"Verschlanken" sagt mein Freund Gunter (Name geändert) immer, wenn er sich mit mir über Mobilfunk unterhält.
Gunter telefoniert mobil... seit den Anfangstagen von D1 und D2, vorher hatte er einen Cityruf-Empfänger. Seit dem Start von E-Plus war er bei den grünen Vögeln gelandet, die waren ihm irgendwie symphatisch. Irgendwann buchte er den Tarif Professional XL und telefonierte sekundengenau ab der ersten Sekunde zu (umgerechnet) 20 Cent/Minute in fremde Netze, monatliche Rechnungen von 200-400 DM (100-200 Euro) waren damals die Regel und er war trotzdem zufrieden.
Solange, bis... BASE kam. Da wurde er sauer. "Warum zahl ich soviel, wenn die das jetzt auf einmal verschenken?" Natürlich wollte er sofort zu BASE wechseln, aber dort wies man ihn schroff ab. "Erst mal ihren E-Plus-Vertrag zum Ende der Laufzeit regulär kündigen, oder... einen neuen zusätzlichen Vertrag abschließen!"
Zähneknirschend tat er das und sehnte das Ende seines Professional Tarifs herbei, seine weitbekannte E-Plus-Nummer portierte er am Ende des E-Plus-Vertrages unter großen Schmerzen auf den neuen vertrag: Ein Wochenende lang "Nummer nicht vergeben" das kann so grausam sein, aber BASE portierte am Samstag und Sonntag nicht.
Laufend brachten E-Plus und BASE neue Angebote, die immer besser wurden. Er als "Altkunde" bekam immer nur zu hören "Nein, Sie müssen erst Ihren Vertrag... oder einen weiteren unterschreiben." Der Frust stieg und stieg.
Als VIAG / heute o2 mit Genion kam, war er dabei. Es gelang ihm, eine MSN-Rufnummer aus seinem ISDN-Anschluß von Telekom zu o2 zu bugsieren, ohne den ISDN-Anschluß zu kündigen - obwohl das offiziell gar nicht gehen soll. Die o2-Homezone funktionierte anfangs nicht so recht, der Hotline mußte erst einmal klar gemacht werden, welche Sender wirklich in seiner Betonplatten-Eigentumswohnung einstrahlten.
Danach ging es, manchmal auch nicht. Die bundesweite Homezone machte ihn glücklich, bundesweit unter einer Nummer kostengünstig erreichbar, manchmal auch nicht.
Eines Tages wurde die Sprachqualität bei o2 immer schlechter, doch die o2-Hotline fand keine Störung, genauer die ausgelagerten Hotliner hatten keine Lust, das an kompetente Menschen weiterzumelden, weil "lohnt doch gar nicht."
In der Zwischenzeit hatte er noch zwei weitere Genion-S-Verträge "ohne Handy" abgeschlossen. Eine Festnetznummer für die Firma, die man nach Feierabend abschalten konnte, praktisch. Eine weitere mobile Festnetznummer für die Liebe, er bewegte sich auf Freiersfüßen, war sich aber noch nicht im Klaren, was da was werden könnte, das sollte man trennen. Umgeleitet wurde auf diverse Loop-Karten, die sich dank Easy-Money gut "auftanken" ließen und auf eine Tchibo-Karte, wegen der schönen Nummer und weil deren Tarife interessant waren.
An Silvester blieben die SMS-Nachrichten im E-Plus Netz stunden bis tagelang stecken, der Frust stieg.
Als T-Mobile nach jahrelangem Warten die In-Alle-Netze Flatrate namens "Max-L" anbot, war sein Entschluß klar.
Nachdem seine Tchibo-Karte nach wenigen Minuten im seinem heißgeliebten Nokia 6310i Handy "verrückt" spielte, hatte er diese gekündigt und von Tchibo das hohe (vorher einbezahlte) Restguthaben zurückgefordert. Das hat sogar geklappt!
Dann wurden alle Genion-Verträge gekündigt. Bei Genion-S ging das relativ flott, der Laufzeitvertrag (mit Handy) war auch schnell vorbei. Die ehemalige Genion-Home Nummer (die einst von der Telekom rausportiert worden war) ist längst wieder unversehrt in seinem Telekom ISDN-Anschluß zurückgekehrt.
Seinen T-Home-Festnetzanschluß erweiterte er um die "D1-Flatrate" (für 14,95 Euro Aufpreis) und den Parallelruf (2,50 Euro) Aufpreis. Wenn jetzt jemand bei ihm auf dem Festnetz anruft, klingelt es wenige Sekunden später parallel auf dem D1-Handy, die Weiterleitung dahin ist in der "D1-Flat" enthalten. Die Bundesweite Homezone ganz legal und ohne Tricks oder Probleme. Das war schon immer sein Traum gewesen.
Sein Base-Vertrag ist gekündigt, im September ist es soweit. Bis dahin schaut er auf das Handy-Display, ob noch Anrufe auf der alten Nummer reinkommen. Die Mailbox hat er schon abschalten lassen.
Schon vor Jahren hatte er es mit etwas Glück geschafft, einen D1-Vertrag mit der gleichen Rufnummer wie seinen E-Plus-Anschluß (nur mit anderer Vorwahl) zu ergattern. Den hatte er dann in einem Xtra-Prepaid-Tarif "geparkt", jetzt wurde er zum Max-L befördert. Der Mann im T-Punkt hatte leuchtende Augen, als er sah, mit welchem Kunden er es zu tun hatte.
Den auslaufenden Base könnte er zu Simyo portieren, würde wohl nichts kosten, außer aktuell 3 Euro für die neue SIM-Karte, aber er will nicht mehr. "Eine Mobilfunk-Nummer reicht mir."
Die Bilanz: Eine Menge "schöner" CallYa Karten gekündigt oder bei Ebay verkauft ("der Aufwand lohnt eigentlich nicht"), 1 Tchibo Prepaid gekündigt und ausbezahlt, diverse Loops leer telefoniert, 3 mal Genion sind schon weg, der Base-Vertrag endet in Kürze.
Geblieben sind ein Telekom Call & Surf Comfort Plus Anschluß mit D1-Flat und Parallelruf und der T-Mobile Max. Billig ist das alles zusammen nicht, aber "stressfrei".
Dabei hat er auch bei der neuen Kombination was zu kritisieren. T-Mobile verkauft ihm für 4,95 Euro extra eine SMs-Flatrate (hat er gebucht), die geht aber nur zu T-Mobile-Anschlüssen. Ihm fehlt noch eine SMS-Flat in alle deutschen Netze (meinetwegen auf 3000 SMS/Monat begrenzt) , die es bei Vodafone D2 schon gibt.
Und der Netzausbau von T-Mobile wäre an vielen Stellen noch dringend verbesserungsfähig, "da müßten noch mehr Sender aufgestellt werden."
Nun mag Gunter ein Extremist sein. Aber er ist seinem Traum von Einfachheit ein deutliches Stück näher gekommen. Eigentlich, so sinniert er, war das Netz von E-Plus gar nicht so schlecht, insbesondere in Punkto Sprachqualität ist E-Plus den Bonnern Mobilfunkern haushoch überlegen. Aber die konstante Weigerung von E-Plus, die Mobilfunkkunden über eine Festnetznummer erreichbar werden zu lassen und vor allen Dingen die mehr als patzige Kundenbetreuung, die Altkunden als die letzten D...ussel abstempelt und nur auf Neukunden aus ist, haben ihn in seiner Entscheidung bestärkt.
Bei o2 hat ihn genervt, daß die Hotline viele Probleme nicht verstehen konnte oder wollte, irgendwann war das Limit überschritten.
Die Vodafone Betreuung war eigentlich gut, aber seit einiger Zeit merkt man auch, daß das Unternehmen seinen Kunden mehr verkaufen will, als die eigentlich wollen.
Mit privaten Festnetzanbietern hat er sich nie befasst. Das wäre ihm viel zu riskant, denn da ist die Telekom meistens doch unsichtbar mit im Boot, kann aber im Störungsfalle nur über den privaten Anbieter "angesprochen" werden. Neulich war sein DSL defekt. Es gelang ihm, einen kompetenten T-Techniker an die Leitung zu bekommen und nach einer Beschwerde war auch klar, daß er ein höheres Service-Level gebucht hatte, er bekam eine Gutschrift und die irrtümlich abgebuchte Service-Pauschale zurück. Auch bei der Telekom ist noch nicht alles so, wie es eigentlich sein sollte.
Von Service-Providern hat er die Nase auch voll, ein kurzer Ausflug zu Debitel Crash hat ihm gereicht. Anfangs hatte er die Karte nur zum "Spielen" bestellt, war aber dann kurz davor, richtig loszutelefonieren, da haben sie schon gekündigt. Das war ihm eine Leere.
Verschlanken! So wenig wie möglich und das von guter Qualität. Gunter mag ein Extremist sein, aber er könnte einen neuen Trend einläuten. Auf diesen Trend ist die Branche aber absolut nicht vorbereitet. Und das könnte sie am Ende teuer zu stehen kommen.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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