Mit dem Handy in den Urlaub? Aber klar. Welchen Tarif und welche Karte nimmt man mit?
Raoming: Ein beliebtes Thema vor jeder Sommersaison. Mit welcher Karte und welchem Tarif in den Urlaub?
Reicht das "Reiseversprechen" bei Vodafone und E-Plus, wo man im Prinzip die gleichen Tarife wie "zu Hause" bezahlt, wenn man nicht gerade eine Flatrate gebucht hat, von einem einmaligen Aufschlag von 75 Cent pro Verbindung mal abgesehen?
Oder bucht man die T-Mobile Relax Holiday Option, wofür es ein paar Urlaubsminuten im Paket "günstiger" gibt, was übrigens auch im Noch-Nicht-EU-Mitgliedsland Kroatien gilt?
Oder doch die o2 Roaming-Option mit wirklich günstigen Konditionen, die übrigens auch in der Schweiz gelten, welche neutral bleiben, sprich gar kein EU-Land sind?
Oder doch gleich eine spezielle Roaming-Karte, wo ankommende Gespräche im Ausland meistens schlicht gar nichts kosten, wie die "UM 423" mit der coolen Liechtensteiner Handyrufnummer von United-Mobile oder die "UM+" mit der britischen Mobilfunkvorwahl der Insel Jersey vom gleichen Anbieter?
Andere schwören hingegen auf SIM-Karten im virtuellen Netz von vistream. Im Ausland roamt man mit Callback als E-Plus Kunde und zahlt wesentlich weniger als bei üblichen Vertrags oder Prepaidtarifen, sofern der Callback klappt, das Einbuchen muß man "manuell" machen.
Oder vielleicht eine Karte von AirBaltic mit der nostalgischen 00372 Vorwahl (die frühere Vorwahl von "Berlin, Hauptstadt der DDR") ?
Oder sollen es ganz exotische Karten mit Rufnummern in Israel, Island oder noch ganz woanders sein?
Am Ende kommt steht entscheidende Frage: Funktioniert das alles auch, wenn man es wirklich braucht?
Tom Rüttler (Name geändert) ein bekennender Mobilfunkfreak entschied sich in diesem Urlaub kurzerhand für seinen T-Mobile Max-Vertrag ohne jegliche Urlaubs-Option. Da sein Urlaub innerhalb den EU-Grenzen stattfinden sollte, sagte er sich, "für die 2-3 Telefonate kann ich auch den "Viviane-Reding"-Tarif nehmen, schließlich will ich im Urlaub ja entspannen und weiß ja, daß es funktioniert". Also packte er seine T-Mobile Karte ein.
Doch dann überkam ihn kurz vor der Abreise das gewisse "man weiß ja nie" Gefühl und so legte er sicherheitshalber noch seinen Vodafone D2 50 Minuten-Vertrag mit dem "Reiseversprechen" und eine übrig gebliebene Congstar Prepaid-SIM-Karte dazu.
Der günstige Urlaubsflug mit German Wings brachte ihn zum Schmunzeln: Am Flugsteig stand die "Spirit of T-Com" bereit.
Auf Mallorca angekommen, wartete er auf seinen T-Mobile Karten (Original und Congstar) vergebens auf die SMS mit den vorgeschriebenen Roaming-Informationen. Bei Vodafone kamen diese sofort. Die darin angegebene kostenlose Rufnummern, wo man sich zum Thema Roaming informieren kann, funktionierten einwandfrei.
T-Mobile buchte sich in Mallorca in das Netz von Orange (vormals Amena) ein, Vodafone meldete sich erwartungsgemäß bei den spanischen Kollegen (vormals Airtel) an.
Die Qualität der spanischen Mobilfunknetze sei ziemlich durchwachsen, berichtet Tom. Teilweise höre man sekundenlang "Gewusel" und dann ein Klingelzeichen. Manchmal hört man auch gar kein Klingelzeichen, aber der Angerufene ist plötzlich dran. Ein anderes Mal brauchen Verbindungen bis zu 3 Sekunden, bis man sich gegenseitig hören kann, das erinnert irgendwo an schlechtes VoIP.
Spanische Netze scheinen, was SMS-Versandbestätigungen betrifft, niedrigste Priorität im Netz zu haben, sie kamen teilweise erst 5-10 Minuten später an, dabei war die eigentliche SMS bereits sofort beim Empfänger angekommen.
Gag am Rande: Der Rückflug wurde mit der "Spirit of T-Mobile" absolviert.
Zur abschließenden Kostenkontrolle vor dem Rechnungsschock: Bei T-Mobile konnten im Internet direkt nach der Rückkehr 10,46 Euro kosten abgerufen werden, allerdings lagen noch nicht alle Reisetage vor. Bei Vodafone hingegen waren die Daten schon korrekt abrufbar, was mit dem ReiseVersprechen-Tarif ja auch problemlos realisierbar ist.
Bekennende Tiefpreis-Spar-Gurus werden ob solcher Nachrichten sicher die Augen verdrehen. Die Marketing-Profis bei T-Mobile und Vodafone werden sich freudig auf die Schulter klopfen.
Gemach. Die deutschen Mobilfunkpreise sind nachwievor dringend erklärungs- und reformierungsbedürftig. Frau Reding bestätigt der jammernden Mobilfunkbranche, daß sinkende Preise die Nutzung durchaus steigern können, seit der Roaming-Regulierung um 14 Prozent beim Umsatz übrigens.
Eins zeigt der Blick nach Spanien aber auch: In Sachen Netzqualität müssen wir verwöhnten Deutschen im Urlaub gewaltige Abstriche machen.
Für Sparfüchse bleiben noch genügend Marktnischen für Urlaubs und Roaming-Karten mit oder ohne Call-Back und exotischen Vorwahlen. Keine Bange.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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