RSS|E-Plus hat gerade sein neues “Mein Base” Konzept vorgestellt, das von der Fachwelt in Foren und Blogs zerrisssen wird. Trotz aller Kritik kann die Düsseldorfer Tochter des KPN-Konzerns 19 Millionen geschalteter SIM-Karten vermelden. Alles eitel Sonneschein?
Mit markigen Worten “steigert die E-Plus Gruppe Profitabilität und plant weitere Investitionen in Markt und Netzausbau”, der Serviceumsatz (3,021 Milliarden Euro) und der Gewinn vor Steuern und Abschreiungen (EBITDA) betrug knackige 1,333 Milliarden Euro in einem “schwachem Marktumfeld”.
Daß die EBITDA-Marge 2009 mit 41,9 Prozent über Vorjahresmarke liegt, wird Börsianer freuen, die Kundenzahl (wohl richtiger die zahl geschalteter SIM-Karten) erreicht rund 19 Millionen zum Ende 2009.
Was haben die Blogger sich die Tastaturen zerissen, als E-Plus zweitweise jede Woche eine neue Marke eröffnete. Die Neugier nicht informierter Kunden hat offenbar genügend Nachfrage erzeugt, daß der eine oder andere sich “mal wieder eine neue” Karte geholt haben muß, bevor er am Ende des Tages merkt, daß er das Netz schon hat? Bis das sich in Kundenzahlen niederschlägt ist mindestens 1 Jahr rum, dann wenn die nicht mehr genutzte Karte automatisch abgeschaltet wird.
Aber das Wachstumswunder geht jetzt schon 4 Jahre. 2005 hat die E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG die strategischen Neuausrichtung des Unternehmens begonnen und sorgt für Freude und zufriedene Gesichter im KPN Hauptquartier.
Einer kann sich nicht mehr freuen: Stan Miller. Der Südafrikaner kam zu KPN und machte aus dem darniederliegenden Unternehmen BASE in Belgien über Nacht eine Erfolgsstory. Das Konzept wurde auf Deutschland übernommen, hier gilt BASE als die Marke für Flatrates und hat damit bestimmte Zielgruppen für sich begeistern können. Stan Miller war es auch, der das Multi-Marken-Discounter-Konzept in Deutschland anschob – nun hat er KPN zum 1.2.2010 verlassen, weil, so wollen es Insider wissen, er gerne Nachfolger vom 2011 scheidenden KPN-Chef Ad Schepbouwer geworden wäre. Daraus wurde aber nix.
Die Deutschen Zahlen lesen sich erst einmal wie immer traumhaft. Leicht steigenden Umsätze aus Mobilfunkdienstleistungen, sowie “konsequentes Kostenmanagement” (sprich Sparen, Sparen, Sparen) bringen mehr EBITDA, der Serviceumsatz wuchs 2009 im Vorjahresvergleich um 0,5 Prozent auf 3,021 Milliarden Euro.
Dann kommen die weniger guten Zahlen: “Für den Gesamtmarkt ist nach den Resultaten der ersten neun Monate im Gesamtjahr ein Umsatzrückgang von über zwei Prozent zu erwarten.” Oha?
Egal: Der geschätzte Marktanteil am Serviceumsatz stieg 2009 von 15,1 Prozent im Vorjahr auf ca. 15,5″ Prozent. Im 4. Quartal 2009 ging der Serviceumsatz der E-Plus Gruppe “wie
erwartet leicht um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Das soll aber nur an den von der EU verordneten Absenkungen bei Terminierungs- und Roamingentgelten mit einem negativen Umsatzeffekt von ca. 3 Prozent gelegen haben. Ja ja, die böse böse EU.
Konstant niedrigere operative Kosten (es wurde nochmals gespart und ausgelagert) und gezielte Investitionen haben das EBITDA der E-Plus Gruppe um 7,1 Prozent auf 1,333 Milliarden Euro für das Gesamtjahr steigen lassen. Die EBITDA-Marge die manche Börsianer interessiert, liegt mit 41,9 Prozent im Jahresdurchschnitt deutlich über dem Wert von 2008.
Nun möchte die E-Plus Gruppe entschlossen in die Marktoffensive und will sogar – wir glauben es kaum, weiter in den Netzausbau investieren! Dazu wurde beim preiswertesten chinesischen Netz-Ausrüster ZTE bestellt, aufbauen und in Betrieb nehmen wird es Alcatel-Lucent. Wo wann, was auf- oder ausgebaut wird, bleibt weiterhin streng geheim. Auch wenn E-Plus dagegen geklagt hat, bei der LTE-Auktion wird man natürlich dabei sein.
19 Millionen SIM-Karten im Netz, 13,4 Millionen davon bei den “neuen Marken”. Das sind 1,2 Millionen Karten mehr als Ende 2008. Im 4. Quartal 2009 entschieden sich 275.000 zusätzliche Kunden für eine E-Plus-Marke oder eines seiner Kooperationsmarken. Bei Laufzeitverträgen ist kaum eine Steigerung zu verzeichnen: 6,67 (2008) auf 6,76 Millionen Kunden im Jahre 2009, also rund 92.000 Neukunden. E-Plus hat bundesweit 800 Shops, die in einem Jahr nur 92.000 neue Karten geschaltet haben, das wären pro Laden und Monat neue 9,5 Karten gewesen. Ja, ja die Statistik.
Was in dem Bericht nicht steht, wieviele Leute gekündigt haben und zu einem anderen Netz gewechselt sind, wieviele Leute “neu” von einem fremden Netz dazu kamen oder wieviele nur wegen des Handys “neu” bei E-Plus unterschrieben haben, aber eigentlich “Altkunden” sind.
2009 machten die Kunden insgesamt 14 Euro Umsatz pro Karte und Monat (“blended ARPU”), 2008 waren es 1 Euro mehr. Im vierten Quartal war der Wert schon auf 13 Euro gesunken.
Schaut man genauer hin, dann gingen die Postpaid Umsätze von 30 auf 27 Euro zurück, bei Prepaid blieb es bei monatlich 6 Euro pro Karte. Der Datenumsatz ist 2008 auf 2009 von 23% auf 28% gestiegen und das trotz des hier und da überlasteten Netzes.
Die Sache ist klar: E-Plus setzt voll auf Prepaid: Das vorausbezahlte Geld ist sicher, es gibt keine Probleme mit nichtzahlenden Kunden. Bei Prepaid muß kein Handy für 1 Euro dazu verschenkt werden, die Sache ist insgesamt streßfreier, in vielen Ländern ist Prepaid Standard.
Die neuen BASE-Tarife mögen Freaks “verrückt” vorkommen, das “Opfern” der Kernmarke “E-Plus” mag als “Selbstmord” erscheinen. Gleichwohl: Bei E-Plus scheint man sich das ganz genau überlegt zu haben. Und – so verrückt es ist – es könnte klappen.
Viele “Normalkunden” werden die neuen BASE-Tarife liebend gerne unterschreiben, weil es eine “kostenlose” SIM-Karte mit 30 Freiminuten und 30 Frei-SMS gibt. Daß die Freiminuten nur zu BASE und nicht mehr zu anderen Anschlüssen im E-Plus-Netz gelten, fällt erst einmal gar nicht auf. Die Folge-Minute ist 19 Cent gegen über 29 Cent bei T-Mobile oder Vodafone durchaus günstig. Wer mehr will, bucht schnell eine Option dazu. Durch die Drohung mit der “nachträglichen” Anschlußgebühr, werden die Kunden daran erinnert, die Karte auch zu nutzen. Wer “merkt”, daß die Flatrate nur zu “BASE” kostenlos ist, wird nach der ersten Schockrechnung “aufpassen” und Freunde und Verwandte zu BASE ziehen wollen. Hoffentlich entdecken die Kunden nie das wirklich revolutionäre Konzept von o2o…
19 Millionen Karten bei E-Plus ist eine Zahl, die sich auf den ersten Blick sehen lassen kann. Den großen Angriff auf T-Mobile oder Vodafone schafft E-Plus sowieso nicht, weil viele D1/d2-Kunden schon immer dort Kunde gewesen sind oder auf den lokalen besseren Netzausbau angewiesen sind oder felsenfest davon ausgehen, daß bei ihnen E-Plus nicht funktioniert. Die umsatzstarken Geschäftskunden kann E-Plus nicht erreichen, da E-Plus ein flexibler und schlagkräftiger Geschäftskundenvertrieb schlicht fehlt. Geschäftskunden wollen nicht von der Stange kaufen, da müßte man erst einmal kräftig investieren. Zu teuer.
o2 hat derzeit wesentlich weniger geschaltete Karten, die aber möglicherweise aktiver als bei E-Plus sind. Niemand weiß das so genau. Ob es o2 gelingt in kurzer Zeit den scheinbaren Vorsprung von E-Plus einzuholen?
Oder hat o2 längst verstanden, daß die reine SIM-Kartenzahl kein aussagefähiger Indikator ist? Im Moment ruht sich E-Plus ein wenig aus und schaut wie es weiter geht.
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31. January 2010 um 20:23 Uhr
Gibt o2 denn wirklich Gas um eplus/BASE einzuholen?
Portierungsmöglichkeiten fehlen, es gibt nur wenige Tarife – ist das ein Übergangsstadium von o2 und man arbeitet im Hintergrund an weit größeren Dingen?
Müßte o2 nicht langsam (große) Firmen für sich gewinnen?
Falls o2 auf eplus/BASE aufholen sollte – ab wann wird sich eplus/BASE wehren? Oder bleibt es bei 4 Anbietern, deren alleiniges Ziel es ist Gewinne und noch mehr Gewinne zu machen? (Und die Kundschaft ist egal, solange nicht die Mehrheit wieder zum Festnetz [oder Flaschenpost] greifen.)
1. February 2010 um 01:17 Uhr
Was wäre wenn:
Die Trennung zwischen eplus und BASE notwendig ist/wird weil eplus unter den Hammer kommt? Ggf. in orange gefärbt wird? Oder indisch wird? Oder eine “3″ auf die SIMs gedruckt wird? Oder…?! Dann ginge es doch quasi gar nicht mehr daß eplus bei BASE inklusive ist!?
Wenn das eplus-Datennetz hochgepushed wird mindestens auf o2-Niveau? (Durch einen uns noch unbekannten Geldgeber und ggf. neuen Eigentümer von eplus?!)
BASE würde zur reinen Flat-Marke, greift hier und da etwas Daten ab und die anderen geben unter dem neuen Eigentümer Gas?!
Wäre das überhaupt machbar, also dann 5 Anbieter im Land?! (Wenn man Vistream und Ring mal außen vor läßt.)
Es muß ja nicht weitere 10, 20, 30 Jahre weiter heißen: eplus/BASE und o2 bekriegen sich und TM/VF schauen genüßlich zu…
Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, daß eplus und BASE trennt nur um IC kassieren zu können; an die negativen Reaktionen werden Gregori&Co gedacht und einkalkuliert haben!?
3. February 2010 um 18:29 Uhr
Hallo,
Die E-Plus Gruppe soll für Ihre Mami in erster Linie Geld verdienen. Davon lebt die Wirtschaft. Und “schlaue” Leute haben sich ausgerechnet, daß man mehr Geld veridenen kann, wenn man E-Plus ungleich BASE definiert. Im Moment ist die Technik aber noch gar nicht so weit, d.h. im Augenblick kann man noch zu allen E-Plus-Anschlüssen telefonieren. Das kann sich aber JEDERZEIT ändern!
Die einzige Sprache, die der Kunde sprechen kann, dahin gehen, wo er denkt, glaubt oder weiß, seine Kundeninteressen am ehesten abgedeckt werden.
Erst wenn Milliionen Kunden gehen oder wechseln, dann setzt ein Denkprozess ein. Vorher nicht.
Und ich sage Dir: Die Masse der Kunde findet die neuen Tarife gar nicht so übel.