Täglich Meldungen über die Deutsche Telekom, daß bestimmte Verbindungen ausgewertet oder gar abgehört worden sein sollen, daß an allen Ecken und Enden "lückenlos" ermittelt würde, man kann es schon gar nicht mehr hören.
Was war passiert:
Als der Jubel über den T-Börsengang des Ron Sommer abebbte, als die Kurse sanken und die Hintergrund-Berichte immer kritischer wurden, sorgte das im T-Hauptquartier für gewaltigen Frust. Leitende Mitarbeiter fragten sich, woher die Presse allerlei Insider Infos hatte, die sie süffisant in immer neuen Enthüllungsberichten ausschlachtete.
Der damalige Kommunikationschef Jürgen Kindervater führte ein strenges Regiment. Wer da "unangenehm auffiel", soll - so berichten Betroffene - auf einer "schwarzen" Liste gelandet sein. Jahre später traf Ron Sommer in seiner neuen Eigenschaft als Aufsichtrat eines weltweiten Hardware-Konzerns eine damals betroffene Journalistin: Sie unterhielten sich angeregt und ausgiebig, da waren diese dunklen Zeiten offenbar längst vergessen, die Zeiten ändern sich - oder auch nicht.
Nach Ron Sommer kam Kai-Uwe Ricke und erlitt am Ende seiner Amtszeit das gleiche Schicksal wie sein Vorgänger. Die Börse wollte gute Zahlen, egal wie. Die hätte man erreichen können, indem man die deutsche TK-Infrastruktur zerschlagen und alles, was sich nicht sofort und hier und gleich rechnet, rausgeworfen hätte, insbesondere über 100.000 total verunsicherte Mitarbeiter, die eigentlich genug zu tun hätten, wenn es vernünftig organisiert wäre und die Kunden oder die Börse das bezahlen wollten, wollen sie aber nicht.
Nun gegen Ende der Amtsperioden von Sommer und Ricke hat man also versucht herauszubekommen, wo die "undichten" Stellen sind. Da man eine Menge an Daten im Haus hatte, verfiel man der Versuchung, dort einfach mal kurz hinein zu schauen. Welcher Aufsichtsrat telefoniert oder trifft sich mit welchem Journalisten?
Genutzt hat es am Ende nichts. Die Geschichte flog auf, weil die T-Geldquellen eines privaten Schnüfflers versiegten und der sich bei einem Hamburger Nachrichtenmagazin "ausweinte".
"Geheime" Informationen sind immer besonders reizvoll. In einer schlagzeilenträchtigen Welt sind "schlechte" Nachrichten "gute Nachrichten", weil sie die Einschalt- und Verkaufsquote steigern.
Datenschutz ist ein sperriges Thema, weil den meisten Menschen das Bewußtsein dafür fehlt, was Datenschutz eigentlich ist und was er sein soll. Wenn die private oder berufliche Neugier befriedigt werden kann und soll, dann ist der Datenschutz auf einmal "nicht mehr so wichtig".
Innenminister Wolfgang Schäuble hat die Chefs der deutschen Telekommunikationsfirmen zum Gespräch bestellt. Das ist an sich eine gute Idee. Doch die meisten Firmen wollen nicht kommen, weil ihnen das Thema "lästig" ist, denn Datenschutz bedeutet Einschränkungen, Kontrollen und das kostet ja alles bloß Geld und bringt doch nix. Was zeigt, daß das Thema überhaupt nicht verstanden wurde.
Wenn man also auf die Branche schimpfen will, dann muß man auf Alle schimpfen und nicht nur auf die Deutsche Telekom, bloß weil das gerade mal wieder "schick" ist.
Man kann sich irgendwie des Eindrucks nicht erwehren, daß es Kräfte in diesem Lande gibt, die der Deutschen Telekom und ihrem symphatischen Chef nicht die Butter auf dem Brot gönnen. Nach Ansicht von Fachleuten hat Rene Obermann in seiner Amtszeit schon mehr bewegt, als viele Andere vor ihm. Die Aufgaben und Herausforderungen sind gigantisch. Kundenzahlen schrumpfen, weil es mehr Anbieter als "früher" gibt, die im Wettbewerb stehen. Die Umsätze schrumpfen, weil die Preise sinken. Die Leute wollen oder müssen sparen, vieles "rechnet" sich nicht mehr.
Erst wenn das letzte T-Kabel abgeklemmt und der letzte T-Techniker in die Arbeitslosigkeit gescheucht wurde, wird es vielleicht einigen dämmern, daß die TK-Wirtschaft ohne die Deutsche Telekom gar nicht existieren kann, egal ob man das nun gut findet oder nicht.
Wer die Sache unvoreingenommen sieht, wird bemerken, daß sich der Service der Deutschen Telekom etwa beim Privatkundenangebot deutlich gebessert hat. Die Deutsche Telekom ist gerade dabei, verlorene Kunden zurück zu gewinnen, welche die Service-Katastrophe gewisser privater Anbieter einfach nur noch leid sind - einschlägige Internetforen sind voll davon.
Anstatt die hausgemachten Probleme wirklich anzugehen, schimpfen die privaten Anbieter lieber auf die Telekom.
An die richtige Lösung: Klare verständliche und durchschaubare Tarife und einen Service, der den Kunden ernst nimmt und dem Kunden sein Geld wert ist, traut sich irgendwie keiner wirklich ran.
Der beste Datenschutz ist übrigens der, wo nur die Daten gesammelt werden, die man unbedingt braucht oder die der Kunde selbst haben will. Es ist doch so: Wenn der Kunde eines Tages seine Daten braucht, um irgendetwas nachzuweisen oder aufzuklären, dann greift der Datenschutz "dürfen wir Ihnen nicht sagen" oder die gesammelten Daten sind fehlerhaft oder unvollständig oder wurden "aus Datenschutzgründen" längst gelöscht.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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