rechnet sich das nicht."

Dass das ein aberwitziges Unterfangen wäre, muß Jedem klar sein, denn es müssen verschiedene Unternehmensphilosophien und Abläufe oder "Prozesse" unter einen Hut gebracht werden, das geht nicht von heute auf Morgen. Was die Mitarbeiter der neuen Freenet AG aber erwarten können, daß man ihnen möglichst bald und klar und ehrlich sagt, wo es lang geht. Nichts wäre schlimmer, als eine weitere Zitterpartie, welchen Standort und welchen Arbeitsplatz es trifft oder nicht oder die daraus resultierende Lähmung des laufenden Betriebes. Dann stimmen die Kunden bald mit den Füssen ab.

Herrn Spoerr muß aber klar sein, daß es ihm niemals gelingen wird, 100% aller von Debitel (und Talkline und Callmobile) eingekauften Kunden bei Freenet halten zu können. Solche Abenteuer wie die "Crash5"-Kündigung und eine allgemeine spürbare Reduktion überflüssiger Spiel-SIM-Karten oder "Schubladenverträge" (deren Anteil bei Debitel besonders hoch sein soll) werden noch einige Kunden und einiges Geld kosten. Auch die von E-Plus bei Freenet angemahnte Bürgschaft dürfte sich auf die Bücher und den Aktienkurs der börsennotierten Gesellschaft auswirken.

Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, könnte als nächstes die Festnetz und DSL-Sparte (ex "Mobilcom 01019" später "Freenet") vom frisch fusionierten Freenet-Unternehmen abgehängt werden. Um diesen leckeren Kuchen bewerben sich bereits Telefonica-o2 und 1&1-United-Internet, deren Chef Dommermuth auch vor Gericht nicht mehr verhindern konnte, daß sich Spoerr mit Debitel zusammen tat und Dommermuth durch eine Kapitalerhöhung Macht und Einfluß in der Freenet AG verliert.

Bleibt noch die Drillisch Gruppe. Der hätte es gefallen, wenn sie noch die Mobilfunkaktivitäten von Freenet (u.a. Mobilcom) günstig erhalten hätte. Da könnte noch einige Spannung drin sein, bis am Ende ein Mega-Service-Provider (und am Ende als einziger in Deutschland?) übrig bleibt.

Doch aufgeklärte oder aufgeschreckte Kunden könnten dann entweder zum Original-Netzbetreiber oder gleich zu einem der großen markeneigenen Discounter wechseln.

Es bleibt spannend.

Kommentare, Pingbacks:

Irgendwie war das zu erwarten!

Aber ob das gut geht?
Man wird sehen.


Aber ich glaub ich habe irgendwo gelesen, dass es noch ein Problem gibt, weiß jemand etwas genaueres?
Permalink 31.05.08 @ 23:37
Kann dir da leider nicht helfen! Mich würde es auch interessieren, was es da noch für Probleme gibt.
Permalink 07.07.08 @ 09:49

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