22.06.08
Permalink 23:34:24, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 630 Wörter   German (DE)

Schwachstelle Datensch(m)utz

Ein Mobilfunkkunde bekommt Post von seiner Bank: Ob er denn umgezogen sei und warum er das nicht gemeldet habe. Diese Info habe die Bank von der Schufa erhalten.

Der Clou: An der neuen Adresse wohnt der Kunde aber gar nicht. Im Zuge der Recherchen stößt der Kunde noch auf einen Doppelgänger.

[Mehr:]

Ben Blicker (Name und Adressdaten geändert), ist ein aktiver Mobilfunkkunde, der alles ganz genau wissen will. Seine Geschichte mag ein Einzelfall sein, der Datenschutz treibt hier kuriose Auswirkungen.

Das Tagebuch des Ben Blicker:

08.05.2008: Über das Vodafone-Kundenportal im Internet gibt Blicker seine neue Adresse ein: Umzug am 01.06.08. Im Kundenportal erscheint die richtige Adresse "Am alten Bach". Auch in "Meine Schufa" (=Internetauskunft der Schufa) steht bereits die neue Adresse korrekt drin.

30.05.2008: Ummeldung beim Meldeamt der Gemeinde.

02.06.2008: Eine Bank ruft an und fragt ob er schon wieder umgezogen sei und wieso er das nicht mitgeteilt habe. In der Schufa steht plötzlich "Altenbachstraße" und eine andere Postleitzahl. Die Straße gibt es wirklich, nur da wohnt der Kunde nicht.

Nachfrage bei der Schufa, woher die falschen Daten kommen. Die Antwort: "Wir können Ihnen aus Datenschutzgründen nicht sagen, wer die falschen Daten geliefert hat."

Im Zuge der Ermittlungen, entdeckt Ben Blicker, daß er einen Doppelgänger hat. Der hat den gleichen Vor- und Nachnamen, wohnt auch in der gleichen Stadt, aber an einer ganz anderen Adresse und hat ansonsten mit der Geschichte nichts zu tun.

Erst auf Druck durch den Datenschutzbeauftragten und nach einer Strafanzeige des richtigen Kunden, ergibt sich, dass Vodafone am 08.05.2008 die falsche Adresse ("Altenbachstraße") an die Schufa gemeldet hat, in ihren eigenen Datenbanken aber nichts verändert hat.

Nach der geharnischten Reklamation des Kunden hat die Schufa alle dort gespeicherten Daten inzwischen berichtigt. Auf Nachfrage bestätigt Vodafone, daß in ihrem Kundenportal die ganze Zeit die korrekte Adresse seit Beauftragung des Umzugs gespeichert war.

12.06.2008: Schriftliche Nachfrage bei Vodafone: "Wieso hat Vodafone andere Adressdaten an die Schufa übermittelt als im vodafoneeigenen System eingetragen wurden?"

21.06.2008: Antwort von Vodafone:

Brief an
"Schufa Holding AG
Am alten Bach x
xxxxx Ort

Sehr geehrter Vodafone-Kunde, vielen Dank für Ihre Mitteilung. Sie wollen Ihre persönlichen Daten ändern lassen. Leider fehlen uns noch wichtige Angaben oder Unterlagen.

Bitte füllen Sie deshalb einfach das beigefügte Formular komplett aus und schicken Sie es zusammen mit den erforderlichen Kopien zurück. Oder faxen Sie es an: 02102/986575.

Auf folgende Angaben und Unterladen können wir nicht verzichten:
- Ihre Handy-Nummer oder Ihre Kundennummer
- Bei Namensänderung von Privatpersonen eine Kopie des neuen
Personalausweises oder eine amtliche Bestätigung der Namensänderung
- Bei Namensänderung von Firmen eine Kopie des Handelsregister-Auszugs
- Unterschrift des Kunden
[...]"

Vodafone geht nun also davon aus, dass der Kunde nun "Schufa Holding AG" heiße und fordert von ihm Dokumente, die diese Namensänderung belegen sollen.

Soweit das Tagebuch.

Ein Einzelfall? Hoffentlich. Selbst wenn man "Ben Blicker" heißt, muß man mit einem Doppelgänger rechnen. Heißt man Schmid, Meier oder Müller kann das kurios werden, wenn plötlich Kredite vorzeitig gekündigt oder Verträge verweigert werden, weil die Daten durcheinander geraten sind.

Datenschutz ist wichtig, nur muß wenigstens der Betroffene problemlos erfahren können, welche Daten über einen selbst wo und warum gespeichert sind. Und da hakt es mitunter gewaltig.

Immerhin: Die Schufa kann bei Maier, Müller und Schmidt eine Sperre einrichten, damit neu gemeldete Daten von einem Mitarbeiter erst persönlich auf Plausibilität überprüft werden. Offiziell geht das nur bei sehr oft vorkommenden Nachnamen, wo Verwechselungen an der Tagesordnung sind. Allerdings wurde bei Ben Blicker nun auch diese Sperre gesetzt.

Ergänzung: Es gibt einen Entwurf im Bundestag, dass Schufa-Abfragen (bzw. das Erfragen von gespeicherten persönlichen Daten bei einem Unternehmen) generell kostenlos sein müssen.

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Henning Gajek [Mitglied] · http://blog.xonio.com/gajeks_welt/
Heute (Montag) hat sich die Vodafone Pressestelle gemeldet und mit dem betroffenen Kunden direkten Kontakt aufgenommen. Er wird eine "Wiedergutmachung" erhalten :-) So nimmt diese Geschichte doch noch ein gutes Ende :-)

Gruss

Henning Gajek
Permalink 23.06.08 @ 14:20

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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