21.08.08
Permalink 20:31:03, Blog: Hennings Handy-Welt, Kategorien: Hennings Handy-Welt, 492 Wörter   German (DE)

Spart sich die Telekom kaputt?

Nun ist es also raus: Die Deutsche Telekom will rund zwei Drittel ihrer Call Center Standorte schließen. Auch wenn manche Blog-Leser bei mir eine gewisse Sympathie für die Telekom vermuten, halte ich dieses Unterfangen für den total falschen Ansatz.

[Mehr:]

Durch die Schließung Ihrer Call-Center spart die Deutsche Telekom sicher ein paar Kaffeeautomaten, wie es ein User in seinem Kommentar zu meinem Blog schrieb, vielleicht noch ein paar Hausmeister und auch ein paar Euro an Gebäudemieten.

Übrig bleiben total frustrierte Mitarbeiter, die zu ihrem Arbeitsplatz weit fahren müssen, damit die Umwelt unnötig belasten und die noch verbleibenden Kunden nicht mehr so betreuen können, wie es eigentlich sein müßte. Übrig bleiben total verunsicherte und enttäuschte Kunden, die der Telekom den Rücken kehren, nach dem Motto "wenn die auch nicht mehr besser als die Anderen sind, kann ich ja gehen."

Viele Callcenter-Mitarbeiter/innen arbeiten halbtags, weil sie ihre Familie mit Kindern oder Senioren betreuen müssen. Die würden es begrüßen, wenn sie ihren Job gleich von zu Hause aus oder aus der unmittelbare Nähe ausüben könnten. Man könnte sich kleine Mini-Call-Center vorstellen, wo für Arbeitskollegen und kleine Teams ein Raum oder eine Wohnung in der Nachbarschaft gemietet wird. Die notwendigen VPN-Signal-Leitungen liefert die Telekom, die Technik kostet heute nicht mehr die Welt.

Die Deutsche Telekom ist nicht der billigste Anbieter und wird es auch nie werden. Den flüchtenden Kunden kann man nur Einhalt gebieten, wenn man stabilere Technik und wesentlich besseren Service als die Konkurrenz bietet. Bestimmte Kunden werden alleine wegen des billigen Preises der Konkurrenz trotzdem flüchten, aber einige davon werden früher oder später wieder zurück kommen.

Irgendwann werden auch die Privaten lernen, daß ein Wettbewerb rein über den Preis nichts bringt, sie müssen lernen, daß es auch einen Wettbewerb bei Qualität und Service geben kann. Da ist aber Deutschland noch eine große Wüste. Nicht nur bei den Anbietern, sondern auch bei den Kunden, die glauben "gelernt" zu haben, daß TK generell gar nichts kostet, wenn man nur lange genug danach sucht.

Weil das Telekom-Netz einst so stabil und überdimensioniert gebaut wurde, ist der neue Sparkurs bisher einigermaßen gut gegangen. Aber irgendwann ist da auch mal Schluß.

Vielleicht sind Sie ja nur Mobilfunk-Kunde und zucken mit den Schultern, "Was kümmert mich die Telekom mit ihrem Festnetz, geschieht den Monoplisten doch Recht?"

Leider falsch gedacht. Auch beim Mobilfunk ist der Trend zum Auslagern und Konzentrieren festzustellen und selbst das beste Mobilfunknetz braucht ein stabiles und zuverlässiges Festnetz und vor allen Dingen qualifizierte Call-Center.

Sicher. Künftige Technik braucht per se weniger Arbeitskräfte. Dennoch: Guter Service kann nur durch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter geboten werden. Andernfalls war die Werbekampagne mit dem symphatischen ehemaligen Handy-Verkäufer Paul Potts rausgeworfenes Geld. Oder glaubt die Telekom etwa, daß ihre ehemaligen Mitarbeiter jetzt alle bei der Oper singen sollen?

Kommentare, Pingbacks:

Kommentar von: Horsti [Besucher]
Leider agiert doch die Telekom vergleichbar z.B. mit den Kirchen, den Landratsämtern etc. etc. Auch diese "Institutionen" schmeißen doch vornehmlich die "Frontschweine" raus, die die eigentliche Arbeit machen. Kirchen bauen Pfarrstellen ab, die Bistumsverwaltung selbst bleibt dick und rund. Landratsämter schließen Frontoffices in Form von Außenstellen, reduzieren Öffnungszeiten etc. Die innere Verwaltung, der Selbstbefriedigungsapparat bleiben nahezu verschont.

Die Ursache für derartige Fehlentscheidung ist IMHO ganz klar die Quelle der "Reform", nämlich das BackOffice bzw. der Schnarchtierzoo in den gehobeneren Etagen. Wieso sollten die die eigenen Äste absägen, besser kürzt es sich doch im Keller...

Will man wirklich ausmisten, brauchts kompromisslose Sanierer, analog Krammer bei Eplus, der eine ganze Hirarchieebene raus schmeißt und dabei deren Befindlichkeiten einfach übergeht.

Wer die Telekom kennt, weiß, dass die in den BackOffices mindestens 30 % der Energie für interne Grabenkämpfe brauchen. So ist es bei Siemens und VW und leider aus eigenr Erfahrung auch bei Bosch und BMW. Da wird auf die Nachbarabteilung mit Scheiße geschmissen, nur um Budgets zu sichern.
Permalink 21.08.08 @ 21:21
Kommentar von: Kaeng [Besucher]
Ich habe schon sämtliche Telefon- und Internetanbieter getestet. Vom Service her war ich nur mit O2 einigermaßen zufrieden. Der Service der Telekom war sehr bescheiden und inkompetent. Unter anderem hab ich für meine Mutter, die mit den ganzen Anbietern und Tarifen etwas überfordert ist, einen neuen Tarif gesucht. Ich hatte nach 5 Telefonaten mit dem Service der Telekom 4 unterschiedliche Preise für den gleichen Tarif. Also wegen dem Service würde ich nicht zur Telekom gehen. Anstatt Service Center zu schließen, wäre es wesentlich hilfreicher vernünftig geschulte Mitarbeiter zu haben. Noch weniger Service, der genauso inkompetent ist wie vorher frustriert die Kunden endgültig, und die Telekom kann dicht machen.
Permalink 22.08.08 @ 09:12
Kommentar von: Sven Scheich [Besucher]
Die Telekom killt der Reihe nach langsam ihre Alleinstellungsmerkmale.

Die ganze Vorgehensweise erinnert an ein McKinsey-Buch "Trost und Rat in schwierigen Lebenslagen - allgemeingültig anwendbar für alle Branchen"

Es trifft ja nur den Staat, seine Bürger und die Kleinaktionäre.
Permalink 22.08.08 @ 10:01
Kommentar von: Andi [Besucher]
So ist es, den vielbeschworene Service der Telekom gibt es schon lange nicht mehr.

Mittlerweile ist es doch annähernd egal, wo ich ewig lange in der Warteschleife hänge, um am Ende dann doch nur einen inkompetenten oder nicht ausreichend geschulten Mitarbeiter an der Strippe zu haben.

Ich kenne ebenfalls Leute im Familienumfeld, die beim Service anderer Anbieter zufriedener waren als bei der Telekom, mich selbst eingeschlossen.

Allerdings kenne ich auch einige wenige (meist betagtere Menschen), die nichts über die Telekom kommen lassen.
Man muss aber auch bedenken, dass eben diese betagteren Menschen mit ihren simplen, analogen Telefonanlagen meist nie Probleme hatten und sich von den überfreundlichen Werbe-Raubtieren alles haben aufschwätzen lassen und sich am Ende dank "des netten jungen Mannes" auch noch gut behandelt fühlen.

Also ich weiß nun wirklich nicht, wo genau die Telekom noch gleich gut oder gar besser wie andere Anbieter sein will.

Permalink 22.08.08 @ 13:40
Kommentar von: Ingolf [Besucher] · http://www.flug-newsticker.de/
Mein „Vorschreiber“ bringt es leider auf den Punkt. Ich hatte in den vergangenen Monaten mehrfach das Vergnügen, mich mit dem Kundenservice der Telekom auseinandersetzen zu dürfen. Sich ständig widersprechende Aussagen, noch nicht mal Warteschleife bei 0800 (sondern Gassenbesetzt-Zeichen) etc. Henning hat zwar Recht. Wenn der Service dort wirklich besser wäre als bei der Konkurrenz, wäre ich gerne bereit im Monat auch 5 Euro mehr zu bezahlen. Leider ist der Service dort aber nicht besser, wenn man von der kostenlosen Telefon-Hotline absieht. Die Zielrichtung ist klar. Die Telekom hofft, dass möglichst viele Call Center Mitarbeiter nicht an die neuen Standorte folgen, sondern freiwillig gehen. Besser wird der Service dadurch nicht.

Fakt ist aber auch, dass die Telekom einfach zu teuer ist. Wenn an einer Tankstelle der Sprit 5 Cent teurer wäre als nebenan, dafür aber der Service besser. Wo würden wohl die meisten tanken?
Permalink 23.08.08 @ 14:00

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Mobilfunk Spezialist Handy
Henning Gajek kennt die Mobilfunkbranche wie kein anderer, er ist seit Jahrzehnten der deutsche Handy-Experte schlechthin.

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