Blendende Zahlen stellte die E-Plus-Gruppe heute der staunenden Öffentlichkeit vor. Der sogenannte Serviceumsatz wuchs um 8,1% auf 757 Millionen Euro, der Verdienst nach Abzug von Steuern und Abgaben (EBITDA) legte um 5,1% gegenüber dem Vorjahr zu und die aktivierte SIM-Kartenzahl ("Kundenzahl") stiegt um 780.000 auf 16,2 Millionen.
Das sei das stärkste Wachstum seit 8 Jahren, melden die Düsseldorfer, die damit ihren
"profitablen Wachstumskurs der vergangenen Jahre im zweiten Quartal 2008 ungebremst" fortsetzen, wie das im besten Börsendeutsch heißt.
E-Plus ist sich sicher, daß die Umsätze aus Mobilfunkdienstleistungen, also Telefonate, SMS, Datenverbindungen, Mehrwertdienste etc. mit 757 Millionen Euro erneut das stärkste Umsatzwachstum unter den deutschen Netzbetreibern sein werden und das kontinuierlich seit zweieinhalb Jahren (oder 10 Quartalen). Damit sei der Marktanteil am Serviceumsatz von 13,7 Prozent im Vorjahr auf rund 15 Prozent gestiegen.
Frau Reding wird den folgenden Satz gerne lesen: "Dank eines starken Teilnehmer- und Nutzungszuwachs konnten geringere Roaming-Entgelte und niedrigere Terminierungsentgelte mehr als kompensiert werden."
Im Lebensmitteleinzelhandel wird in niedrigen Prozentbereichen verdient, beim Mobilfunk sehen die Zahlen deutlich besser aus: Mit 38,1 Prozent im 2. Quartal liegt die sogenannte Ebitda-Marge "erneut auf Augenhöhe mit den Marktführern und ist auch international ein Spitzenwert".
E-Plus war auf Einkaufstour: "Strategische Zukäufe im Vertrieb wie blau Mobilfunk, Ortel, SMS Michel, sowie der Einzug in 50 ehemalige Tchibo-Ladenlokale stärken unsere Position in Wachstumssegmenten weiter", freut sich E-Plus CEO Thorsten Dirks.
Zum 30. Juni 2008 zählte er 16,2 Millionen Karten in seinem Bestand, 2,6 Millionen mehr als ein Jahr vorher. 58 Prozent seiner Kunden (genauer SIM-Karten) sind bei Eigen- und Kooperationsmarken unter "Vertrag" (auch hinter einer Prepaidkarte liegt rechtlich gesehen ein Vertrag:-) Knapp 6,4 Millionen telefonieren mit einem Laufzeitvertrag, 9,8 Millionen nehmen lieber eine Prepaidkarte ohne weitere Verpflichtung. Nicht bekannt ist, wieviele Karten als reine "Schubladenkarten" zur Finanzierung eines Handys abgeschlossen wurden.
Dank gesunkener Tarife werden die Handys mehr als früher genutzt, doch nicht soviel mehr, um die gesunkenen Einnahmen aufzufangen. Die magische ARPU Zahl (Durchschnittsumsatz pro Kunde und Monat) liegt bei 16 Euro ("blended ARPU") und bei Vertragskunden bei 29 Euro (Minus 3%) und bei Prepaid-Kunden bei 6 Euro. 22% der Umsätze werden durch Datenverkehr inklusive SMS erzielt.
Was haben die Düsseldorfer richtig gemacht? Massiv die Kosten reduziert und alles, was nicht niet und nagelfest ist, ausgelagert. Das freut die Mami KPN in Holland bestimmt, der Kunde sieht es mit gemischten Gefühlen.
E-Plus hat die Kundengewinnungs- und Kundenbindungskosten um 32% zum Vorjahr gesenkt, sprich die Händler bekommen noch weniger Provision, falls überhaupt, weil viele Verträge längst übers Internet direkt mit dem Endkunden abgeschlossen werden. Viele Handyläden in den Hauptstraßen der Städte sind zeitweise gähnend leer oder haben schon geschlossen.
Natürlich kann ein gut informierter Kunde auf den Fachhandel verzichten, bis... es irgendwelche Probleme gibt. Dann schmort der Kunde in teuren Hotlines oder wartet sehnsüchtig, daß seine e-mails oder Briefe gelesen, verstanden und beantwortet werden.
Bei ständig steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel sind die Kunden natürlich an sinkenden Mobilfunktarifen interessiert. Immer wieder aus dem Boden schießende neue Marken erzeugen ein künstliches Wachstum, was es eigentlich gar nicht gibt. Da wird bei jeder Gelegenheit eine "neue" Karte gekauft (oder man bekommt sie geschenkt), vielleicht einmal aufgeladen und diese liegt dann 1 Jahr oder länger rum, bevor sie vom Anbieter schlußendlich deaktiviert und damit in der Statistik bereinigt wird.
Egal. Die Jagd nach "Neukunden" geht unaufhörlich weiter. Sich mit dem Bestandskunden, seinen Wünschen und Problemen zu beschäftigen ist da natürlich langweilig.
Hoffentlich nutzt E-Plus das verdiente Geld, um sein stellen- und zeitweise überlastetes Netz und seinen Kundenservice massiv auszubauen, auch wenn dadurch die EBITDA-Marge kurzzeitig wieder etwas sinken sollte.
Viele reden von der Nachhaltigkeit, doch im Mobilfunk scheint mir das für einige Spieler eher ein Fremdwort zu sein.

Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.
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