15.06.08
Permalink 20:07:21, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 753 Wörter   German (DE)

Wenn Payback CallYaKarten verschenkt...

Es war ein mal eine junge Dame, die bekam Post von Vodafone. Eine kostenlose CallYa Karte mit einem Startguthaben von 3 Euro, laut Begleitschreiben im Tarif Talk&SMS mit der einfach merkbaren Rufnummer 01522...

[Mehr:]

Die junge Dame wunderte sich, weil sie eigentlich nichts in dieser Richtung bestellt hatte. Nun gut, dachte sie, die Karte kann ich ja mal probieren - zumal für eine Aufladung mit 15 Euro noch 500 Payback Bonus-Punkte versprochen wurden. Sie legte die SIM-Karte in ihr Handy ein. Das mit *100# abgefragte Guthaben betrug genau 0 Euro - nanu, wo sind die 3 Euro geblieben?

Dann wollte sie unter www.vodafone.de ihr Internetkonto mit der eigenen e-mail-Adresse einrichten, doch das Kundenkennwort dafür wußte sie auch nicht - die SuperPIN half auch nicht weiter.

Ein Anruf bei der Vodafone-Kundenbetreuung brachte folgendes zu Tage: Die Karte wurde bereits im April bei Vodafone aktiviert und offenbar mit eigenen Kundendaten vom Rabatt-System Payback versehen worden, sprich Vodafone kannte nicht die wahren Kundendaten der jungen Dame, wo die Karte am Ende angekommen war. Durch die frühe Aktivierung war das Startguthaben längst aufgebraucht, denn der Talk & SMS Tarif kostet 1,50 Euro im Monat, egal, ob er genutzt wird oder nicht.

Selbstverständlich schrieb die Vodafone Hotline die fehlenden 3 Euro binnen weniger Minuten wieder gut. Um aber das Kundenkennwort zu erfahren, wäre eine Umregistrierung auf den wirklichen Kunden notwendig, beschied die Hotline und verschickte per e-mail ein Ummeldeformular.

Hätte die Kundin nicht einen kundigen Mobilfunkspezialisten gekannt, wäre die Karte wohl ungenutzt im Papierkorb gelandet, auch der leider nicht kostenlose Anruf zur CallYa Hotline wäre wohl nie erfolgt...

Wer hat Schuld?

Da Payback diese Karte laut beiliegendem Begleitschreiben erst am 10. Juni verschickt hatte, war das Guthaben im April und Mai bereits verbraucht worden, obwohl die Karte bis dahin noch nie benutzt worden war.

Was bringt die Aktion?

Wird ein Mensch, der eine bei Ankunft leere Vodafone-SIM-Karte per Post geschenkt bekommt, deswegen aktiver Vodafone-Kunde?

Ich habe da meine Zweifel. War der Mensch es vorher schon, braucht er keine neue Karte. Ist er bei einem anderen Anbieter, müßte das neue Angebot schon super gut sein (vielleicht eine schicke Nummer oder ein wirklich attraktiver Tarif?)

Das verschickte Talk & SMS Angebot richtet sich aber an Vielnutzer im Vodafone-Netz und die haben vermutlich längst ihre Karte und ihren Tarif. Für Wenignutzer ist der Talk & SMS Tarif eher unattraktiv, weil er auch bei Nichtnutzung 1,50 Euro im Monat kostet. Für permanente Vielnutzer, deren Bekanntenkreis überwiegend im D2-Netz funkt, ist der Tarif ganz originell.

Jedes Gespräch in deutsche Vodafone D2- oder ins deutsche Festnetz kostet 29 Cent, die Dauer ist egal. Jede erste SMS in Vodafone-Netz pro Tag kostet 29 Cent, alle weiteren SMS sind zum Vodafone D2-Netz dann kostenfrei, bis zu 100 pro Tag, was schon verdammt viel Zeug ist.

Anrufe oder SMS in andere Netze, werden aber wie bisher mit 29 Cent pro Stück bzw. pro Minute tarifiert. Für Neukunden, die vielleicht keinen Kunden im D2-Netz kennen, eine unangenehme Überraschung ...

Vielleicht hätte eine generelle Preissenkungsrunde für Vodafone-Bestandskunden mehr gebracht? Wenn ein (zufriedener) Bestandskunde ein neuen Vodafonekunde wirbt, hätte er vielleicht einen dauerhaften Rabatt oder wenigstens ein Bonusguthaben bekommen. Das wäre am Ende preiswerter und die Bestandskunden wären zu wahren Fans geworden, wie es Herr Joussen richtig erkannt hat.

Aber so wurden nur SIM-Karten verschickt (die Karten kosten Geld, die Briefe kosten Porto) Die Hotline mußte für den Kunden recherchieren, was schief gegangen ist, 3 Euro mußten erneut aufgebucht werden (sind auch etwas "wert") und der neugierige Kunde schüttelt am Ende sein Haupt über die "perfekte" Organisation, seines möglichen künftigen Mobilfunkanbieters.

Vielleicht ist das ja auch nur ein total bedauerlicher Einzelfall. Wer weiß das schon so genau...

Vielleicht ist der Markt auch längst übersättigt und die Erfolgsquote solcher Aktionen geht nahe gegen Null.

Vielleicht mögen die Kunden keine Tarife, die auf den ersten Blick "gut" aussehen, aber dann jede Menge "Nebenwirkungen" haben?

Vielleicht fällt den Anbietern einfach nichts Vernünftiges mehr ein?

Vielleicht ist diese gut gemeinte Aktion durch den "verspäteten Versand" beim Partner Payback total in die falsche Richtung für Vodafone gelaufen?

Vielleicht habe ich diese Aktion auch total falsch verstanden.

Vielleicht...

Was meinen die Blog-Leser?

P.S. Update: Die junge Dame hat sich entschlossen, die Karte nicht aufzuladen oder umzuregistrieren, die 3 Euro hat sie für Test-SMS und Anrufe, um den Tarif zu prüfen ausgegeben. Sie empfand den Tarif am Ende als unattraktiv.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Tim [Besucher]
Ich hätte die kostenpflichtige Hotline nicht angerufen und hätte die CallYa sofort entsorgt. Wer ungefragt SIM-Karten verschickt muss sich nicht wundern, wenn diese niemals eingebucht werden.
Permalink 15.06.08 @ 21:18
Kommentar von: Lars [Besucher]
"Die Karte wurde (...) offenbar mit eigenen Kundendaten vom Rabatt-System Payback versehen (...), sprich Vodafone kannte nicht die wahren Kundendaten der jungen Dame."

Soso...!! Wenn also Herr Schäuble bei Vodafone anfragt, wer denn dies und das getrieben hat, dann erwidert man achselzuckend "Fragen Sie doch mal bei Payback, die haben unsere Simkarten unters Volk geschmissen."
Permalink 15.06.08 @ 23:18
Kommentar von: Horsti [Besucher]
...also ich habe meine Payback-Callya-SIM fachgerecht entsorgt. Ich bekam nämlich ebenfalls eine entleerte SIM unaufgefordert zugeschickt und testete nur kurz den Guthabenstand. Das Wie und Warum ist mir eigentlich völlig egal. Meines Erachtens sind die Netzbetreiber noch Lichtjahre von den eigenen Wunschvorstellungen bezüglich Service, Kundenbeziehungen etc. entfernt.

Man versucht mit den Werkzeugen der Vergangenheit noch ein Stück Zukunft zu retten, schwafelt nebenher von "Fanbeziehungen", "Serviceoffensive", "der Kunde steht ab sofort im Mittelpunkt" usw. Aber man tut letztlich nichts wirklich sinnvolles um die Zukunft des eigenen Unternehmens zu sichern und neue Perspektiven zu öffen.

Das Ganze erinnert in weiten Zügen an die Rentendiskussion/-verarsche und andere Preudoreformen der Berliner Parteiendiktatur. Offenbar sind in Deutschland sowohl Manager als auch Politiker vergleichsweise unkreativ und nur auf Machterhalt und Besitzstandswahrung fixiert.

Nach den Aktionen, wie sie payback für Vodafone erledigt hat, kann man sich fragen was das alles soll. Muss man aber wirklich nicht, denn diese Art "Neukundengewinnung" wird Erfolgsquoten haben, die zum Himmel schreien. Ebenso werden doch mittlerweile kostenlose Congstars, Tchibo-SIMs mit 20 € Begrüßungsguthaben, 3€-Simyos etc. etc. massenweise abgegriffen, entleert und entsorgt. Wer sollte es der werten Kundschaft aber auch verdenken, derartig undurchdachten Müll nicht einfach abzugreifen, auszunutzen und weg zu schmeißen. Worüber ich dabei nur stauen ist, dass immer breitere Nutzergruppen zu Abgreifern mutieren und die NBs Aktion für Aktion nachschieben. Bei denen scheint tatsächlich niemand richtig mit zu zählen.

Wenn ich mir beispielsweise meinen Nachbarn (Student) ansehe, der kommende Woche für 14 Tage nach England fährt, so hat der sich rechtzeitig mit kostenlosen oder fast kostenlosen SIMs eingedeckt, wird ausgiebig SMS senden und sich für lau anrufen lassen können, ohne das der/die NBs mit den "investierten" 15 SIMs auch nur einen einzigen Neukunden gewonnen hätten.
Permalink 16.06.08 @ 06:08

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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