RSS|Heute wollen wir mal einen Blick zu unseren Nachbarn werfen: Aus ONE wurde Orange. ONE ist der dritte Netzanbieter in Österreich, Orange die Mobilfunkmarke der France Telecom.

Der Chef von Orange.at heißt Michael Krammer. Einst war er der Chef der österreichischen Tele.ring mit überaus kreativen Tiefstpreis-Tarifen und originellen Werbekampagnen. Tele.ring wurde von T-Mobile geschluckt, Krammer als neuer CEO zu E-Plus nach Düsseldorf gerufen. Dort blieb er nur kurz, aber auf den Fluren am E-Plus-Platz soll man heute noch diesem charismatischen Chef nachtrauern.
Michael Krammer ist seitdem Chef von ONE, die seit heute, Montag, den 22.September 2008, “Orange” heißen.
Das Unternehmen “Orange” wurde 1994 in Großbritannien gegründet und gehört seit dem Jahre 2000 als Nebenwirkung der Megafusion Mannesmann-Vodafone zur France Telecom. Orange ist heute als Anbieter für Mobilfunk, Internet, Festnetz und TV-Dienste in 26 Ländern auf allen fünf Kontinenten aktiv und hat etwa 170 Millionen Kunden und fast 187.000 Mitarbeiter.
“The Future is bright - the Future is orange” lautete das Motto von “Orange”. Damals war die Hongkonger Hutchison Gruppe beteiligt, deren ehemaliger deutscher Ableger (gegründet von René Obermann) heute “The Phonehouse” und inzwischen zur Best Buy Gruppe gehört, aber das behandeln wir ein anderes Mal.
Zurück nach Österreich: Die französische Orange war bereits seit Gründung (1998) bei ONE beteiligt. 2007 konnte Orange seine Anteile nach extrem komplizierten Verhandlungen auf 35 Prozent verdoppeln, der Rest gehört dem Finanzinvestor Mid Europa Partners (MEP).
Nach der Umstellung behalten alle 2 Millionen ONE-Kunden ihre Telefonnummern und Verträge, nur leuchtet seit heute auf dem Handy-Display “Orange” auf.
Als - nach eigenen Angaben - erster Mobifunkbetreiber in Europa wird Orange Österreich die Auslandsgespräche in alle EU- und Nachbarstaaten in die Inlandstarife “inkludieren” (österreichisch für “einschließen”)
Originalton aus Wien: „Alle reden über Roaming, doch die Österreicher telefonieren dreimal mehr ins Ausland als im Ausland. Wir haben daher die Auslandstelefonate in unsere Tarife inkludiert“, erklärt Michael Krammer, der Chef (CEO) der Orange Austria Telecommunication GmbH zur Einführung der neuen Marke und Tarife. „Auslandstelefonate zum Inlandstarif, das hat in Europa bisher noch keiner angeboten. Wir machen Österreich damit einmal mehr zum Vorreiter im europäischen Mobilfunk.“
Nein nicht E-Plus hats erfunden, sondern Orange.at
Die Ausgaben für Telefonieren ins Ausland sind in Österreich dreimal höher als für das Roaming, in Deutschland noch höher. Die neuen Orange-Tarife tragen den Namen „Hallo Europa“. Die Kunden telefonieren damit zum monatlichen Fixpreis von 25 Euro österreichweit sowie in alle Fest- und Mobilfunknetze der EU-Staaten, der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen.
Bei Anmeldung von 22.9.2008 bis 31.1.2009 zahlen Neukunden sechs Monate lang keine Grundgebühr und brauchen auch keine Aktivierungsgebühr von sonst saftigen 49,90 Euro oder die Kosten für eine etwaige Rufnummernportierung zu entrichten.
ONE-Kunden in bestehenden Verträgen können erst gegen Ende der Mindestvertragsdauer auf die neuen Orange-Tarife umsteigen. Um schon vorher von den günstigeren Gespräche in alle EU-Länder, Schweiz, Liechtenstein und Norwegen zu profitieren, wird das “Europa Paket” angeboten: Um monatliche 5 Euro (= österreichisch für genau 5 Euro) zahlt man für Anrufe
ins europäische Festnetz 1 Cent/Minute und ins europäische Mobilnetz 10 Cent/Minute.
Sie haben richtig gelesen! 1 Cent (0,01 Euro) pro Minute vom Handy ins Ausland. Deutsche Mobilfunkmanager werden bei diesen Preisen schreiend in die nächste Apotheke stürzen.
Wie sich das österreichische Tarifwunder rechnet, darüber rätselt die gesamte Branche schon lange. Produzieren sie kostengünstiger? Oder subventionieren die deutschen Touristen mit ihren hohen Tarifen den österreichischen Markt?
Und Orange bietet noch mehr: Im Tiefstpreisland Austria das “echtem Fernsehen am Handy” mit der in Deutschland für “tot” erklärten DVB-H-Technik, das iPhone 3G von Apple hat Orange Österreich jetzt auch, sowie das von Fans schon heiß ersehnte Nokia N96.
So eine Markenumstellung ist ein aufwendiges Projekt, wir erinnern uns an den Wechsel von Mannesmann “D2-Privat” zu Vodafone oder “VIAG Interkom” zu “o2 Germany”. Die mehr als 90 “ONE”-Shops hatten am Samstag “zu Mittag” geschlossen und sollten seit heute Morgen unter der neuen Marke wieder offen sein. Die 1.700 Partner-Händler erhielten ein neues Design, neue Orange-Materialen, SIM-Karten und Wertkartenbons (Aufladegutscheine für Prepaidkarten)
Daß 650 IT-Applikationen, Kunden- sowie interne Prozesse und Dokumente auf Orange
umgestellt, neu gestaltet und erweitert wurden, sei nur am Rande erwähnt. Das Gesamtbudget für die Umstellung von ONE auf Orange beträgt etwa 20 Mio. Euro, der Markenwert von Orange wird derzeit international auf 14 Mrd. Dollar geschätzt. Mit einer massiven Werbekampagne will Orange in spätestens zwölf Monaten die Bekanntheit von ONE erreicht haben.
Wer sich die Sache im Internet anschauen will: www.orange.at
22. September 2008 um 19:23 Uhr
Wenn man in den Ösi-Tarifen stöbert, könnte man das kalte Kotzen bekommen. Obermann & Co. jammern rum, weil die Margen sinken und die Österreich knüppeln die gleichen Protagonisten die Preise in für Deutsche ungeahnte Tiefen.
Schade ist, dass hierzulande durch die IC-Gebühren und die Risikoscheu der Betreiber bei guten 8 ct/min der Deckel eingezogen wurde, den niemand auch nur ein wenig lüften will.
Man könnte doch eigentlich davon ausgehen, dass Leute, die zum kurzzeitig verfügbaren 5 ct-Tarif statistisch häufiger telefonieren und statistisch dem entsprechend auch häufiger angerufen werden.
Irgendwie scheint sich das Ganze bei den Nachbarn ja auch zu rechnen. Warum nur nicht hierzulande???
Die Betreiber schicken lieber kastrierte Flats ins Rennen, die kaum ein Privatier wirklich braucht. So schränkt man den netzübergreifenden Verkehr weiter ein und wundert sich, dass auch die Mischkalkulationen unkalkulierbar werden.
Genug aufgeregt! Vor nunmehr 5 Jahren gabs in Irland bei meteor beim Kauf von 2 Prepaid-Karten das folgende Angebot:
- beide SIMs untereinander 1 ca
- 500 Frei-SMS / Monat
- 1000 Frei-SMS bei Aufladung von 10 € bei unbegrenzter Gültigkeit der Frei-SMS
- Auslandsanrufe nach Deutschland 6 ct/min im 60/1-Takt
- Irlandintern ins Festnetz 4 ct, mobil 12 ct
Wie gesagt, das war vor 5 Jahren und es war prepaid und ohne irgendwelche Verpflichtungen. Schaue ich mir dagegen Simyo & Co. an. bekommen ich auch heute noch den Brechreiz.
22. September 2008 um 19:25 Uhr
Vergessen…
Meteor http://meteor.ie/plans/pay_as_you_go/ bietet heute:
* Free Meteor to Meteor talk and text for life
* Free any network texts for life
* International calls from 9c
* Any network any time calls from 29c
* Any network texts 11c
* Sign up for Meteor’s 5c text Add-On and get 150 texts at just 5c each
* 300 Free web texts per month through My Meteor
Extras
* FREE Voicemail
Dream on baby Obermann!
22. September 2008 um 20:02 Uhr
Hallo Horsti,
sicher sind das tolle Angebote, aber wo rechnen sich diese Angebote?
Hätten die Anbieter nicht schon vor Jahren (als der Euro kam) die Preise langsam weiter senken, anstatt erhöhen sollen?
Ratlose Grüsse.
Henning
23. September 2008 um 07:07 Uhr
Ich befürchte, dass sich die o.a. Angebote sowohl in Österreich als auch in Irland sehr wohl rechnen werden. Die Leute, insbesondere die Zugezogenen haben in Irland kaum noch Festnetz. Entsprechend wird ausschließlich mobil kommuniziert. Ähnlich sieht es doch in Österreich aus.
Ich denke, die schlimmste Fehlentscheidung der Mobilfunker war der UMTS-Ausbau in den Ballungsräumen, in denen auch DSL schon verfügbar war. Wäre man da aggressiv aufs Land gegangen, hätte man 10.000e Kunden binden und den Festnetzanbietern tatsächliche Konkurrenz machen können. Aber nein, man balgt sich lieber zuerst in Großstädten mit Telekom, Kabelnetzbetreibern und örtlichen Kommunikationsfirmen. Masochisten eben und leider auch Leute, die überbezahlt und trotzdem nur angestellt sind.
Mobiles Internet ist IMHO viel mehr Droge als das kabelgebundene, weil es 1000e Möglichkeiten bietet. Im Gegensatz zum Ortsfesten mit der Streberbox in der Kinderzimmerecke.
23. September 2008 um 10:03 Uhr
Schaut man sich die Orange Europa-Karte so an, liegt KPN eigentlich wie auf dem Präsentierteller für die nächste Übernahme. Mit TeliaSonera sind die Franzosen erstmal gescheitert, Telefonica hat scheinbar kein Interesse an KPN und hätte auch deutliche Überschneidungen in Deutschland durch o2 - also…
Damit wäre France Telecom nach dem Mobilcom-Desaster wieder auf dem deutschen sowie auf dem niederländischen Markt vertreten. Wie realistisch ist so ein Szenario und was für Konsequenzen hätte das wohl für E-Plus mit seiner Mehrmarken- und Discounter-Strategie?
Schöne Grüße,
Daniel
23. September 2008 um 16:58 Uhr
Also ich bin ein waschechter Österreicher und ich muss sagen, dass ich die Orange Tarife gar nicht so gut finde…
da müsstet ihr mal die Tarife von 3 nehmen,, aber natürlich erhältst du das nur, wenn du dich wirklich gut bei dem Tarifdschungel von 3 auskennst: (www.drei.at) Aber auch ohne Gutschriften ist es ein super Angebot *gg*
zu einer Grundgebühr von nur 6 Euro pro Monat wird mir folgendes geboten:
6cent in alle österr. Netze
6cent Gutschrift für jede Minute telefonieren, wenn du aus einem öster. Mobilnetz angerufen wirst.
1000sms in alle österr. Netze
gratis Tele- und Videotelefonieren in das Netz von 3 (und Videotelefonieren funktioniert bei 3 schon super, hierzulande haben wir eine umts-Abdeckung von 94%)
1GB Datentransfer pro Monat.
insgesamt hatte ich bei der Anmeldung (2 Jahre MVD) noch zusätzlich 83 Euro Gutschrift bekommen….
Außerdem habe ich auch noch 2 Kunden geworben, das bringt mir noch mal je 33 Euro
also insgesamt 119euro Gutschrift… ich habe bis heute noch nicht eine Rechnung bezahlen müssen bei 3 weil ich noch immer mit den Gutschriften lebe….
also.. mit den gesamten Gutschriften ist die Grundgebühr locker herinnen….
und bevor ich es vergesse… Aktivierungsgebühr musste ich auch nicht zahlen…
Außerdem wisst ihr jetzt auch, warum ich schon 2 Kunden geworben habe… die ihrerseits auch wieder Kunden geworben haben….
und bezüglich Subventionen von Deutschland, die es den Österreichern erlauben billig (aber in meinem Fall gratis) zu telefonieren, das stimmt nicht ganz… im falle von 3 kommen die Subventionen aus Hongkong…. *gg*
die besten Wünsche aus der Alpenrepublik mit dem wahrscheinlich besten Mobilnetz in ganz Europa
23. September 2008 um 21:44 Uhr
Die Tarife ähneln etwas denen der schweizer Orange. Natürlich erheblich billiger, um nicht zu sagen Lichtjahre billiger. Auch hier in CH sind bei den Optima Tarifen die Inklusivminuten sowohl für Gespräche ins Inland als auch ins europäische Ausland und ein paar weitere Länder gültig.
Es freut mich, dass sich solche Tarife verbreiten. Wieder mal ein Vorbild für andere Provider, die eben kurzsichtiger sind.
24. September 2008 um 09:13 Uhr
Über österreichische oder irische Tarife mag ich nicht wirklich nachdenken. In Deutschland hat man sich nach der Discount-Attacke von Eplus auf einem niedrigeren Level wieder arangiert. Derzeit hackt keine Krähe mehr der anderen ein Auge aus. Eplus.KPN hat das Ziel der Ausweitung der Marktanteile in D erreicht und kann nun wieder Cash nach Holland abführen. O2.Telefonica sieht sich offenbar außer Stande einen Preiskampf anzufangen. Die beiden Großen werden sich diese Frage nicht einmal ansatzweise stellen. Wozu auch bei Marktanteilen größer 30 % und Wechselraten kleiner 10 %.
Ich fürchte, Deutschland bleibt eingefroren und als Begründung wird demnächst auch die Regulierung der aberwitzigen Auslandstarife ins Feld geführt werden. Schließlich muss man die dort anfallenden “Regulierungsverluste” anderswo wieder reinholen.
Ich persönlich verstehe das System nicht. Man erzieht sich Rosinenpicker, die daran gewöhnt werden Rosinen intensiv, den Rest restriktiv zu nutzen. Man zwingt Vielreisende zur Anschaffung mehrerer SIM-Karten.
Wer beispielsweise regelmäßig nach Amerika reist, geht bei Auslandsnutzung seines deutschen Handys finanziell zu Bruch. Warum verlangen die deutschen Provider für Telefonate USA -> D teilweise >> 1 Euro pro Minute, während amerikanische Discounter diese Leistung für 2 ct proMinute bringen?
Ich fürchte, der Markt wird im Mobilfunksektor kläglichst versagen, da die Spieleranzahl einfach zu gering und damit Preisabsprachen und ein gegenseitiges nicht weh tun absehbar sind und bleiben.
In Österreich und Irland sieht es ganz anders aus. Die Märkte sind bevöäkerungstechnisch kleiner und die Spieleranzahl ist größer. So ist immer ordentlich Druck im Kessel und kein Marktteilnehmer kann sich einen Ruhepolster-Marktanteil langfristig sichern.
Es lebe der freie Markt. Manchmal braucht er aber auch einen regulatorischen Denkanstoß.