RSS|Alle reden von Android oder dem “Google” Phone. Und alle glauben, daß dieses Telefon sofort ein durchschlagender Erfolg werden wird. Wirklich alle? Nein nicht alle.
“Google Android hat eine ähnliche Zielgruppe wie das iPhone, beispielsweise technik-affine oder wohlhabende Hightech-Nutzer. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass G-Phones in naher Zukunft auf dem Massenmarkt oder in den Entwicklungsmärkten Fuß fassen werden.
Fälschlicherweise wird allgemein davon ausgegangen, dass jedes Mal, wenn ein namhafter Anbieter ein neues Produkt auf den Markt bringt, mehr Smartphones verkauft werden. Dem ist nicht so. Meiner Meinung nach wird das G-Phone nur sehr geringen Einfluss auf den Massenmarkt haben, wo herkömmliche Geräte die Nachfrage beherrschen.”Das sagt Carsten Brinkschulte, CEO des britisch/deutschen Softwareunternehmens Synchronica, das sich auf Datensynchronisation der 1,5 Milliarden Smartphones weltweit spezialisiert hat.
Seine Aussage ist nachvollziehbar. Das iPhone ist von Apple und diese Marke hat Kultstatus. Sprich die Leute wollen Produkte dieser Marke haben, weil sie “hip” sind.
Das G-Phone kommt von “Google” und die stehen zum Einen für kostenlose Informationen satt, aber bei informierten Kunden für das mulmige Gefühl, daß Google mehr Dinge über den Nutzer weiß, als dem vielleicht lieb sein könnte. Der richtig schnelle Internet-Browser “Google Chrome” geriet beispielsweise kürzlich ins Visier des staatlichen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), welches ohne Umschweife vor dem Einsatz dieses Browsers abgeraten hat! Ob das BSI auch vom Einsatz des Google-Phones abraten wird?
Der Charme des Google Phone ist ein offenes Betriebssystem, für das es möglicherweise ziemlich bald viel Software zum Runterladen geben könnte, wenn diese Software zu moderaten Preisen angeboten wird.
Der Apple Software-Laden “Appstore” führt heute schon vor wie man das richtig macht und Nokia wird nicht kampflos zu sehen, daß Symbian in den Hintergrund gerät, das Portal “ovi” wurde nicht von ungefähr gestartet.
Wir erinnern uns: PCs wurden so populär weil es Terabyte von Software gab und gibt, die man (legal!) kostenlos runterladen kann und darf oder erst nach einer Probephase bezahlen muß oder wo es Versionen gibt, die in einer Grundversion kostenlos und erst in einer Komfortversion was kosten.
Die Mobilfunkbetreiber, die sehnsüchtig auf einen Durchbruch und einer Kompensation ihrer sinkenden Sprach-Einnahmen beim Datenbetrieb hoffen, müssen folgendes lernen:
Der unbedarfte User, der aus Versehen oder aus Neugier auf die Datentaste seines Handys drückt, darf nicht danach den Rechnungsschock seines Lebens erhalten, nur weil er in einem steinalten Tarif ohne vernünftige Datenoption steckt und dann mit teilweise bis zu 19 Euro pro MB erschlagen wird. Dieser Kunde lernt daraus “Mobilfunk ist teuer” und wird um all die schönen Datenangebote einen riesengroßen Bogen machen.
Datenpreise müssen aus der Schachtel bezahlbar sein, also maximal 24 oder 35 Cent pro MB und zwar automatisch, ohne Buchung von Sondertarifen oder Optionen!
Alle anderen Tarifideen mögen auf den ersten kurz Blick für die Kostenrechner toll aussehen, sind aber tödlich für den Kunden und damit am Ende des Tages auch tödlich für die Mobilfunkanbieter.
Das deutet: Durchatmen liebe Netzbetreiber und ALLE Tarife (egal wie alt sie sind), ALLE Kunden auf neue günstigere Datenpreise umstellen ohne Wenn und Aber und irgendwelche Fußnoten. Und dann das richtig bewerben, damit diese Preissenkung wirklich im Kleinhirn der Kunden ankommt.
Die Sache hat natürlich noch einen zweiten Haken: Die (Daten)Netze müssen massivst ausgebaut werden, was richtig Geld kostet, um die zu erwartende Datenlawine (die bereits anrollt) abfangen zu können. Wenn die Leute endlich Lust auf mobiles Internet haben und dann im Datenstau stecken bleiben, wird das den Markt wiederum abwürgen.
Das Google-Telefon wird noch eine ganz neue Bedrohung für die Mobilfunker darstellen. Wenn der Markt nicht so fliegt, wie Google sich das vorstellt, wird Google früher oder später selbst als “Provider” in den Markt einsteigen und die Handys samt Minuten oder Datenpaketen mehr oder weniger an das mobile Volk verschenken. Geld wird dann über massive Werbung und das Datensammeln verdient. Wo es Handys for free gibt, könnten viele jugendliche oder nicht so zahlungskräftige Kunden ihre (Datenschutz)Bedenken schnell ganz vergessen und dann machen wieder andere das Geschäft.
Viel Zeit bleibt nicht.
24. September 2008 um 17:03 Uhr
Ich fürchte, genau der letzte Absatz trifft voll ins Schwarze. Die klassischen NBs lamentieren doch nun schon seit zig Quartalen über die zu geringe Datennutzung und die wegbrechenden klassischen Telefonate. Dabei agieren sie extrem verkrustet und man wagt datenmäßig keine Offensive.
Die von Henning angesprochenen 24 ct pro MB sind sicher nicht ganz schlecht, aber wer häufiger surft wird selbst damit arm.
Ich hoffe datenmäßig auf die letzten Bewegungen durch Fonic und die neue Prepaid-Flat. Da kann sich dann nämlich manch ein Vertragskunde fragen, was 24 Monate MVLZ bringen, wenn es Vergleichbares als Prepaid und damit risikolos gibt.
Das G-Phone wird erst der Brüller, wenn die Datenpreise auf breiter Front fallen… Und genau deshalb kommt es vorerst nicht nach Deutschland. Die google-Boys wissen wohl um die verknöcherte Struktur des alten Europa.
25. September 2008 um 08:52 Uhr
“Datenpreise müssen aus der Schachtel bezahlbar sein, also maximal 24 oder 35 Cent pro MB und zwar automatisch, ohne Buchung von Sondertarifen oder Optionen!”
Danke, ich wurde erhört! Genau das ist es, was mich schon ewig stört.
Mir persönlich würden 24 ct durchaus schon reichen, um hin und wieder mal das Handy mobil unterwegs zu nutzen. Ich habe eigentlich ein Handy, das über entsprechende Funktionen und Datenanbindung verfügt, aber unterwegs nutze ich das nicht, das ist mir einfach zu teuer.
Selbst wenn ich mal unbedacht 10 MB versurfe, dann kämen da im Endeffekt keine 100 € raus, sondern durchaus bezahlbare 2,40 €.
Und wie das mit Minutenabrechnung aussehen würde, da denk ich lieber gar nicht dran. Viele NBs haben hat diese genialen 1-Minuten-Taktungen. Da kann man auch nur 1 kb versurfen und nur 1 Sekunde online gewesen sein, schon sind 10 ct. weg. Auch bei einem Versehen.
Nicht umsonst haben die Leute Angst vor dem eigenen Handy, dass sie versehentlich auf den Internet-Button geraten könnten und dadurch arm werden.
Vor allem bei den neuesten Modellen schauen viele gleich, wie sie sicherheitshalber mehrere Profile anlegen, um ja nicht versehentlich oder gezwungen ungewollt ins Internet kommen.
Dafür wurden die Handy-Profile und -Einstellungen jedoch nicht erfunden.
Mit günstigen Tarifen würde die Hemmschwelle deutlich fallen. Und da wären 24 ct. ein passabler Anfang.
Ich seh es schon kommen, nach der nächsten EU-Regulierung ist die Datenübertragung beim Roaming im Ausland dann günstiger als die Datenübertragung im Inland - genau wie wir das nun mit den SMS haben.
Verkehrte Welt!
25. September 2008 um 10:57 Uhr
Nicht zu vergessen: bei manchen Anbietern zahlt man eine sogenannte “Tagesnutzungsgebühr”, die pauschal immer anfällt, wenn man sich ins Internet einwählt. Meistens wird diese Gebühr aber nur im Kleingedruckten mal erwähnt.
Dann stören mich die sogenannten Pakete: Ein Vollflatrate für 25 Euro wäre ja im Grunde akzeptabel, aber die Netzbetreiber scheinen ja nun doch gemerkt zu haben, dass die Nutzer auch davon Gebrauch machen. Und dann wird die Flat irgendwann gekappt oder die Geschwindigkeit massiv reduziert. Das darf eigentlich auch nicht sein.
25. September 2008 um 15:41 Uhr
Solange die Datenpreise sind, wie sie sind, wird das G-Phone keine Chance haben. Derzeit ist dach das Gegenteil dessen, was Google möchte, der Fall. Man bekommt ein neues Handy und löscht erstmal alle Datenverbindungen, da doch “moderne” Geräte zumeist gut plaziert und aus versehen erreichbar eine Abzocktaste haben, die ohne nochmalige Nachfrage Internetverbindungen aufbaut. Das Internet-Piktogramm ist für diese Tasten eigentlich das falsche, besser würde ein Kassensymbol passen.
25. September 2008 um 17:43 Uhr
Das Flat-Abklemmen kann ich so nicht bestätigen. “Saugern” tritt man sicher auf die Finger, aber wir nutzen beispielsweise sehr intensiv mehrere Base-Flats dienstlich (je ca. 4 - 5 GB pro Monat). zu Hause habe ich eine Genion-Flat. Bisher hat keiner der NBs herumgemuckt.
Den “Drosselparagrafen” bei O2 binde ich mehr als nur fair. Power-User werden auf Entzug gesetzt und haben Zeit nachzudenken, ehe der neue Abrechnungsmonat startet.
1. Oktober 2008 um 13:34 Uhr
Ich glaube nicht, dass das Teil grossen Erfolg in Deutschland haben wird, dem Sidekick war es auch nicht vergönnt trotz preiswerter Flat. Den meisten meiner Freunde ist mein N82 schon zu groß - würden Sie nicht kaufen, viele Haben ein Notebook und ein kleines Telefon, dass man mit dem Notebook zum surfen u.s.w. koppeln kann.
Und Prepaidkarten waren, sind und bleiben meiner Meinung nach was für Gelegenheitsnutzer. Im Übrigen finde ich 20€ für 100min/ 50SMS und 250MB nicht wirklich teuer.
Ich glaube auch nicht, dass Google es sich leisten kann, die Teile mit Datenflat zu verschenken. Denn bei einem so offenen System wie angesprochen läßt sich auch ganz schnell ein anderer Browser raufladen und schon ist Google ausgetrickst. Kein Datentraffic, keine Informationen, also muß das Teil wenigstens zum Selbstkostenpreis verkauft werden - und schon ist es kein Schnäppchen mehr.